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StartseiteHintergrund50 Jahre homosexueller Stolz24.06.2019

Stonewall-Aufstand in New York50 Jahre homosexueller Stolz

Als die New Yorker Polizei am 28. Juni 1969 routinemäßig die Schwulenbar "Stonewall Inn" an der Christopher Street räumen wollte, geschah etwas Neues: Erstmals begannen die Schwulen, sich gegen ihre Diskriminierung und Kriminalisierung zu wehren. Es kam zu tagelangen Unruhen.

Von Kai Clement

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Die Schwulen-Bar "Stonewall Inn" in New York/USA am 09.05.2012. US-Präsident Obama hat die Bar zum ersten Nationalen Homosexuellen-Denkmal bestimmt. (picture alliance / dpa / EPA/ANDREW GOMBERT )
Die Schwulen-Bar "Stonewall Inn" in New York. Während einer Razzia begann hier der Widerstand von Schwulen gegen Polizeigewalt. (picture alliance / dpa / EPA/ANDREW GOMBERT )
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Es ist eine Nacht des Aufruhrs. Steine und Flaschen fliegen, Polizeiwagen werden attackiert.

Die Krawalle rund um die Bar "Stonewall Inn" an New Yorks Christopher Street sind ein Wendepunkt. Der Beginn von etwas Neuem.

"Im Rückblick denken die Leute, Stonewall hätte alle Probleme geändert, die Schwule hatten. Tatsächlich aber ging es darum, dass die schwule Community nun glaubte, sich wehren zu können. Das war das Entscheidende."

Es ist eine Zeit, in der die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität als Krankheit listet. In der nicht nur in New York die Anbahnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen illegal ist. In der sogenannte "Sodomie-Gesetze" schwulen Sex unter Strafe stellen - selbst 1986 noch einmal vom höchsten Gericht der USA bekräftigt.

Und es ist eine Zeit, in der "Public Service Announcements" im Fernsehen warnen: Der nette Nachbar von nebenan, er mag zwar "normal" wirken. Doch tatsächlich ist er krank, unsichtbar - aber ansteckend: homosexuell.

Elektroschocks waren das Mittel der Zeit

"What you maybe didn’t know, that Ralph was sick…"

Angst vor der Polizei, vor den Nachbarn, vor den Folgen für die eigene Gesundheit, ja sogar das Seelenheil prägen das Leben vieler Schwulen und Lesben. Es ist ein andauerndes Versteckspiel. Das allerdings hat so gar nichts Spielerisches: Es leugnet die eigene Identität. Manche Eltern wollen ihre Kinder von der vermeintlichen Krankheit heilen. Elektroschocks waren das Mittel der Zeit.

"Einem Freund von mir - John - ließ seine Mutter eine Schocktherapie verabreichen. Er ist verrückt geworden. Sie mussten ihn schließlich wegsperren. Die Mutter wollte ihn eigentlich heilen. In den 50er- und 60er-Jahren war Schwulsein eben eine Krankheit. Wenn ich dich berührte oder umarmte, konntest du schwul werden."

Historischer Zeitungsartikel über die Razzia im Stonewall Inn im Juni 1969 (ZUMA press / imago)Historischer Zeitungsartikel über die Razzia im Stonewall Inn im Juni 1969 (ZUMA press / imago)

50 Jahre Stonewall Inn - das ist die Geschichte eines Kampfes um Gleichberechtigung und Respekt. Ein Kampf, der in der gleichnamigen Bar einen symbolstarken Höhepunkt erlebt. Als die Polizei dort in der Nacht auf den 28. Juni 1969 wieder einmal eine Razzia durchführt, da war es das das eine Mal zu viel. Der Widerstand beginnt. Daran erinnern viele New Yorker Einrichtungen, vom Kunstmuseum in Brooklyn bis hin zur Bibliothek am Bryant Park.

Die "Historical Society" widmet ihre Ausstellung dem schwul-lesbischem Nachtleben rund um das "Stonewall Inn". Museumsdirektorin Margi Hofer nennt den Cork Club an der Upper West Side, die Bar Matchbook im Astor Hotel am Times Square oder den Blue Parrot.

"Das waren einige der wenigen Orte, wo sich Schwule und Lesben sicher fühlten, feiern und loslassen konnten. Aber das waren eben auch Orte, um Leute aufzurütteln, Teil einer Bewegung zu werden und Dinge zu verändern."

Versteckspiel konnte damals grausames Ende nehmen

Diese Bars sind lange Zeit bloß provisorischer Schutzraum, bieten nur vermeintliche Sicherheit. Der heute 77-jährigen Lee Zevy haben sich diese Jahre mit ihren vielen Razzien ins Gedächtnis gebrannt. Die New Yorkerin hat mit ihrer langjährigen Freundin und späteren Frau zwar im Norden der Weltstadt gelebt, in Upstate New York, ist aber immer wieder in lesbische Bars in Manhattan gegangen.

Ob sie sich noch an ihren ersten Besuch erinnern kann? Da lacht sie nur. Natürlich! Wie könnte sie diesen unglaublichen Moment vergessen?! Eine Freundin von der High School hat sie mitgenommen.

"Sie hat mich in meine erste Bar gebracht, die hieß 'Pony'. Um reinzukommen, musste ich erst einmal einen männlich geschnittenen Anzug haben. Aber auch Strümpfe tragen. Und Absätze. Ich ging also hinein - und all diese Frauen drehten sich um und schauten mich an. Da dachte ich - du liebe Zeit, das muss der Himmel sein. Das war so aufregend, auch ein bisschen beängstigend, aber vor allem aufregend: Einen Ort zu haben, wo Frauen tatsächlich Frauen treffen wollten. Das Ratespiel hatte ein Ende - all diese Risiken und Versuche."

Lee Zevy arbeitet auch mit 77 Jahren noch als Gestalt-Therapeutin. Und sie unterstützt weiterhin das von ihr mit gegründete Identity House, das Haus der Identität. Seit 1971 ist das eine Beratungseinrichtung, die Menschen beim Coming Out hilft.

Lee Zevy sagt: Sie habe damals, in den Jahren rund um die Stonewall-Krawalle, schlicht Glück gehabt. Sie habe nie eine Polizei-Razzia miterlebt.

"I was one of the lucky ones…"

Zwar nicht miterlebt. Aber genug Geschichten gehört. Darüber, welch grausames Ende das Versteckspiel damals nehmen konnte, wenn es dann doch missglückte und die Polizei eine Bar stürmte.

Vor allem bei Schwulen und Drag Queens beliebt

"Kurz vor Stonewall war ich in einer Bar, die hieß ‚The Dutchess‘. Und in einer Nachbarbar - es könnte sogar das Stonewall gewesen sein oder 'The Monster', da ist ein junger Mann aus Argentinien wegen einer Razzia aus dem Fenster der 1. Etage gesprungen. Er wurde von einem Zaun aufgespießt und starb. Solche Geschichten sind damals ständig passiert."

Es ist Freitagabend, Wochenende also, in der Nacht auf den 28. Juni 1969. Die vor allem bei Schwulen und Drag Queens beliebte Bar "Stonewall Inn" ist gut besucht.

"Wir tanzten miteinander, als wir auf einmal Geschrei und Gebrüll hörten. Wir dachten, es sei eine Razzia wie jede andere. Sie würden sagen: Aufreihen, Mädels! Wir hörten noch die Drag Queen Gypsy rufen - fasst mich nicht an, mein Mann ist auch ein Bulle. Doch diesmal war es anders.

Sie warfen Drogen auf den Boden und sagten: Gehört dir das? Wir sagten: Nein! Schließlich half uns ein wirklich netter Nachbarschafts-Polizist. Er gab uns ein Zeichen und drei von uns konnten sich aus der Bar schleichen.

Da waren dann 25, 30 Leute. Dann 50. Schließlich 100, 150. Und dann fingen wir an Steine und Flaschen zu werfen und Polizeiwagen zu schütteln. Wir brachen das Schloss an einem Gefangenentransporter auf - mit rund 30 Leuten - und alle kamen heraus."

Ein mit Regenbogenfahnen geschmückter Zaun am Christopher Park gegenüber dem "Stonewall Inn" im Szene-Stadtteil Greenwich Village.  (dpa/Christina Horsten)Ein mit Regenbogenfahnen geschmückter Zaun am Christopher Park gegenüber dem "Stonewall Inn" (dpa/Christina Horsten)

Tree Sequoia kümmert sich auch heute noch um die Gäste im "Stonewall Inn". Dabei ist der Barkeeper inzwischen 80 Jahre alt und tourt durch die ganze Welt, um die Geschichte - aber auch die Geschichten von damals zu erzählen.

Zehn- oder zwölfmal sei er selbst im Gefängnis gelandet, erinnert sich Tree Sequoia, weil er in schwulen Bars aufgegriffen wurde. Doch nicht in dieser Nacht. Es ist der Moment, der ändern sollte, was sein Leben bislang geprägt hatte.

"1969 hatten wir nichts. Absolut nichts. Wenn jemand dich nicht mochte und deinen Chef anrief, konntest du gefeuert werden. Konntest deine Wohnung verlieren, deine Eltern würden dich hinauswerfen. Seitdem ist so viel passiert. Schwule Ehen. Gleichberechtigung. Die Veränderungen sind verblüffend. Denn nach der Rebellion von 1969 dachten wir noch: Das war es jetzt."

"Leute waren in Angst und Schrecken"

Lee Zevy, die Mitbegründerin des Identity Houses, sagt: Damals sei es weitverbreitete Meinung gewesen, dass Schwule und Lesben ihr Leben lang leiden würden. Selbst Romane seien nur akzeptabel gewesen, wenn der schwule Charakter am Ende starb, Selbstmord beging. Ein positives Lebensmodell? Fehlanzeige.

"Die Leute waren in Angst und Schrecken, es ging nicht bloß um ihr Selbstbewusstsein. Sie dachten, sie würden in den Feuern der Hölle schmoren. Oder hinausgeworfen werden und auf der Straße landen. Sie würden ihr Leben lang leiden müssen. Viele sind damit einfach nicht zurechtgekommen und waren sehr deprimiert."

Der Park vor dem Stonewall Inn ist nicht viel mehr als ein begrüntes Straßendreieck mit ein paar Sträuchern und Sitzbänken. Doch wenn Barkeeper Tree Sequoia ihn dieser Tage überquert und zur Arbeit geht, dann befindet er sich auf dem Gelände eines amerikanischen Nationaldenkmals. Noch Barack Obama hatte den Ort zum "National Monument" erklärt - dem ersten für die Rechte von Schwulen und Lesben.

NEW YORK, 27 Juni 2016: Valerie Jarrett, Beraterin von Präsident Barack Obama, und der Kongressabgeordnete Jerrold Nadler bei der Zermonie zur Auszeichnung des Stonewall Inn als nationalem Monument. (Getty Images /  Spencer Platt / Staff)Valerie Jarrett, Beraterin von Präsident Barack Obama, und der Kongressabgeordnete Jerrold Nadler bei der Zermonie zur Auszeichnung des Stonewall Inn als nationalem Monument. (Getty Images / Spencer Platt / Staff)

Der damalige US-Präsident sandte eine Videobotschaft aus dem Weißen Haus.

"So this week, I am designating…"

Die Zeiten haben sich geändert. Auf einen Obama ist ein Trump gefolgt. Der hat im April durchgesetzt, dass Transgender-Menschen nicht mehr im Militär dienen dürfen. Sein Außenministerium hat zuletzt verfügt, dass im sogenannten "Pride" Monat, den Wochen rund um das Stonewall-Jubiläum, US-Botschaften nicht die Regenbogenflagge der LGBTQ-Bewegung hissen dürfen.

Der amerikanische Botschafter in Berlin - selbst schwul - hatte sich das anders gewünscht. Es sind Anzeichen für einen Kurswechsel, den insbesondere Vizepräsident Mike Pence unterstützt. Klare Ansage: Über amerikanischen Botschaften dürfe nur eine Fahne wehen, so sagt Pence beim Sender NBC - und zwar die US-Nationalflagge.

"On the flying pole…"

Die Regenbogenfahne weht am 22.06.2013 während des diesjährigen Umzugs zum Christopher Street Day (CSD) vor der Siegessäule in Berlin. (picture-alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Die Regenbogenfahne weht während des diesjährigen Christopher Street Days (CSD) vor der Siegessäule in Berlin. (picture-alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Auf New Yorks Upper West Side liegt das weitläufige Areal der Elite-Universität Columbia.

Offen schwul lebender Trump-Nachfolger?

Suzanne Goldberg ist Jura-Professorin. Der Weg zu ihrem Büro führt an der Skulptur des Denkers von Auguste Rodin vorbei.

"Es sind viel versprechende Zeiten in dem Sinne, dass wir mehr rechtliche und soziale Gleichberechtigung erleben als jemals zuvor. Wir sehen in den USA und weltweit eine Vision von Gleichheit und Teilnahme wie niemals zuvor. Zugleich erleben wir Widerstand - wie immer bei Bewegungen für soziale Gerechtigkeit. Wir erleben das mit Bäckern, Blumenläden oder anderen Geschäften, die gleichgeschlechtliche Paare bei deren Hochzeitsfeiern nicht bedienen wollen. Oder wir erleben es mit Schulen, die versuchen, Transgender-Kindern den Zugang zu ihren Toiletten zu verweigern."

Dem entgegen steht ein offen schwul lebender demokratischer Politiker, der gerne Trumps Nachfolger werden möchte. Gleichgeschlechtliche Hochzeiten sind legal in allen 50 Staaten - seit der Supreme Court Entscheidung von 2015. In Deutschland brauchte der Gesetzgeber zwei Jahre länger, bis das sogenannte "Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts" in Kraft trat. Und die amerikanische Polizei verfolgt sogenannte Hate Crimes, Hassverbrechen also, gleich gegen welche Minderheit. Meistens jedenfalls.

Der Bewerber für die US-Demokraten, Pete Buttigieg, steht hinter einem Rednerpult bei einer Wahlveranstaltung. (imago images / ZUMA Press)Bewirbt sich für die Kandidatur zur amerikanischen Präsdidentschaftswahl: Der US-Demokrat Pete Buttigieg lebt offen schwul. (imago images / ZUMA Press)

Nur einen Tag vor dem Interview hat Suzanne Goldberg einen Vortrag über LGBTQ-Rechte weltweit gehalten. Auch mit dem Blick auf die Weltkugel gilt ganz ähnlich wie für einzelne Länder: Die Lage ist vielfach besser geworden, aber noch längst nicht überall.

"Wir erleben unglaublichen Fortschritt. Das Recht auf Ehe zum Beispiel boomt geradezu. Es wird von so vielen Ländern wie noch nie anerkannt. Darunter auch Taiwan, als das erste asiatische Land. Wir haben auch mehr Länder als je zuvor, die Sodomie entkriminalisieren, so wie gerade erst Botswana oder vor einigen Monaten Indien. Da hat sich enorm viel bewegt.

Zugleich kriminalisieren immer noch 70 Staaten weltweit intime sexuelle gleichgeschlechtliche Beziehungen. Sieben davon fordern die Todesstrafe und fünf weitere verhängen sie unter bestimmten Voraussetzungen."

Schwuler Flüchtling in den USA

Es sind vor allem afrikanische, arabische und asiatische Staaten, die die Karten von Menschenrechtsorganisationen rot färben. Aber es sind nicht nur Länder, die die Todesstrafe verhängen. Es ist beispielsweise auch ein selbst erklärter Staat - auch wenn der gar kein fest umrissenes Gebiet hat.

August 2015. Samantha Power, die damalige UN-Botschafterin der USA, hat einen jungen Mann mit zu den Vereinten Nationen in New York gebracht. Subhi Nahas heißt er, der Syrer lebt als schwuler Flüchtling inzwischen in den USA.

Samantha Power hat auch Fotos mitgebracht. Die zeigen, wie die Terrormiliz Islamischer Staat schwule Männer steinigt, enthauptet oder erschießt. Bilder, die die Miliz anschließend als Teil ihres Propagandakrieges im Netz verbreitet. Oder sie stürzt die Männer von Hausdächern.

"Sie sammeln Leute, sagen ihnen, sie sollen kommen und sich die Hinrichtungen ansehen. Manche kommen freiwillig, andere nicht. Einer meiner Freunde war Zeuge. Aber er konnte nicht alles ansehen, hat es nicht ausgehalten.

Sie haben den Mann auf das Dach geführt – und mein Freund ist dann einfach weggelaufen."

Die Weltstadt feiert

Subhi Nahas war zu Gast ‚nur‘ bei einem informellen Treffen des Sicherheitsrates. Das bedeutet auch: Die Teilnahme war Ländern frei gestellt. Angola und Tschad zogen es vor, gar nicht erst zu kommen. China, Russland, Nigeria und Malaysia nahmen zwar teil – äußerten sich aber während des Treffens nicht. Das ehrgeizige Ziel der damaligen amerikanischen UN-Botschafterin: das Thema Schutz sexueller Minderheiten geradezu im Erbgut der Vereinten Nationen zu verankern.

"We are getting this issue into the DNA of the United Nations."

Solche Äußerungen seien von amerikanischen Regierungsvertretern heute wohl  kaum noch zu erwarten, räumt Suzanne Goldberg ein, die Rechtsprofessorin der Columbia-Universität. Andererseits gebe es mehr als bloß den Präsidenten, mehr als die Regierung  - das Regierungssystem der USA sei vielfältig.

"Die Stimme der Exekutive ist nicht die einzige, die unsere nationalen Werte vertritt. Zugleich ist es zweifellos richtig zu sagen, dass unsere Stimme nicht mehr so laut ist. Die US-Regierung spricht nicht mehr wie zu Obama-Zeiten über die kritische Bedeutung von LGBT-Rechten im Zusammenhang mit Menschenrechten."

Die US-Regierung spricht nicht mehr so viel darüber - sehr wohl aber das demokratisch-regierte New York, die Wiege der Bewegung sozusagen. Die Weltstadt feiert 50 Jahre Stonewall und die Folgen einen ganzen Monat lang beim sogenannten World Pride.

Polizeichef entschuldigt sich

Kurz zuvor gibt es dann noch eine Überraschung. Eigentlich soll es bei der Pressekonferenz des New Yorker Polizeichefs um Sicherheitsmaßnahmen gehen. Darum, wie die Polizei diese Feiern schützen wird. Doch Polizeichef James O’Neill belässt es nicht bei einem reinen Sicherheitsbriefing.

"Ich glaube, es wäre unverantwortlich für mich, nur über den World Pride Monat zu reden. Nicht aber über die Ereignisse im Stonewall Inn im Juni 1969. Ich bin sicher kein Experte dazu, was damals passiert ist. Aber eines weiß ich: Was passiert ist, hätte nicht passieren dürfen. Was die New Yorker Polizei, die NYPD, damals getan hat, war falsch, schlicht und einfach. Die Maßnahmen und die Gesetze waren diskriminierend und unterdrückend. Dafür entschuldige ich mich."

Noch 2017 hatte O’Neill eine Entschuldigung abgelehnt. Genauso wie sein Vorgänger William Bratton. Das sei nicht notwendig, hatte der erklärt. Aus der schrecklichen Erfahrung von damals sei so viel Gutes erwachsen - das solle man doch lieber feiern.

Das New Yorker Stonewall Inn (ZUMA press / imago)Das New Yorker Stonewall Inn heute (ZUMA press / imago)

50 Jahre Stonewall. Es sind Jahrzehnte, auf die Zeitzeugen mit einem unverkennbaren Staunen zurückblicken. Menschen wie Tree Sequoia, der auch heute noch die Kunden in der namensgebenden Bar "Stonewall Inn" bedient.

"Es wird wohl immer Vorurteile geben. Auch in 100 Jahren noch wird man Leuten beibringen, andere zu hassen - seien es Menschen anderer Herkunft, anderer Rasse. Es wird nie aufhören. Aber es wird besser. Einer sagte, wie wäre es denn mit einem schwulen Präsidenten? Da habe ich nur gesagt: wenn der gut ist, dann gerne."

"Die Leute outeten sich"

Menschen wie der Barkeeper Tree Sequoia. Menschen aber auch wie die Psychotherapeutin Lee Zevy, die auch heute noch die von ihr mitgegründete Beratungsstelle unterstützt.

"Nach Stonewall wurde vieles einfacher. Die Leute outeten sich. Sie wurden sichtbarer. Ich habe 1966 meine Frau getroffen. Wir lebten eine Autostunde nördlich von New York, als Stonewall passierte. Ich dachte damals nur: Oh, schon wieder so eine Polizeigeschichte. Es dauerte eine Weile, bis ich und viele andere verstanden haben, dass es um viel mehr ging.

Unsere Beziehung hat 50 Jahre lang gehalten. Vor zweieinhalb Jahren ist meine Frau verstorben. Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, und werde es vielleicht nie, nicht mehr jemanden so Nahes zu haben."

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