Interview 29.03.2020

Stadt, Land, Coronakrise"Das sind kurze Strohfeuer, wo das Land als Idylle erscheint"Werner Bätzing im Gespräch mit Fabian Elsäßer

Beitrag hören Landleben (EyeEm / Uwe Mosch)Die Wahrnehmung vom Landleben könnte sich ein bisschen ändern, sagte Kulturgeograph Werner Bätzing. (EyeEm / Uwe Mosch)

In Krisensituationen bauten sich Menschen in Metropolen ein idyllisches Bild vom Landleben auf, sagte der Kulturgeograph Werner Bätzing im Dlf. Doch wenn die Coronakrise nicht lange andauere, werde sich das in der Realität nicht widerspiegeln.

Kann das Landleben in Zeiten der Coronakrise eine Alternative zum Stadtleben sein? "In der heutigen Situation, wo sich das Coronavirus gerade wegen der Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft so schnell ausbreitet, gerade wegen den unendlichen Mobilitätsmöglichkeiten, da erscheint auf einmal das Landleben, das sehr deutlich regional geprägt ist, nicht mehr so rückständig wie vorher", sagte der Kulturgeograph Werner Bätzing, ehemals an der Universität Erlangen, im Dlf. Vorher galt die Stadt, die Metropole, mit ihrer globalen Verflechtung als der Fortschritt. Das Land, das damit nicht mithalten konnte, galt als "hinterwäldlerisch". "Das ändert sich vielleicht ein kleines bisschen in der öffentlichen Wahrnehmung." Aber er habe das Gefühl, wenn die Coronakrise nicht lange andauere, dann sei das nur ein kurzes Aufflackern und komme anschließend "wieder zum Normalfall zurück".

"Kurzes Strohfeuer"

Diese Idee vom Landleben käme in vielen großen Krisensituationen auf. "Die Städter bauen sich ein idyllisches Bild vom Land auf, darauf wird alle Sehnsucht projiziert", sagte er. Das habe aber mit dem Landleben eigentlich nichts zu tun. In der Zeit der Romantik wurde das Landleben das erste Mal verklärt, auch in Zeiten der Industriellen Revolution, als viele Menschen sehr verunsichert waren, sei das der Fall gewesen - und ebenso 2005, "als die Globalisierung für viele Menschen bedrohlich wurde" und viele Landzeitschriften entstanden. "Das sind immer so kurze Strohfeuer, wo das Land als Idylle erscheint, aber die Realität wird in der Regel davon gar nicht betroffen."

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