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Startseite@mediasresKonkurrenz für Netflix und Amazon?26.03.2019

Streaming-Angebot von AppleKonkurrenz für Netflix und Amazon?

Weil das Geschäft mit dem iPhone nicht mehr floriert, sucht Apple nach neuen Erlösquellen. Mit einem Vorstoß in den TV-Streaming-Markt möchte Apple Anbietern wie Netflix und Amazon Konkurrenz machen. Die Investitionen dafür fallen allerdings vergleichsweise klein aus.

Von Marcus Schuler

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Apple Chef Tim Cook bei einer Produktvorstellung im September 2018 in Cupertino (imago stock&people/Karl Mondon)
Apple-Chef Tim Cook setzt auf neue Geschäftsfelder jenseits von Iphone und Mac Hardware (imago stock&people/Karl Mondon)
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Die große Sorge, die Apple Chef Tim Cook und den Konzern schon seit langem umtreibt, sind die sinkenden Verkaufszahlen des bisherigen Cash-Bringers iPhone. Deshalb genießen die Services, also die Zusatzdienste wie Cloud-Speicher oder das Musikstreaming-Angebot Apple Music bei dem 58 jährigen seit Jahren höchste Priorität. Apple-Chef Cook:

"Wir bieten eine Reihe von Diensten wie die iCloud, Siri oder Apple Maps. Außerdem gibt es Apple-Music und Podcasts und Bücher sowie den App-Store. Das sind alles Angebote, die überall und jederzeit auf all unseren Geräten zur Verfügung stehen."

19 Prozent Umsatzzuwachs bei Zusatzdiensten wie Apple Music

Fast 11 Milliarden US-Dollar hat der Konzern im vergangenen Quartal mit diesen Diensten umgesetzt, das ist ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt ganz deutlich die Richtung, die Cook dem Technologie-Unternehmen verordnet hat. Ein wichtiger Baustein soll das neue Streaming Angebot Apple TV Plus werden. Das besondere: die neue App wird es zum Start nicht nur auf Apple Geräten geben, sondern auch auf Smart TVs großer Hersteller, wie Samsung, LG oder Sony. Jamie Ehrlicht von Apple:

"Es handelt sich um einen werbefreien Abo-Dienst, der online und offline funktioniert. Alles ist herunterladbar. Wir bieten exklusive Spielfilme und Shows und bringen jeden Monat neue Inhalte. Es wird uns ab Herbst in über einhundert Ländern geben."

Steven Spielberg und Oprah Winfrey sind an Board

Was das neue Angebot kosten soll, teilte der Konzern nicht mit. Verpflichtet wurden große Namen aus Hollywood. Zum Beispiel Filmemacher Steven Spielberg, der eine Scifi-Serie unter dem Titel "Amazing Stories" für das Unternehmen gedreht hat und eigenes an den Firmensitz nach Cupertino gekommen war.

"Die Menschen sind immer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Und wir glauben, dass die Zuschauer in diesen unzusammenhängenden Geschichten dennoch einen roten Faden erkennen werden. Wir wollen "Amazing Stories" zu einer einzigartigen thematischen Erfahrung machen."

Rein rechnerisch 1,4 Milliarden Nutzer

Auch Talkmasterin Oprah Winfrey wird mit dabei sein. Sie erhält eine live gestreamte Talkshow. Rein rechnerisch könnte sie damit von rund 1,4 Milliarden Nutzer gesehen werden, so viele iPhones, Tablets oder Mac-Computer sind auf dem Markt.

"Wir streamen ein Gespräch mit einem Autor und wir sind dann live über alle Grenzen hinweg zu sehen. Mit unseren Geschichten verbinden wir die Menschen, egal wo man sich aufhält, wer man ist, Mann, Frau Kind und wir alle blicken hinauf in denselben Himmel und staunen."

Kleines Investment verglichen mit Netflix

Die neue Streaming-Plattform fällt vergleichsweise mickrig aus, verglichen mit dem, was Netflix oder Amazon Prime ihren Kunden an selbst produzierten, exklusiven Inhalten anbieten. Gut eine Milliarde Dollar hat Apple da wohl in die Hand genommen Zum Vergleich: Netflix gibt ungefähr das 10-fache im Jahr für Eigenproduktionen aus. Warum Apple hier mit angezogener Handbremse in den Markt geht, ist schleierhaft. In wenigen Monaten will der Disney-Konzern ebenfalls mit einem eigenen Streaming-Angebot starten.

Für den US-Markt stellt das Unternehmen auch eine News-App vor. Darüber lassen sie Magazine und wenige Zeitungen lesen. Nur die Regionalzeitung LA Times und die Finanz Zeitung Wall Street Journal sind mit dabei. Die wirklich wichtigen nationalen Titel wie die New York Times oder die Washington Post fehlen. Außerdem gehören rund 300 Zeitschriftentitel zu dem Angebot.

Fast zwei Stunden dauerte die Präsentation der schönen neuen Zusatzdienste im Steve Jobs Theater in Cupertino. Ob Apple damit wirklich unabhängiger von seinem Smartphone Geschäft wird, darf stark bezweifelt werden. Dafür startet das Unternehmen zu halbherzig in einen hart umkämpften Markt.

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