Mittwoch, 08. Februar 2023

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Sportler im Iran
Keine Sanktionen trotz Hinrichtungen

Der Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Afkari sorgte im vergangenen September für heftige internationale Kritik. Vergangene Woche wurde Boxer Ali Mutairi Medienberichten zufolge hingerichtet, es ist die dritte Exekution eines iranischen Sportlers binnen vier Monaten.

Von Raphael Späth | 02.02.2021

Iranische Flagge weht vor blauem Himmel
Gleich drei Sportler sind in den vergangenen Monaten im Iran hingerichtet worden. (imago images / agefotostock)
Seit über zwei Jahren befand sich Ali Mutairi in Gewahrsam – bei Demonstrationen soll er zwei Mitglieder der paramilitärischen Miliz Basij getötet haben, außerdem gehöre er dem sogenannten Islamischen Staat an, so das Urteil der iranischen Justiz. Mutairi soll ein Geständnis abgelegt haben – unter Folter, wie Menschenrechtsorganisationen berichten. Der Einspruch der Familie des 30-jährigen Boxers wurde abgewiesen.
Sein Fall ähnelt dem von Ringer Navid Afkari. Damals hatte sich auch das Internationale Olympische Komitee eingeschaltet und versucht, die Hinrichtung Afkaris zu verhindern. Sportpolitische Sanktionen gegen das iranische Regime gab es nach Afkaris Exekution aber nicht – trotz zahlreicher Forderungen von Athleten-Vereinigungen weltweit.

Athletenvertreter fordern Sanktionen gegen Iran

Ein Fehler, meint Maximilian Klein vom Verein Athleten Deutschland. Die deutsche Athleten-Vertretung beobachtet schon länger die Situation von Athletinnen und Athleten im Iran und kommt zu dem Ergebnis, "dass es Sanktionen gegen das iranische Regime geben muss. Dass also Iran vom Weltsport ausgeschlossen werden muss, aber unter der Bedingung, dass iranische Athletinnen und Athleten weiter unter neutraler Flagge starten dürfen."
Hinrichtung von Ringer Navid Afkari - "Sportverbände dürfen nicht schweigen"
Weil er einen Sicherheitsmann getötet haben soll, ist der iranische Ringer Navid Afkari hingerichtet worden. FDP-Politiker Bijan Djir-Sarai ist sich sicher, dass sein Geständnis unter Folter erzwungen wurde. Vom Sport fordert er eine klare Positionierung und konkrete Maßnahmen gegen den Iran.
Darüber hinaus sieht Klein das IOC in der Pflicht, Strategien zu entwickeln, um Menschenrechtsverstöße gegenüber Athletinnen und Athleten in Zukunft schneller und gezielter ahnden zu können.
"Und das bedeutet auch, dass da Risikoanalysen erstellt werden, und wenn man so eine Strategie hat, dann hat man auch eine viel bessere Handlungsgrundlage, um zu entscheiden, wo und wie man tätig wird, und das fehlt aktuell."

Hinrichtung außerhalb des IOC-Aufgabengebiets

Seit dem Fall Navid Afkari schweigt das IOC größtenteils zu den Vorfällen in Iran. Auf Deutschlandfunk-Anfrage heißt es zum Fall Ali Mutairi lediglich:
"Der Fall von Ali Mutairi, einem lokalen iranischen Boxer, ist tragisch. Wir wurden darüber informiert, dass seine Teilnahme an lokalen Sportwettbewerben in keinster Weise mit dem Kriminalfall an sich zusammenhängt. Deshalb befindet sich dieser Fall eindeutig außerhalb des IOC-Aufgabengebiets."
Maximilian Klein von Athleten Deutschland sieht das anders:
"Wir sind ohnehin in der ganzen Menschenrechtsdiskussion auch der Auffassung, dass sich die Verantwortung des IOC nicht nur auf die Ausrichtung der Spiele eben bezieht, sondern als Dachorganisation der Olympischen Bewegung eben viel weiter trägt und da muss das IOC natürlich genau dann aktiv werden, wenn Athletinnen und Athleten verfolgt werden, wenn sie gezielt Repressalien ausgesetzt sind. Das ist im Iran vielleicht der Fall, das ist aber auch zum Beispiel der Fall in Belarus gewesen."
Dort hat das Internationale Olympische Komitee nach monatelangem Druck von Athletenseite auch reagiert: Im Dezember wurden Machthaber Lukaschenko und seine Vertrauten provisorisch suspendiert – ein Schritt, den Athletenvertreter auch im Fall Iran fordern.