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StartseiteSport am Wochenende"Olympiabewerbung kann, muss aber nicht das Ziel sein"07.03.2021

Strategie zu Sportgroßveranstaltungen"Olympiabewerbung kann, muss aber nicht das Ziel sein"

Trotz gescheiterter Olympiabewerbungen sei Deutschland sehr wohl offen für Sportgroßveranstaltungen, sagte der parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer im Dlf. Er verteidigte die neue Strategie für Sportgroßveranstaltungen und äußerte sich auch zu einer möglichen Bewerbung für die Spiele 2036.

Stephan Mayer im Gespräch mit Maximilian Rieger

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Jubende Menschen auf der Tribüne (picture-alliance/ dpa | Michael Hanschke)
Begeisterte Zuschauer bei der Fußball-WM 2006 (picture-alliance/ dpa | Michael Hanschke)
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Welcher Sportverband und welche Städte sich wann für Großveranstaltungen wie Welt- oder Europameisterschaften bewerben, dafür gibt es in Deutschland bisher keine übergreifende politische Strategie, obwohl auch Steuergeld in die Organisation solcher Veranstaltungen fließt.

Auch deshalb haben Bundesinneministerium und Deutscher Olympischer Sportbund die "Nationale Strategie Sportgroßveranstaltungen" vorgestellt – nach vielen Monaten Diskussionen zwischen den Beteiligten.

Die Läuferinnen sind wegen ihrer Geschwindigkeit nur verschwommen zu erkennen. (Kay Nietfeld/dpa/picture-alliance) (Kay Nietfeld/dpa/picture-alliance)Sport-Großveranstaltungen - Nationale Strategie soll Bewerbungen verbessern
Die jüngsten Olympiabemühungen Deutschlands waren erfolglos. Der deutsche Sport will sich aber verstärkt um Großveranstaltungen bemühen. Bundesinnenministerium und DOSB haben im Bundestags-Sportausschuss eine ‚Nationale Strategie Sportgroßveranstaltungen‘ vorgestellt – konkret wird die aber bisher nicht.

"Gemeinsam. Mehr. Wirkung." Dieser Slogan soll das Ziel der Strategie verdeutlichen. Deutschland soll weiterhin einer der führenden Austragungsorte für Welt- und Europameisterschaften bleiben.

Gleichzeitig wird in der Strategie formuliert, warum das überhaupt wünschenswert sein soll: Sportgroßveranstaltungen sollen zum Beispiel Impulse im Breiten- und Spitzensport setzen, das Ansehen Deutschlands in der Welt verbessern und Nachhaltigkeitsziele unterstützen.

Sportgroßveranstaltungen für den Zusammenhalt der Gesellschaft

Auch wie eine Bewerbung in Zukunft ablaufen sollte, wird skizziert. Wichtiger Baustein hier: der Dialog mit der Öffentlichkeit, um die "Begeisterung für Sportgroßveranstaltungen zu steigern", wie es in dem Papier heißt.

Die Strategie und auch finanzielle Hilfen für Sportgroßveranstaltungen machten Sinn, "weil ich der Überzeugung bin, dass Sportgroßveranstaltungen wie vielleicht kaum andere Ereignisse in unserer heterogenen und pluralen Gesellschaft noch in der Lage sind, einerseits den innerlichen Zusammenhalt einer Gesellschaft zu stärken (...) aber auch ein positives Bild unseres Landes ins Ausland zu tragen", sagt der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer.

Stephan Mayer (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, spricht bei einer Bundestagssitzung im März 2020 (picture alliance/dpa | Jörg Carstensen)Stephan Mayer (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, spricht bei einer Bundestagssitzung im März 2020 (picture alliance/dpa | Jörg Carstensen)

Sinnvoll auch ohne Olympiabewerbung

Olympia und andere große Meisterschaften müsse man allerdings trennen, meint Mayer: "Diese nationale Strategie hat auch nicht das Ziel, dass wir uns am Ende für Olympische Spiele bewerben. Es kann das Ergebnis sein, aber es muss nicht das Ergebnis sein."

Wichtig sei ihm bei der Erarbeitung gewesen, dass die Strategie auch ohne eine Bewerbung um Olympische Spiele Sinn mache. Im Papier sind Spiele in Deutschland auch nicht als Ziel genannt - obwohl im Koalitionsvertrag das Ziel, Olympische Spiele nach Deutschland zu holen, explizit genannt wird.

(Imago Images / Einbner / Joachim Hahne) (Imago Images / Einbner / Joachim Hahne)Olympia Rhein Ruhr 2032 - Kampf um die Deutungshoheit
Die australische Stadt Brisbane ist vom IOC zur bevorzugten Kandidatenstadt für die Olympischen Spiele 2032 erklärt worden. Damit hat die Initiative Rhein Ruhr City das Nachsehen. Der Deutsche Olympische Sportbund wehrt sich jetzt gegen Vorwürfe, die Gespräche mit dem IOC zu früh abgebrochen zu haben.

Entscheidende Punkte bleiben in der Strategie offen: Vor allem, wie die Strategie umgesetzt werden soll, ist unklar. In Kanada, Großbritannien und Dänemark kümmern sich zum Beispiel nicht mehr die einzelnen Sportverbände um eine Bewerbung. Stattdessen werden alle Bewerbungen bei einer zentralen Organisation gebündelt, die durch die jeweilige Regierung kontrolliert wird. Gegen eine zentrale, staatliche Stelle für Bewerbungen wehrt sich hierzulande aber der organisierte Sport.

Mayer betont, dass er keinen vom Innenministerium geleiteten "Staatssport" wolle. Für ihn sei es wichtig, die Autonomie des Sports zu wahren. Die Strategie solle einen Instrumentenkasten bieten, den Sportfachverbände nutzen könnten, aber nicht müssten.

Olympische Spiele 2036 haben "großes Verhetzungspotenzial"

Wo eine Servicestelle, die die Fachverbände unterstützen soll, angesiedelt wird und wer sie bezahlt, steht noch nicht in der Strategie. Das solle in einem weiteren Schritt zum Ende des Jahres geklärt werden, sagt Mayer.

Trotz der ungeklärten Fragen hält der Sportökonom Holger Preuß das Papier für vergleichbar mit Strategien anderer Länder. Andere Expertinnen und Experten kritisieren die Vorlage hingegen. Sylvia Schenck von Transparency International nennt das Papier ein "bürokratisches Monstrum". Und andere Sachverständige haben im Bundestag sogar gefordert, das Dokument nochmal komplett neu zu überarbeiten.

Nicht mehr zur Anwendung wird das Papier für die Spiele 2032 kommen - das IOC hat bereits eine Vorentscheidung für Brisbane und die australische Region Queensland getroffen, die Bewerbung der Rhein-Ruhr-Initiative hat sich damit faktisch erledigt.

NRW-Ministerpräsident Laschet und auch die Rhein-Ruhr-Initiative sagen allerdings: 'Wir können uns Spiele 2036 vorstellen'. Das wären hundert Jahre nach den Nazi-Spielen in Berlin. Das müsse man sich gut überlegen, sagt Mayer. Die Idee, ein anderes, demokratisches, weltoffenes, gastfreundliches Deutschland zu präsentieren habe auf den ersten Blick Charme. "Auf der anderen Seite muss man natürlich auch mit ins Kalkül ziehen, dass das Verhetzungspotenzial mit Sicherheit sehr, sehr groß ist."

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