Montag, 16.07.2018
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteDeutschland heuteAuf dem Bowie-Walk in Berlin10.01.2018

Star-VerehrungAuf dem Bowie-Walk in Berlin

Vor zwei Jahren starb David Bowie. Ende der 1970er Jahre lebte der Starmusiker drei Jahre lang in Berlin. Deutsche Bands wie Neu, Kraftwerk oder Tangerine Dream bewogen ihn dazu, in die geteilte Stadt zu ziehen. Dort hat er Spuren hinterlassen - Fans und Interessierte können sie beim sogenannten Bowie-Berlin-Walk erkunden.

Von Murat Koyuncu

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
David-Bowie-Gedenktafel in Berlin-Schöneberg, aufgenommen 22. August 2016 (imago stock & people)
"Ich hab mich nie wieder so frei gefühlt": David Bowies Jahre in Berlin waren künstlerisch äußerst produktiv. Im Bild: Gedenktafel in Berlin-Schöneberg (imago stock & people)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

David Bowie in Berlin "Ich hab mich nie wieder so frei gefühlt"

Geschichte des Glamrock "Bowie ist eine zentrale Figur in diesem Buch"

Das Album "Wake Up Now" von Nick Mulvey Wenn David Bowie im Traum erscheint

100 Jahre queere Musik David Bowie hat mich schwul gemacht

Brit Awards Posthume Ehrung für David Bowie - Tränen um George Michael

Erster Todestag David Bowie Was bleibt, ist Sternenstaub

"Hier befinden wir uns auf der Köthener Straße direkt vor dem Eingang der Hansastudios. Dieses Studio ist nicht nur Herzstück deutscher Musikgeschichte geworden ..."

Sechs Bowie-Fans stehen um den Tourführer Kai Lehmann, hören ihm aufmerksam zu und schauen gebannt hoch auf die Fassade der legendären Hansastudios. Im Meistersaal des großen Gebäudes, das sich vor 40 Jahren zwischen brachem Land und Trümmerresten des Zweiten Weltkrieges befand, entstand Bowies sogenannte Berlin-Trilogie: die Alben "Low", "Heroes" und "Lodger". Gerade die kühle und dunkle Atmosphäre der Mauerstadt in den 70er Jahren soll für den Künstler eine große Inspiration gewesen sein. Heute spürt man hier inmitten moderner Architektur und dem Tourismushochbetrieb kaum etwas davon. 

Dennoch versuchen die Teilnehmer Christian Sendling und Ben Werner zumindest einen Hauch dieser Zeit nachzuempfinden - unterstützt mit alten Schwarz-Weiß-Fotos aus den 70ern, die der Tourleiter herumreicht.

"Es ist schon großartig, vor diesen heiligen Hallen zu stehen. Die Architektur fasziniert mich total.Und wenn man bedenkt, dass hier im Laufe der Zeit Welthits entstanden sind. Das ist echt beeindruckend." (Bernd Werner)

"Das ist schon schräg, dass der Mann hier ein und aus ging und vielleicht auch hier stand, wo ich hier stehe." (Christian Sendling)

Nach einem Spaziergang über den belebten Potsdamer Platz geht es weiter Richtung Reichstag, wo David Bowie 1987 ein Konzert gab und dabei auch seinen Berliner Hit "Heroes" sang. Tourführer Kai Lehmann:

"Auch in der deutschen Variante. Publikum ist natürlich begeistert und nach dem Song, als der zu Ende geht, grüßt er natürlich nicht nur die Leute, die vor ihm stehen, sondern auch die Leute, die 250 Meter hinter ihm stehen, in einem anderen Land. Es waren tatsächlich ein paar Leute da, nicht einige Hundert. Bis zu 50.000 Menschen waren also auch da, aus Ostberlin, um ein paar Fragmente von David Bowie zu hören in der Erwartung diesen Mann vielleicht nie live sehen zu können."

"In diesem Haus wohnte von 1976 bis 1978 David Bowie!"

"Nächste Station wäre dann ein kleiner Ausflug rüber Richtung Ostberlin, bevor wir dann rüber zur S-Bahn weitergehen und uns dem Finale dann auf der Hauptstraße 155 nähern."

Unterwegs tauschen sich die Teilnehmer aus, fachsimpeln über den großen Musiker und bringen teilweise auch eigenes Bowie-Wissen in die Runde. 

Nach einer kurzen S-Bahnfahrt vom Potsdamer Platz zur Julius-Leber-Brücke in Schöneberg und einem kleinen Fußmarsch steht die Gruppe nun vor der großen Eingangstür der Hauptstraße 155. Lehmann:

"In diesem Haus wohnte von 1976 bis 1978 David Bowie. Hinter mir befindet sich die Eingangstür zum Haus, wo Mr. Bowie im ersten Stock eine Wohnung hatte, die je nach zählweise 7 bis 10 Zimmer hatte. Eine Art Atriumwohnung, die mehrere Durchgangszimmer hatte, in einer kreisförmigen Struktur."

Heute lebt in dieser Wohnung eine Großfamilie. In das Haus dürfen die Besucher leider nicht. Die Teilnehmerinnen Anja Kulinski und Sabrina Wegener sind ein wenig enttäuscht. 

"Es sollte für jeden zugänglich sein. Also ich würde daraus eher ein Museum machen, als Eigentümer, wenn ich der Eigentümer wäre. Mit Exponaten von dieser Person."

"Also ich kann schon verstehen, dass die Leute ihre Ruhe haben möchten, aber der Typ war nun mal ein Weltstar. Ist verständlich, aber ich finde es ein bisschen schade."

Im Café "Neues Ufer", das früher "Anderes Ufer" hieß

Sie schießen ein paar Fotos, schauen sich das Gebäude lange an und begeben sich anschließend mit der Gruppe zwei Türen weiter in das benachbarte Café "Neues Ufer" – das früher "Anderes Ufer" hieß. Kai Lehmann:

"Hier sind wir auch am Ende unserer Tour angekommen, in dem wunderbaren Ort, wo Mr. Bowie durchaus mindestens einen Kaffee gelegentlich auch getrunken hat."

Und das auch gern zusammen mit seinem Freund und damaligen Mitbewohner Iggy Pop. 

Heute pilgern Fans aus aller Welt hierher ins Café, verbringen Zeit, treffen auf Gleichgesinnte und bewundern die vielen Portrait-Plakate auf denen Bowie unter anderem als "Thin-White-Duke" oder "Ziggy Stardust" abgebildet ist.   

Die Teilnehmer lassen bei einem Getränk den Nachmittag ausklingen und freuen sich, ihrem Star ein Stück weit näher gekommen zu sein. 
 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk