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StartseiteWirtschaft und GesellschaftProblemauto oder nicht?10.09.2019

Stadtgeländewagen SUVProblemauto oder nicht?

Sie sind umstritten: Sport Utility Vehicles - kurz SUV. Selbst elektrisch angetrieben sind sie Umweltschützern und Verkehrsaktivisten ein Dorn im Auge. Die Pkw-Hersteller zucken angesichts der Kritik mit den Schultern.

Von Silke Hahne

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Autos fahren über die Friedensbrücke in Frankfurt am Main. (Silas Stein/dpa )
Auf diese Fahrzeugfamilie konzentriert sich aktuell die Debatte: Geländewagen, Pickups, SUVs (Silas Stein/dpa )
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Dichter Nebel liegt bis zum Vormittag über Frankfurt am Main. Angesichts der in diesem Jahr besonders hitzig geführten Debatte über die Verantwortung der Autoindustrie für den Klimawandel, könnte man fast meinen, es sei Smog. Vor dem Messegelände haben Greenpeace-Aktivisten einen riesigen schwarzen Ballon aufgeblasen. CO2 steht in großen Lettern darauf.

Die heiße Luft für den Ballon kommt aus dem überdimensionierten Auspuffrohr eines Pickups. Auf diese Fahrzeugfamilie konzentriert sich aktuell die Debatte: Geländewagen, Pickups, Sport Utility Vehicles, kurz SUV.

Selbst elektrisch angetrieben sind sie Umweltschützern und Verkehrsaktivisten ein Dorn im Auge, erklärt Michael Müller-Görnert vom ökologischen Verkehrsclub VCD:

"Große und schwere SUV und Luxusautos sind auch mit Elektroantrieb klimaschädlich, weil man braucht ja dann eine große Batterie, weil die Autos sind ja auch schon schwer und um sie elektrisch fahren zu können, braucht man eine extrem große Batterie, die die Autos nochmal schwerer machen. Dadurch steigt der Verbrauch. Und wir wissen alle - die Produktion einer Batterie ist ja auch nicht klimafreundlich. Umso größer die Batterie, desto größer ist der ökologische Rucksack, den das Auto mit sich trägt."

"Kunden müssen diese Fahrzeuge wollen"

Die Hersteller indes zucken angesichts dieser Kritik mit den Schultern - SUVs würden in den nächsten Jahren wesentlich sauberer, auch in der Produktion. Und die Kunden wollten es schließlich so, argumentiert etwa Herbert Diess, Vorstandschef von Volkswagen:

"Wir bauen Fahrzeuge - die müssen den Kunden gefallen. Kunden müssen diese Fahrzeuge wollen. Und da ist es einfach so, dass viele Kunden - und das ist in Deutschland immer noch weniger ausgeprägt - höher sitzen wollen, die höheren Fahrzeuge bevorzugen."

Auf Kundenwünsche verweist auch Pieter Nota, Vertriebsvorstand des Autobauers BMW, dessen Wagen der X-Serie im wahrsten Sinne des Wortes Außenstehenden unangenehm groß vorkommen können. Ein Eindruck, den Nota relativiert:

"Unsere X-Fahrzeuge erfüllen alle relevanten Crash- und Sicherheitstests. Und es ist auch von Unfallforschern schon bestätigt worden, dass eigentlich worum es geht ist Geschwindigkeit und viel weniger das Gewicht."

Sind SUVs also gar kein Problem? Zumindest nicht nur, findet der Frankfurter Mobilitätsforscher Konrad Götz vom Thinktank Institut für sozial-ökologische Forschung:

"Ich glaube nicht, dass die SUVs selbst das Problem sind. Ich glaube, die Spiralendynamik, dass wir in den Städten völlig unpassende Fahrzeuge haben, sowohl SUVs mit einer unpassenden Größe als auch Fahrzeuge mit einer ungeheuren Beschleunigung - die Sie hier auf der IAA auch alle sehen - die in den Städten auch relativ viel unterwegs sind, dass das das Problem ist."

Verdrängung des SUVs aus den Städten?

Eine Spirale aus Leistung, Sicherheitseinrichtungen, Gewicht - noch mehr Leistung. Angeheizt von einem Dienstwagen-Markt, in dem sich Kunden eher dazu hinreißen ließen, sich mit anderen zu vergleichen als im Privaten. Um zumindest den Preisvergleich zugunsten anderer Autos zu verschieben, schlägt Michael Müller-Görnert ein Bonus-Malus-System vor:

"Dass klar ist, dass Autos, die viel verbrauchen und viel CO2 ausstoßen, teurer werden. Und im Gegenzug ist dann auch der Anreiz da für sparsame Autos, für Elektroautos. Das ist der erste Schritt."

Vorstellbar ist für ihn auch ein City-Maut-System für Städte, das den Faktor Platz berücksichtigt. Konzepte wie diese gibt es mittlerweile zu Hauf, eigentlich steht der Verdrängung des SUVs aus den Städten nichts mehr im Wege, meint Konrad Götz:

"Wir haben alle Mittel, um den Kuchen neu zu backen, alle Ingredienzien, die Rezepte sogar. Wir haben nur die Entscheidungen nicht und zwar weder bei der Politik noch bei den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern. Die Entscheidung muss fallen, die Zutaten sind da."

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