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StartseiteCorsoSprechblasen im Museum14.06.2013

Sprechblasen im Museum

Bremer Weserburg zeigt Ausstellung zu Comics in der Kunst

"Kicher", "würg", "grübel" - was simpel klingt, kann auch Kunst sein. In der Ausstellung "Kaboom!" zeigt die Weserburg in Bremen Werke von mehr als 30 internationalen Künstlern rund um die Sprechblase.

Von Franziska Rattei

Die Disney-Figur "Dagobert Duck" von Allen Ruppersberg ist in Bremen zu sehen. (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
Die Disney-Figur "Dagobert Duck" von Allen Ruppersberg ist in Bremen zu sehen. (picture alliance / dpa / Ingo Wagner)
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Düstere Moritaten in Schwarz-Weiß

Die Videoarbeit der amerikanischen Künstlerin Dara Birnbaum beruht auf der Fernsehserie "Wonderwoman". Der Plot: Eine Büroangestellte verwandelt sich in eine Superheldin mit übernatürlichen Kräften. In ihrem Video verzögert Birnbaum die Transformation von der Sekretärin zur Heldin und wiederholt sie dann immer und immer wieder. Die permanente Verwandlung wirkt bald grotesk und völlig absurd auf den Zuschauer, und schließlich wird klar: Hier geht es nicht nur um das Cliché der Super-Frau, sondern auch um das der angepassten Sekretärin.

Eine von mehr als 30 Arbeiten in der Ausstellung. Aber sie verdeutlicht das Konzept von "Kaboom! Comic in der Kunst", findet Ingo Clauß, der Ideengeber zur Ausstellung und einer der drei Kuratoren

"Wenn wir die Räume hier in der Weserburg durchschreiten, werden wir viele Motive wiedererkennen: Superman, Tim und Struppi und viele andere Cartoonformen. Man fühlt sich gewissermaßen zu Hause. Die Strategien, die wir hier aber sehen bei den Künstlern sind sehr doppelbödig angelegt. Es geht immer auch um Kritik. Es geht um eine Auseinandersetzung mit Gesellschaft, mit Psychologie, mit unterschiedlichsten Themen, die hier sichtbar gemacht werden."

Beispielsweise in der Installation "Big Trouble" von Allen Ruppersberg. Der US-amerikanische Konzeptkünstler verwendet einen Dagobert-Duck-Comic aus den 60er-Jahren. An den Wänden hängt eine Bilderfolge, die Dagobert im Wettstreit mit einem Konkurrenten zeigt: Wer von ihnen besitzt das wertvollste Kunstwerk? Im Comicstrip klaffen Lücken, aber die fehlenden Bilder finden sich im Raum wieder, als übermannsgroße Papp-Stellagen; eine davon: Dagobert Duck als triumphierender Kunsthändler. Der zweite Kurator Guido Boulboullé:

"Selbstverständlich wird auch der Kunstbetrieb hier kritisiert. Der Kunstbetrieb, der immer wieder die Übersteigerung, das Neue, das teuerste, das höchste Kunstwerk haben will. Auch das wird kritisiert, aber das wird auf komisch-groteske Weise und in einem sinnlichen Arrangement zusammengeführt. Und damit gewinnen Sie auch noch mal eine ganz neue Sicht auf so etwas."

Auf die Sicht im eigentlichen Sinne verzichtet die Installation des spanischen Künstlers Juan Muñoz. Der Besucher steht in einem stockfinstren Raum, sieht nur ein winziges Detail: ein Mauseloch, durch das ein Lichtstrahl fällt und hört dazu die Titelmelodie der amerikanischen Zeichentrickserie "Tom and Jerry". Schon entstehen Bilder im Kopf: Der Kater Tom jagt die Maus durchs Haus. Bei der Vorstellung bleibt es dann aber auch. Keines der Tiere taucht auf. So erreicht der Künstler, dass aus einem amüsierten Lächeln Enttäuschung wird oder zumindest ein Perspektivwechsel stattfindet.

""Auf diese Wirkung zielt auch die Langzeitperformance des New Yorker Künstlers William Pope L.. ab. In der Ausstellung läuft ein Video seiner Aktion. Der Afro-Amerikaner robbte neun Jahre lang, in mehreren Etappen, den gesamten Broadway entlang. Und zwar im Superman-Kostüm. Damit demontiert er das bekannte Bild des Helden und macht auf Missstände aufmerksam", "

meint Peter Friese, der Dritte im Kuratoren-Team.

Indem Pope alles, was Superman auszeichnet, in sein Gegenteil umkehrt – also: Der weiße Superman wird schwarz, der fliegende Superman kriecht. Der schnelle Superman bewegt sich langsam, robbend, vor, führt er den Superman-Mythos ad absurdum und zeigt im Grunde genommen, dass die Allmachtsfantasien amerikanischer Prägung ein Gegenbild brauchen. Nämlich der Realität, die durchzogen ist von Rassismus, von Ungleichheit und von Machtlosigkeit.

Das Ausstellungskonzept geht auf. "Kaboom! Comic in der Kunst" funktioniert auf zwei Ebenen. Auf der ersten nimmt der Besucher die Disney-, Hergé- oder Manga-Comics wahr. Auf der zweiten setzt er sich mit Themen wie Politik, Gesellschaft oder auch sich selbst auseinander; weil die Comics durch ihre künstlerische Einbettung eine neue Bedeutung erfahren.

Linktipp:
Die Ausstellung Kaboom! Comic in der Kunst ist noch bis zum 6. Oktober 2013 in der Bremer Weserburg zu sehen.

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