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StartseiteUmwelt und VerbraucherKritik an Förderung von Hybrid-SUVs31.07.2019

Steuersenkung für E-FahrzeugeKritik an Förderung von Hybrid-SUVs

Dass die Regierung elektrische Dienstwagen mit Steuererleichterungen fördere, habe mit nachhaltiger Verkehrspolitik wenig zu tun, sagt Gerd Lottsiepen vom ökologischen Verkehrsclub VCD - zumindest nicht, wenn die Förderung auch für SUVs mit Hybrid-Antrieb gelte. Stattdessen brauche es eine konsequente Verkehrswende.

Britta Fecke im Gespräch mit Gerd Lottsiepen

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Das SUV-Modell XC90 von Volvo gibt es auch als Plug-in-Hybrid (Imago/Zuma)
Wenn jemand einen Hybrid-SUV als Dienstwagen fährt, gibt es das Auto "fast geschenkt", sagt Gerd Lottsiepen vom VCD (Imago/Zuma)
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Britta Fecke: Vor allem mit Steuererleichterung will die Regierung in Zukunft die E-Mobilität fördern und somit den klimafreundlichen Verkehr. Sonderabschreibungen von 50 Prozent auf den Kaufpreis eines Elektrolieferfahrzeuges sind Teil der Fördermaßnahme. Auch die Steuerprivilegien für elektrisch angetriebene Dienstwagen sollen verlängert werden. Die Jobtickets für Beschäftigte sollen komplett von der Steuer befreit werden, in der Hoffnung, dass mehr Menschen vom Pkw auf Bus und Bahn umsteigen. Über die Wirkung dieser Maßnahme möchte ich nun mit dem verkehrspolitischen Sprecher Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland, kurz VCD, sprechen. Herr Lottsiepen, diese Maßnahmen sollen ja am Ende auch dem Klimaschutz dienen. Sind die zu erwartenden CO2-Einsparungen durch den Ersatz der Benziner durch Stromfahrzeuge tatsächlich groß genug, als dass sie bei der Klimabilanz richtig ins Gewicht fallen?

Gerd Lottsiepen: Wenn denn durch diese Maßnahmen tatsächlich Benzinfahrzeuge, Dieselfahrzeuge durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden, dann könnte man doch sagen, ja, das bringt was. Aber wir haben es hier mit einer sehr merkwürdigen Subventionierung zu tun. Hier werden Dienstfahrzeuge für eine Klientel von Gutverdienern derart billig gemacht, dass es schon fast geschenkt ist. Ich möchte mal ein Beispiel nennen: Wenn jemand einen SUV, also ein dickes, großes Fahrzeug fährt und das als Dienstwagen fährt, jetzt mit einem Dieselmotor, dann zahlt er dafür nur 200 Euro im Monat real. Wenn es ein Elektrofahrzeug ist beziehungsweise ein Plugin-Fahrzeug, der gleiche fette Dieselmotor plus ein Elektromotor dazu, dann kostet dieses Auto, was dann 10.000 Euro teurer ist, also 60.000, kostet dann nur noch 120 Euro pro Monat für den Nutzer, also fast geschenkt. Jeder Normal-User, der einen VW Golf fährt, der ist mit Kosten von 5.000, 6.000 Euro im Jahr, also 500 bis 600 Euro im Monat dabei - also eine völlige Ungerechtigkeit.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland ( VCD) (Deutschlandradio / Oranus Mahmoodi)Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland ( VCD) (Deutschlandradio / Oranus Mahmoodi)

"Es muss Vorschriften geben"

Feck: Das heißt, Sie prangern vor allem die Ungerechtigkeit an. Kann es denn dennoch in der Bilanz ein bisschen was bringen?

Lottsiepen: Man muss dann auch unterscheiden: Es sollten nur solche Fahrzeuge gefördert werden, die energieeffizient sind, also Elektrofahrzeuge, die wenig Strom verbrauchen. SUVs, die, wenn sie im Verbrennermodus laufen, zehn Liter in der Stadt oder sogar mehr verbrauchen, die sollen überhaupt nicht gefördert werden. Also wenn, dann batterieelektrische Fahrzeuge, die wirklich wenig Strom verbrauchen und nicht irgendwelche Sportwagen, die auch wieder mit 200, 300 PS dann sehr viel Energie in Form von Strom verbrauchen.

Feck: Wie ist denn überhaupt die Ökobilanz dieser Elektrofahrzeuge? Sie haben den Stromverbrauch schon angesprochen, die Batterien sind ja auch problematisch.

Lottsiepen: Die Stromproduktion wird immer grüner. Also seit Jahren haben wir einen Zuwachs an Solarstrom, an Windstrom, das kommt aber leicht ins Stocken. Elektrofahrzeuge machen nur mit der Energiewende Sinn. Also wenn der Strom grüner wird, machen Elektrofahrzeuge mehr Sinn. Bei der Batterie muss man ganz genau drauf achten und da muss man die Unternehmen verpflichten, dass sie wirklich auch in den Abbau der Ressourcen reinschauen. Und auch bei der Produktion muss genau hingeschaut werden, was da gemacht wird. Es muss Vorschriften geben. Da ist der Staat, da ist der Gesetzgeber in der Pflicht, Vorschriften zu machen, dass die Produktion sauber ist. Von daher würde es auch Sinn machen, wenn die Produktion von Batteriezellen nach Europa käme.

Ausbau von Radwegen, Buslinien und Schienennetz gefordert

Feck: Jetzt sollen ja auch die Jobtickets vergünstigt werden. Ist das wenigstens ein Schritt, ein konsequenter Schritt in die richtige Richtung?

Lottsiepen: Jobtickets zu fördern, ist natürlich ein Schritt in die richtige Richtung. Wir brauchen aber mehr, wir brauchen wirklich den Einstieg in die Verkehrswende. Es nützt ja nichts, wenn man nur den öffentlichen Verkehr billiger macht, aber wenn die Bahnen und Busse zu voll sind, dass die Menschen deshalb nicht fahren wollen, muss man natürlich da auch investieren. Man muss mehr Fahrzeuge auf die Straße bringen, man muss das Radfahren fördern, dass die Menschen tatsächlich vom Auto umsteigen, denn wer in der gleichen Zeit oder sogar schneller mit dem Rad zur Arbeit kommt, dazu noch diesen Trainingseffekt hat und die frische Luft hat, der steigt vielleicht freiwillig um. Man kann niemanden zwingen, aber man muss die Angebote machen. Man braucht vernünftige Radwege, man braucht einen guten öffentlichen Verkehr.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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