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StartseiteWirtschaftsgesprächTarifparteien noch weit voneinander entfernt07.01.2019

Streik an Berliner FlughäfenTarifparteien noch weit voneinander entfernt

Vier Stunden dauerte der Streik des Sicherheitspersonals an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, zu dem Verdi aufgerufen hatte. Die Gewerkschaft fordert einen einheitlichen Stundenlohn von 20 Euro für die bundesweit rund 23.000 Beschäftigten. Die Arbeitgeber bezeichneten dies als utopisch.

Von Jessica Sturmberg

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07.01.2019, Brandenburg, Schönefeld: Streikendes Sicherheitspersonal läuft mit Fahnen am Flughafen Schönefeld durch die Abfertigungshalle. Die Gewerkschaft verdi hat das Boden-Sicherheitspersonal zu einem mehrstündigen Warnstreik aufgerufen.  (dpa / picture alliance / Bernd Settnik)
150 Mitarbeiter streikten am Morgen am Berliner Flughafen Schönefeld (dpa / picture alliance / Bernd Settnik)
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Am Freitag konnten sich Bahnkunden freuen, da hatte sich die Deutsche Bahn mit der Lokführergewerkschaft GdL auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Heute geht es dann gleich weiter im Flugverkehr. Die Gewerkschaft ver.di hatte das Sicherheitspersonal an den beiden Berliner Flughäfen zu Warnstreiks aufgerufen, die gingen zwar um neun Uhr zu Ende, haben aber trotzdem noch Auswirkungen, die den ganzen Tag zu spüren sein werden.

Wie groß sind die Auswirkungen auf den Flugverkehr?

Es ist nicht das ganz große Chaos, die Fluggesellschaften hatten sich auch vorbereitet und Flüge verschoben oder Alternativen mit der Bahn angeboten. Aber es wurden doch am Flughafen Tegel 42 Flugverbindungen gestrichen, in Schönefeld waren es fünf.

Alle Passagiere mit Verbindungen von und nach Berlin mussten erstmal prüfen, ob ihr Flug überhaupt angeboten wird, ob er verschoben ist, das hat am ersten Arbeitstag nach den Ferien in den meisten Bundesländern schon Auswirkungen, die nicht unerheblich sind und auch über Berlin hinausreichen, sagt Andreas Splanemann, Sprecher der Gewerkschaft verdi in Berlin und Brandenburg, die zu dem Streik aufgerufen hatte:

"Die bundesweit Auswirkungen haben wird, weil Flugpläne einfach durcheinander geraten. Wenn Flüge ausfallen oder abgesagt werden müssen. Aber es ist die einzige Aktion erstmal. Weitere Aktionen sind nicht ausgeschlossen."

In Hessen sind noch bis zum Ende der Woche Ferien, die Gewerkschaft wollte, dass die Warnstreiks keine Auswirkungen auf Urlauber haben. Der Frankfurter Flughafen war also heute erst einmal nicht direkt betroffen.

Die Streikbeteiligung war nach Angaben von ver.di hoch.

400 Mitarbeiter der Frühschicht an beiden Flughäfen zusammengenommen am Ausstand beteiligt. 250 in Tegel, 150 in Schönefeld.

Wie weit sind die beiden Tarifparteien denn auseinander?

Ver.di sieht das gegenwärtige Angebot der Arbeitgeber, die im Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen BDLS, zusammengeschlossen sind, als nicht verhandlungsfähig. Geboten wird momentan nach Rechnung des BDLS zwischen 2 und 6,4 Prozent. Es gibt regionale Tarifverträge, d.h. das Sicherheitspersonal bekommt je nachdem, an welchem Flughafen es arbeitet, sehr unterschiedliche Löhne.

Ver.di fordert für die rund 23.000 Beschäftigten, dass einheitlich 20 Euro Stundenlohn gezahlt wird.

Das sehen die Arbeitgeber wiederum als utopisch an. Das wären in der Spitze 44 Prozent mehr.

Vor allen in den ostdeutschen Flughäfen sind die Löhne deutlich geringer. In einigen Flughäfen wird zwar inzwischen fast 20 Euro gezahlt, aber das ist nicht der tarifliche Lohn, sondern ist dem Umstand geschuldet, dass dringend Personal gesucht wird und deshalb mehr gezahlt wird.

Die Gewerkschaft betont bei ihrer Forderung nach einheitlichem Lohn die Verantwortung dieses Sicherheitspersonals. Das habe in den letzten Jahren sehr zugenommen, die Mitarbeiter müssten sehr konzentriert arbeiten, weil sie wissen, dass Fehler ganz große Auswirkungen haben können. Dem soll mehr Rechnung getragen werden, sagt ver.di.

Alles in allem klingt das momentan noch alles sehr unversöhnlich und weit voneinander entfernt.

Müssen wir dann also mit weiteren Streiks rechnen?

Die Friedenspflicht ist am 31.12. ausgelaufen Verhandelt wird wieder am 23. Januar. Nicht ausgeschlossen, dass es vorher nochmal zu Warnstreiks kommen wird. Und möglicherweise dann auch in Frankfurt.

Zusammen mit den schwierigen Wetterverhältnissen im Süden Deutschlands kann man festhalten: der Verkehr stockt.

Wer heute morgen nicht mit dem Flieger aus Berlin weggekommen ist, musste sich eine Alternative suchen. Wie erfahre ich, ob ich mit einem Flug auch nach 8.45 Uhr noch betroffen bin?

Direkt Betroffene sind ja auch weiterhin die Fluggäste der Berliner Flughäfen, da gibt es eine Telefonnummer, die Auskunft gibt, erster Ansprechpartner ist die jeweilige Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalte. Man kann aber auch auf der Webseite der Flughäfen nachschauen. Wer betroffen ist, kann seinen Flug stornieren und bekommt auch sein Geld zurück. Oder er nimmt seinen Anspruch auf einen späteren Flug wahr. Wenn das erst am nächsten Tag ist, muss die Airline die Kosten für Übernachtung übernehmen.

Selbst wenn sich abzeichnet, dass ein Flug erst sehr viel später stattfindet, muss man zur ursprünglichen Zeit am Flughafen sein. Denn es besteht die Möglichkeit, dass die Fluggesellschaft doch einen Ersatzflug bereitstellen kann und wenn man den verpasst, ist schlecht.

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