Freitag, 19. August 2022

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Steinmeier in Afrika
Zwischen Terror und Wirtschaftshilfe

Außenminister Frank-Walter Steinmeier wechselt bei seiner Afrika-Reise öfters die Rollen. Diplomat in Sambia bei Wirtschaftsvertretern und Krisenmanager bei der Pressekonferenz zur Geiselnahme in Mali. Dort bekräftigte Steinmeier auch, dass Deutschland an der Seite Frankreichs bei der Terrorbekämpfung stehe. Heute besucht er Uganda und Tansania.

Von Klaus Remme | 21.11.2015

    Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußert sich in Lusaka (Sambia) zu der Geiselname in einem Hotel in Bamako (Mali).
    Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußert sich in Lusaka (Sambia) zu der Geiselname in einem Hotel in Bamako (Mali). (picture-alliance / dpa/Bernd von Jutrczenka)
    Eigentlich sind es zwei deutsche Außenminister, die in diesen Tagen durch das südöstliche Afrika reisen. Da ist der Frank-Walter Steinmeier, der mit großer Wirtschaftsdelegation im Gefolge, rohstoffreiche Länder wie Mosambik und Sambia besucht, Kontakte ermöglicht und politische Unterstützung verspricht. Der wie hier in Sambia neben den Gesprächen mit dem Präsidenten und seinem Amtskollegen auch ein Armenviertel in der Hauptstadt Lusaka besucht und so bilaterale Beziehungen pflegt. Den deutschen Botschafter im Schlepptau, verschenkt Steinmeier ein paar Fußbälle an die Kinder, hat sich ein wenig lokale Währung besorgt und kauft ein, was man so braucht:
    Steinmeier zu einer Händlerin:
    "Zwei Zwiebeln, das ist ausreichend. Was brauchen Sie, Herr Botschafter?"
    "Gurken?"
    "Haben wir schon. - Danke, das ist alles, was wir brauchen."
    40 Jahre ist es her, dass ein deutscher Außenminister in Sambia war. Hans-Dietrich Genscher war das seinerzeit. Steinmeier könnte so gesehen ausholen, eine Menge erzählten, doch die Pressekonferenz in Lusaka fällt kurz aus, denn vor allem für die deutschen Journalisten ist jetzt der andere Frank-Walter Steinmeier gefragt, der Krisenmanager, der bereits am zweiten Tag der Reise vom Terror eingeholt wird. Aus Mosambik kommend erfährt er nach der Landung von der Geiselnahme in Mali.
    "Der Krisenstab der Bundesregierung hat um 12:30 Uhr getagt. Die deutsche Botschaft im Bamako steht in ganz engem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden in Mali."
    Rollenwechsel, zurück zu den Vertretern der Wirtschaft, es gilt, in Lusaka eine Außenhandelskammer zu eröffnen. Zurück im Hotel, es ist ganz wie in Bamako auch ein Radisson, weiß er inzwischen, dass die Geiselnahme beendet ist. Erste vorsichtige Bewertungen:
    "Es ist ein Zeichen dafür, dass offenbar der Islamistische Terror sein schmutziges Handwerk fortsetzt und es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Situation in Mali nicht stabil ist. Wir unterstützen Frankreich in Mali und gerade in diesen Tagen besprechen wir mit unseren französischen Freunden, wie wir unsere Hilfe und Unterstützung ausweiten können. Entscheidungen werden dazu in den nächsten Tagen fallen."
    Die Ereignisse des gestrigen Tages machen die Dinge nicht einfacher, schon vor dem Terror in Paris wollte man die Franzosen im unruhigen Norden Malis entlasten und Solidarität zeigen. Frank Walter Steinmeier gestern Abend zur Deutschen Welle:
    "Ich hielte es für falsch, den jetzt gegangen Weg abzubrechen oder von den in Aussicht genommenen Entscheidungen abzusehen."
    Wenn die aktuelle Lage es erlaubt, schlüpft der deutsche Außenminister jetzt wieder in die klassische Diplomatenrolle. Uganda und Tansania, so lauten die Ziele heute und morgen.