Sonntag, 04. Dezember 2022

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Sternstunden: Bruno Walter dirigiert Gustav Mahler
Abschied von Europa

1938 flieht Bruno Walter vor den Nazis aus Wien. Kurz zuvor dirigiert er Gustav Mahlers „Abschiedssinfonie“ im Wiener Musikverein. Die Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern erzählt von der Zerrissenheit dieser Zeit.

Am Mikrofon: Thilo Braun | 30.07.2020

    Schwarz-Weiß-Fotografie von einem älteren Mann, der auf einem Sofa sitzt und auf eine eingerahmte Schallplatte schaut.
    Der Dirigent Bruno Walter mit einer silbernen Schallplatte mit seinen Lieblingsstücken (picture-alliance / dpa / New York Times)
    Er nimmt mit den Wiener Philharmonikern Gustav Mahlers 9.Sinfonie im Wiener Musikverein auf, die "Abschiedssinfonie". Zwei Monate später marschieren die Nationalsozialisten durch Wien. In ihrem Rassenwahn hatten sie Bruno Walter, den Jahrhundertdirigenten jüdischer Abstammung, schon aus Berlin verjagt. Er entkommt nur durch Zufall, flieht über Holland nach Paris, findet schließlich in den USA eine neue Heimat. Dass Bruno Walter mit Mahlers "Abschiedssinfonie" sozusagen selbst Abschied von Europa nimmt, verleiht dieser Aufnahme eine besondere Tragik. Wir hören eine von Abgründen, zittriger Sehnsucht und Groteske zerrüttete Musik.
    Gustav Mahler
    Sinfonie Nr. 9 "Abschiedssinfonie"
    Wiener Philharmoniker
    Leitung: Bruno Walter

    Aufnahme vom 16. Januar 1938 aus dem Wiener Musikverein