Davos
Streit um Grönland: US-Finanzminister Bessent warnt Europäer vor Vergeltungszöllen

Im Streit um Grönland hat US-Finanzminister Bessent die europäischen Staaten vor Vergeltungszöllen gewarnt. Er halte das für sehr unklug, sagte Bessent am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

    Scott Bessent, US-Finanzminister, spricht während einer Pressekonferenz vor dem Haus der USA am Rande des 56. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos.
    US-Finanzminister Scott Bessent (KEYSTONE / dpa / Laurent Gillieron)
    Europa solle nicht an der Absicht von Präsident Trump zweifeln, die Insel zu übernehmen, betonte Bessent. Auf die Frage nach einer Mitteilung Trumps an den norwegischen Ministerpräsidenten, in der der US-Präsident Berichten zufolge seinen Grönland-Vorstoß mit dem Nicht-Erhalt des Friedensnobelpreises in Verbindung gebracht hat, sagte Bessent, er wisse nichts von solch einer Mitteilung. Die Mutmaßung eines Zusammenhangs sei aber eine "komplette Falschmeldung".

    Trump bringt seine Haltung zu Grönland in Verbindung mit Nicht-Erhalt des Friedensnobelpreises

    Wie unter anderem BBC und AP berichten, schrieb Trump eine entsprechende Nachricht an den norwegischen Premier: Da dessen Land beschlossen habe, ihm den Friedensnobelpreis nicht zu verleihen, obwohl er mehrere Kriege beendet habe, fühle er sich nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an den Frieden zu denken, obwohl dieser immer im Vordergrund stehen werde. Er könne nun darüber nachdenken, was für die Vereinigten Staaten von Amerika gut und richtig sei, ergänzte Trump demnach. Premier Støre erklärte laut BBC in seiner Antwort an Trump, dass der Friedensnobelpreis von einem unabhängigen Komitee und nicht von der norwegischen Regierung verliehen werde.

    Dänemark und Grönland schlagen NATO-Mission in der Arktis vor

    Dänemark und Grönland haben unterdessen NATO-Generalsekretär Rutte eine Mission des Bündnisses in der Arktis vorgeschlagen. Das sagte der dänische Verteidigungsminister Poulsen zusammen mit Grönlands Außenministerin Motzfeldt laut dem dänischen Sender DR. Die beiden hatten sich in Brüssel mit Rutte getroffen. 
    Die EU-Außenbeauftragte Kallas warnte die USA vor der Verhängung von Strafzöllen. Staatliche Souveränität sei kein "Handelsgut", schrieb sie auf X. Europa wolle keinen Streit beginnen, werde aber seine Position behaupten, betonte Kallas.

    Merz zu Grönland-Streit: Es gilt das Prinzip der territorialen Integrität

    Bundeskanzler Merz sagte nach Beratungen des CDU-Vorstands, es gelte das Prinzip der territorialen Integrität. Mit der Ankündigung von Gegenmaßnahmen hielt er sich zurück, um, wie er sagte, möglichst jede Eskalation mit den USA zu vermeiden. Dagegen erklärte SPD-Chef und Finanzminister Klingbeil bei einem Besuch seines französischen Kollegen Lescure in Berlin, Europa lasse sich nicht erpressen und bereite mögliche Gegenmaßnahmen vor.
    Am Donnerstag wollen die EU-Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel über eine Antwort auf Trumps Drohungen mit Strafzöllen beraten. Trump hatte am Wochenende seinen Willen bekräftigt, Grönland zu übernehmen und neue Zölle für acht europäische Länder angekündigt, die sich weigern, seine Forderung zu unterstützen.
    Diese Nachricht wurde am 19.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.