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Strassenverkehr
Fußgänger leben gefährlich

Von Airbags bis zu Anti-Blockiersystemen - Für die Sicherheit von Autofahrern wird sehr viel getan. Bei Fußgängern sieht dies anders aus, meint der Verkehrsclub Deutschland. Der ökologisch ausgerichtete Verein hat 80 deutsche Städte untersucht und gefragt, was sie für Fußgänger tun.

Von Dieter Nürnberger | 09.09.2014

Schulkinder und ihre Mütter überqueren einen Zebrastreifen
Immer noch verunglücken viele Fußgänger tödlich (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)
Es ist der erste Städtecheck des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der sich mit der Verkehrssicherheit von Fußgängern in deutschen Großstädten beschäftigt. Untersucht wurden offizielle Unfallstatistiken aus den vergangenen fünf Jahren. Ganz bewusst wollte der VCD hier kein Ranking veröffentlichen, wo Fußgänger am sichersten unterwegs sind, sondern es geht vor allem um Tendenzen.
Demnach ist beispielsweise die Anzahl von verunglückten Fußgängern in Hildesheim um über elf Prozent gesunken, in Reutlingen dagegen um über zehn Prozent gestiegen. Wobei der VCD generell anmerkt, dass die Verkehrssicherheit von Fußgängern kaum im öffentlichen Fokus steht.
Zahl der tödlich verunglückten Fußgänger geht zurück
Die gute Nachricht: Die Zahl der tödlich verunglückten Fußgänger ist weiter rückläufig. Allerdings, sagt Anja Hänel, Verkehrssicherheitsexpertin beim VCD, gemessen am Anteil der Wege dann doch weiterhin überproportional hoch: In den vergangenen Jahren seien im Schnitt rund 33 Prozent der Getöteten Fußgänger gewesen, 2013 sogar 40 Prozent. Aber nur rund 24 Prozent aller Wege würden zu Fuß zurückgelegt. "Das heißt: Fußgänger verunglücken relativ häufig tödlich im Straßenverkehr", betont Hänel. "Somit ist der Handlungsbedarf weiterhin groß."
Die Untersuchung gibt auch Auskunft darüber, welche Personengruppen besonders gefährdet sind: Vor allem Kinder bis zu zehn Jahren und Senioren über 65 Jahren.
Gehen bei Rot als häufige Unfall-Ursache
Wichtig sind natürlich auch die generellen Unfallursachen: So galten in den vergangenen fünf Jahren nur in drei Prozent aller Unfälle Fußgänger als Hauptverursacher. Zum festgestellten Fehlverhalten gehört das Überqueren einer Straße, ohne auf den Verkehr zu achten. Auch das Gehen bei Rot spielt hier eine wichtige Rolle. Die generellen Unfallschwerpunkte liegen eindeutig beim Überqueren von Straßen: 2012 betraf dies immerhin 80 Prozent der innerorts Verunglückten.
Oft allerdings geht es nicht allein um eine Hauptschuld, sondern um eine Teilschuld mehrerer Verkehrsteilnehmer, beispielsweise, wenn der Fußgänger unachtsam die Straße überquert und gleichzeitig das Auto eine zu hohe Geschwindigkeit hat.
VCD für Tempo 30 in Ortschaften
Deshalb plädiere der Verkehrsclub Deutschland auch stets für eine vorgeschriebene Temporeduzierung innerhalb geschlossener Ortschaften, sagt VCD-Expertin Anja Hänel: "Bei Tempo 30 verringert sich der Anhalte- oder Bremsweg um ungefähr die Hälfte. Konkret: Es passieren weniger Unfälle, weil man einfach rechtzeitiger anhalten kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass man auch die Geschehnisse am Straßenrand wesentlich besser wahrnehmen kann. Das ist besonders für den Fußverkehr wichtig. Wenn Fußgänger überqueren wollen, dann können sie besser gesehen werden."
Ein ganz wichtiger, weiterer Schritt bei der Unfallbekämpfung sind bauliche Maßnahmen. Als Vorbild werden in der Untersuchung Maßnahmen vorgestellt, die beispielsweise in Krefeld in den vergangenen Jahren erfolgten. Die Statistik für die Stadt zeigt hier zumindest einen Rückgang bei den verunglückten Fußgängern und Fußgängerinnen an, ein Minus von knapp sechs Prozent.
Kreisverkehre helfen
Am wichtigsten sei es, die geraden Straßen optisch aufzubrechen, erläutert Anja Hänel. "Krefeld macht das ganz gut, indem beispielsweise Mini-Kreisverkehre eingerichtet oder Aufpflasterungen vorgenommen werden. Das führt dazu, dass Autofahrer vom Gas gehen."
Bauliche Maßnahmen können also helfen. Generell wünscht sich der Verkehrsclub Deutschland allerdings zuerst, dass der Fußgänger-Verkehr in der öffentlichen Wahrnehmung endlich den Platz bekommt, der ihm nach der Statistik auch zusteht.