Sonntag, 02. Oktober 2022

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"Steter Tropfen höhlt den Stein"

Auf höchster Ebene ist der Stiftungsrat des Global Humanitarian Forum laut seinem Mitglied Alois Hirschmugl, General beim österreichischen Bundesheer, gut vernetzt - und will diese Kontakte nutzen, um eine globale Klimagerechtigkeit zu schaffen.

Alois Hirschmugl im Gespräch mit Mario Dobovisek | 23.06.2009

    Mario Dobovisek: Die Folgen des Klimawandels kosten schon heute 300.000 Menschen jedes Jahr das Leben. So schätzt es das Global Humanitarian Forum, eine Gruppe international bekannter Politiker, Theologen, Wirtschaftsexperten und anderer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, ihnen allen voran der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Doch Wirtschaftskrise und Rezession verlangsamen zunehmend das gemeinsame Vorgehen gegen den Klimawandel.
    Ab heute treffen sich die rund 400 Mitglieder des Forums in Genf, um über Klimagerechtigkeit und Umweltmigration zu sprechen. Am Telefon in Genf begrüße ich Alois Hirschmugl, er ist im Stiftungsrat des Forums. Guten Tag, Herr Hirschmugl.

    Alois Hirschmugl: Guten Tag, Herr Dobovisek.

    Dobovisek: Am Ende rauskommen soll eine Strategie für das Nachfolgeabkommen von Kyoto. Ist das vielleicht ein wenig zu ehrgeizig, Herr Hirschmugl?

    Hirschmugl: Ich glaube nicht, denn grundsätzlich sollte man versuchen, gerade im humanitären Bereich alle Möglichkeiten und Initiativen zu ergreifen, um vor allem nach Post-Kyoto etwas weiterzubringen in diesem Bereich.

    Dobovisek: Die wären zum Beispiel? Was können Sie tun?

    Hirschmugl: Wir versuchen im Forum, einerseits Bewusstseinsbildung zu betreiben bei den Entscheidungsträgern, und was das Forum sonst eben schwerpunktmäßig macht sind Großinitiativen, Projekte zum Beispiel für die Klimagerechtigkeit oder für "Wetterdaten für alle in Afrika" zum Beispiel.

    Dobovisek: Letztlich werden es dann doch die führenden Wirtschaftsnationen unter sich ausmachen. Welche Rolle spielt denn dabei das Forum zum Beispiel?

    Hirschmugl: Das Forum kann nur indirekt seine beratende Funktion haben und versuchen, wie ich schon gesagt habe, Bewusstsein zu bilden. Es nutzt nichts, wenn man sich nur damit beschäftigt und sagt, ja, man macht etwas, sondern wir versuchen, tatsächlich auch etwas umzusetzen und zu bewegen. Gerade diese Stiftung, die ja doch aus sehr hochgradigen oder hochrangigen Persönlichkeiten besteht, hat die Möglichkeit, auf strategischer Ebene mit diesen Menschen zu reden und sie vielleicht zu entsprechenden Entscheidungen zu bewegen.

    Dobovisek: Was fehlt uns denn zur globalen Klimagerechtigkeit?

    Hirschmugl: Ich glaube, gerade wenn man schaut, 50 der wenigstentwickelten Länder haben eigentlich nur ein Prozent weltweit Schuld an der Emission. Man müsste also doch schauen, die großen Staaten, Vereinigten Staaten, Europa, Japan, China und dergleichen mehr dazu zu bewegen, dass sie also auch die Verantwortung für diese Umweltbelastung übernehmen könnten.

    Dobovisek: Das ist aber keine neue Forderung.

    Hirschmugl: Das ist richtig, aber ich glaube, man muss sie immer wieder auf den Tisch bringen, denn steter Tropfen höhlt den Stein.

    Dobovisek: Steter Tropfen höhlt den Stein. Seit 2007 besteht das Global Humanitarian Forum; groß in Erscheinung getreten ist es aber zumindest in der Öffentlichkeit bislang kaum. Wer hört Ihnen denn konkret zu?

    Hirschmugl: Wir haben doch sehr viele Wirtschaftstreibende weltweit, wir haben Staatschefs genauso, die uns zuhören, und wir machen wie gesagt sehr wohl Projekte wie zum Beispiel das erwähnte "Wetterdaten für alle". Das heißt, in Afrika versuchen wir, gerade Messstationen aufzubauen und die Daten zu sammeln und dann entsprechende Warnungen über Handys weiterzugeben.

    Dobovisek: Also Unwetterwarnungen?

    Hirschmugl: Zum Beispiel, aber auch Warnungen und Hinweise für die Bauern etwa, damit die wissen, wann sie ihre Ernte einbringen sollten, beziehungsweise vor allem wann sie sähen sollten, die Fischer, damit sie entsprechend beim Fischfang damit unterstützt werden könnten.

    Dobovisek: Was wird Ihr nächster Schritt sein, um zum Beispiel das Nachfolgeabkommen von Kyoto nun mit voranzubringen?

    Hirschmugl: Es wird von Kofi Annan jetzt eine Initiative für Klimagerechtigkeit gestartet werden, das wird am Freitag sein, und wir versuchen, alle möglichen Menschen, von Politikern, Popstars et cetera, dazu zu bewegen, die Menschen darauf hinzuweisen, dass wir auf jeden Fall ein entsprechendes Abkommen nach 2012 brauchen werden.

    Dobovisek: Alois Hirschmugl, General beim österreichischen Bundesheer und im Stiftungsrat des Global Humanitarian Forum, das dieser Tage in Genf über Klimagerechtigkeit debattiert. Vielen Dank für das Gespräch.

    Hirschmugl: Bitte. Gerne!