Freitag, 27. Mai 2022

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Sprachsteuerung
Alexa und Siri statt UKW

Nach den Wischgesten bei Smartphones und Tablets, ist die Sprachsteuerung die nächste große Innovation, die den Umgang mit Computern grundlegend verändert. Von sprachgesteuerten Assistenten wie Alexa, Siri und Cortana könnten auch das Radio und andere Audio-Angebote profitieren.

Von Jörg Wagner | 02.11.2017

Der Amazon Echo Dot ist ein Lautsprecher, der auf den Namen "Alexa" hört und als Sprach-Schnittstelle zu Amazon-Produkten fungiert. Über den Amazon Echo Dot lassen sich Waren bestellen und Geräte im Haushalt steuern.
Sieht so das Radiogerät der Zukunft aus? Der Lautsprecher der Firma "Amazon" lässt sich sprachsteuern und hört auf den Namen "Alexa". (picture alliance/dpa/Markus C. Hurek)
"Willkommen beim Deutschlandfunk. Frage zum Beispiel nach den aktuellen Nachrichten oder starte das Live-Programm vom Deutschlandfunk. Wenn Du mehr wissen willst, sag' Hilfe!"
Eine synthetische Frauenstimme dringt aus silberne, grauweiße oder schwarze Röhren, Scheiben oder an Raumduftspender erinnernde mit Stoff bespannte Kleinlautsprecher mit WLAN-Anbindung an eine riesige Datencloud. Die Geräte, die zur Klasse der Sprachassistenten gehören, sind das Resultat besonders einer US-amerikanischer, offenbar mit dem "Raumschiff Enterprise" groß gewordenen Ingenieursgeneration.
"Computer! Letzte Nachricht empfangen und aufgenommen von Captain Kirk. - Gespeichert. - Bitte analysieren! - Frage: Ist es oder ist es nicht die Stimme des Captain? - Negativ. Eine gute Kopie. - Stimmenimitation? - Ja, mit 98 Prozent Wahrscheinlichkeit."
Ist Sprachsteuerung das neue Wischen?
Nach der Maus und den Wischgesten bei Smartphones und Tablets, ist die Sprachsteuerung die nächste fundamentale Innovation im Umgang mit Computern, die alle Lebensbereiche erobert.
"9 Prozent der Multi-Geräte-Haushalte haben ein Echo in ihrer Toilette"
9 Prozent der Haushalte mit mehreren Sprachassistenten nutzen diese in Ihrem Toilettenbereich, wie der britische Marketingexperte Tom Stevens in einer Umfrage unter Amazonkunden beim System Echo ermittelte. 14 Prozent der Briten geben der Amazon-"Alexa" bereits Befehle. Im nächsten Jahr erwartet man 40 Prozent.
Deutsche mit etwas Zeitverzug im "Alexa"-Fieber
Der deutsche Medienforscher Klaus Goldhammer sieht die Deutschen mit etwas Zeitverzug im selben Alexa-Fieber.
"Wir haben gesehen dass 6 Prozent der online Audio Nutzer in Deutschland bereits ein solches Gerät zu Hause haben. 9 Prozent. überlegen ein solches Gerät zeitnah zu kaufen. Das heißt wir haben im Prinzip 15 Prozent der Online-Audio-Nutzer in Deutschland, die bereits mehr oder minder mit solchen Geräten verschwippt oder verschwägert sind."
Bequemlichkeit als Markttreiber
Ursprünglich wurden die Systeme entwickelt, um eigentlich alles, was sich ansteuern lässt mit Sprache zu vernetzen. Die Bequemlichkeit wird wie seit der Erfindung des Rades zum Markttreiber.
Klaus Goldhammer: "Ich kann meine Glühbirnen dimmen lassen per Sprache und ich kann selbst mittlerweile den Kühlschrank damit steuern und insofern da gibt es viele viele Nutzungsform, die. jetzt gerade anfangen und es ist endlich auch so einfach, dass es nicht einen in die Verzweiflung treibt, um das Ganze anzuschließen."
Offenbar ist der Zugewinn an Lebensqualität und Spaß so groß, dass die Bedenken, die eingebauten Mikrofonen könnten nicht nur Sprachbefehle zu Amazon, Google oder Apple transportieren, verdrängt werden. Ebenso der tatsächliche Einblick in die Lebensgewohnheiten und Konsuminteressen. Der Komfortgewinn scheint beim Hören von Audioinhalten besonders hoch. Und zwar unabhängig von der Tageszeit. Deswegen sind Radiostationen gut beraten, diesen Trend ernst zunehmen.
Chance für Radio
Robert Förster, Geschäftsführer der Multicast Media GmbH, einer Firma, die Radiosender an die neuen digitalen Anforderungen mit Softwarelösungen heranführt, sie trainiert zur Auffindbarkeit, mehr Text huckepack zu übertragen:
"Radio hat auch einen großen Vorteil. Sie haben eine große Datenbank an Inhalten und wenn Sie diese noch verfügbar machen als eine Art Podcast, als on Demand Plattform als Audiothek dann ist das der nächste step, denn dann kann ich mir als Nutzer noch zusätzliche Informationen geben lassen kann noch tiefer in Themen eingehen also, wenn ich bei mir bei DLF etwas aktuelles über die Kanzlerin anschaue dann, da habe ich vielleicht auch die Information, dass ich über die EU-Kommission was lerne oder über den Wahlkampf noch was dazulerne. Also ich kann noch tiefer in Information hineingehen und das ist der große Vorteil"
Aufbrechen der Audio-Welt
Der Druck an Geld und Know how in diesen Markt ist riesig. Die vier größten Player Amazon, Google, Facebook und Apple grasen zur Zeit den gesamten Audiomarkt ab.
Der Medienberater Bernt von Zur Mühlen: "Amazon 'Audible' ist extrem weit im gesamten Aufbrechen - ja, die die Radio-Leute würden sagen: des Hörfunks, der Features. Die arbeiten nicht nur an Podcast-Serien großen, sondern sie wollen den ganzen Bereich Hörbücher, Suchen, Entertainen, Wissen verschränken und arbeiten an Content-Kriterien, wie sie das machen. Das heißt, wir werden wir beobachten dass Apple und andere die Geräte, die Werkzeuge herstellen, um die Audio-Welt aufzubrechen. Aber es kann sein, dass sie einsteigen."
Dann kann es sein, dass ein Songtexter dichten könnte: "Alexa is the radiostar".