Energie
Steigende Preise: So funktioniert der weltweite Handel mit Rohöl

Die Preise für Rohöl auf dem Weltmarkt sind seit dem Angriff der USA und Israel auf den Iran kräftig gestiegen. Zwischendurch kommt es immer wieder zu deutlichen Schwankungen. Doch wie genau funktioniert der Handel? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

    Eine Erdölpumpe im Sonnenuntergang.
    Mit dem Beginn des Iran-Kriegs sind die Preise für Rohöl auf dem Weltmarkt kräftig gestiegen (Symbolbild). (imago / Levine-Roberts)

    Wo wird Rohöl gehandelt?

    Der globale Handel mit Rohöl findet vor allem über Terminbörsen statt. Die Sorte
    Brent etwa wird an der Intercontinental Exchange (ICE) in London gehandelt. Die New York Mercantile Exchange (NYMEX) ist der Handelsplatz für WTI, also US-Rohöl. Dubai Mercantile Exchange (DME) ist wichtig für den Handel mit Rohöl aus der Golfregion. Zentraler Handelsplatz für den asiatischen Ölmarkt ist Singapore Exchange (SGX). Die Handelszeiten sind grundsätzlich von Montag bis Freitag, an Feiertagen gibt es je nach Börse Unterschiede.

    Wie funktioniert der Handel?

    Rohöl wird auf dem Weltmarkt in der Regel über Terminkontrakte gehandelt. Das bedeutet: Der Kunde bekommt die bestellte Menge an Rohöl erst mit Verzögerung geliefert. Die Kontrakte werden dabei monatlich erstellt. Allerdings werden die gekauften Terminkontrakte oftmals nicht bis zur Fälligkeit gehalten. Sie werden vielmehr schon früher weiterverkauft, was die Spekulation auf die Ölpreise verstärkt. In aller Regel hat der Terminkontrakt, der als Nächstes fällig wird, das höchste Handelsvolumen und wird an den Finanzmärkten am stärksten beachtet. Für die Preisfindung ist neben dem Angebot und der Nachfrage zudem von Bedeutung, dass der Rohstoff in aller Regel in US-Dollar gehandelt wird. Währungsschwankungen können einen Einfluss auf die Preisbildung haben.

    Wie sieht es mit Angebot aus?

    Die Internationale Energieagentur (IEA) liefert in einem regelmäßigen Bericht Daten, Prognosen und Analysen zum globalen Ölmarkt. Auch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist eine wichtige Organisation. Beide warnen vor einem Überangebot in diesem Jahr. Hintergrund sind unter anderem die Fördermengen wichtiger Ölstaaten, die in dem Ölverbund Opec+ organisiert sind.
    Diese haben zuletzt immer wieder ihre Produktionsmengen angehoben und damit die Sorge vor einem zu hohen Angebot geschürt. Dies ist auch einer der wesentlichen Gründe, warum die Ölpreise in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres tendenziell gefallen waren. Aktuell gehen die hohen Preise infolge des Iran-Kriegs vor allem auf die iranische Blockade der Straße von Hormus zurück. Normalerweise wird durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ein Fünftel der weltweiten Ölexporte verschifft. Der Krieg brachte den Schiffsverkehr praktisch zum Erliegen, der Weltmarktpreis stieg rasch.

    Wie können Öl produzierende Länder den Preis beeinflussen?

    Die USA sind derzeit der mit Abstand größte Ölproduzent der Welt. Dahinter folgen Saudi-Arabien und Russland, allerdings mit einigem Abstand. Vor allem Saudi-Arabien ist nach Einschätzung von Experten schnell in der Lage, die Fördermenge zu erhöhen, um einem zu starken Preisanstieg entgegenzuwirken. Das Land kann Rohöl vergleichsweise einfach und kostengünstig zutage fördern. Dagegen ist eine Anhebung der Fördermenge in den USA mit deutlich mehr Aufwand und höheren Kosten verbunden.

    Welche Ölsorten spielen eine Rolle?

    Die Preisentwicklung orientiert sich vor allem an den Referenzsorten. In den USA ist dies die Sorte West Texas Intermediate (WTI), in Europa die Nordseesorte Brent. Es handelt sich jeweils um qualitativ wertvolles Leichtöl, das in den Raffinerien vergleichsweise einfach zu Mineralölprodukten wie Benzin oder Diesel weiter verarbeitet werden kann. Die wichtigste Rohölsorte aus Saudi-Arabien ist Arab Light, die vor allem für die Treibstoffherstellung genutzt. Über die weltweit höchsten Ölvorkommen verfügt Venezuela. Das Land produziert schwere Ölsorten mit einem hohen Schwefelgehalt. Die Verarbeitung ist entsprechend teuer. Die wichtigste Ölsorte in Russland ist Urals. Auch hier handelt es sich um Rohöl mit einem hohen Schwefelgehalt.
    Diese Nachricht wurde am 06.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.