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StartseiteWirtschaft am MittagDeutsches Finanzamt geht gegen chinesische Online-Händler vor16.08.2018

SteuerhinterziehungDeutsches Finanzamt geht gegen chinesische Online-Händler vor

Für Amazon-Händler aus China war Deutschland bislang ein Paradies, in dem sie ungestört Produkte verkaufen konnten, ohne dafür Umsatz-Steuer zu zahlen. Jetzt will die Bundesregierung das Schlupfloch schließen. Immer mehr chinesische Online-Händler spüren den Druck und fürchten um ihre Existenz.

Von Steffen Wurzel

Ein Paketbote übergibt zwei Amazon-Pakete. (imago/STPP)
Nach Deutschland verkauften bislang rund zehn- bis zwanzigtausend chinesische Onlinehändler ihre Waren und führten keine Umsatzsteuer ab - das will die Bundesregierung nun ändern (imago/STPP)
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Ja, jetzt passt es gerade, wir können kurz sprechen, sagt Mister Xiu am Telefon. Seinen echten Namen will der 31-Jährige Online-Händler nicht nennen, nur so viel: Er sitzt in Shanghai, verkauft mit seiner Firma in erster Linie Wintersport-Kleidung, vor allem nach Deutschland. Sechzig Prozent seiner Waren gehen via Amazon an Kunden in Deutschland. Steuern habe er darauf bisher nicht gezahlt, sagt Mister Xiu.

"Ich mache in Deutschland einen Umsatz von etwa einer Million Euro pro Jahr. Wenn das mit den Steuern einfacher wäre und wenn der Steuersatz nicht so hoch läge, hätte ich auch Steuern gezahlt. Aber ich mache das jetzt so seit fünf Jahren und bisher hat sich niemand daran gestört."

Chinesische Händler bemühen sich um eine Steuernummer

In Deutschland sind schätzungsweise zehn- bis zwanzigtausend chinesische Onlinehändler aktiv, die keine Umsatzsteuer abführen. Mit dem Anfang August vom Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzesentwurf soll sich das ändern. Und allein schon die Ankündigung wirkt offenbar: Das zuständige Berliner Finanzamt in Neukölln kommt nach eigenen Angaben mit der Vergabe neuer Steuernummern an Händler aus China kaum hinterher. Mister Xiu hat sich bisher nicht gerührt. Denn er fürchtet sich vor saftigen Nachzahlungsforderungen.

"Seit fünf Jahren verkaufe ich in Deutschland. Ich müsste alles zusammengenommen also bis zu einer Million Euro nachzahlen. Das kann ich mir einfach nicht leisten."

Ohne deutsche Steuernummer erlischt der Account

Amazon hat Mister Xiu inzwischen eine Frist gesetzt. Entweder er übermittelt bis Ende August eine deutsche Steuernummer, oder sein deutscher Account wird dicht gemacht. Was nicht nur massive Umsatzeinbußen bedeuten würde, sondern auch konkrete Verluste. Denn Mister Xius Wintersport-Klamotten lagern zum großen Teil in Amazon-Lagerhäusern in Deutschland.

"Das bereitet mir inzwischen schlaflose Nächte! Wir haben schon angefangen, unsere Lagerbestände in Deutschland zu reduzieren. Aber ich habe Angst, dass bald alles weg ist, dass ich alles verliere."

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