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StartseiteCampus & KarriereAus grauer Theorie wird herausfordernde Praxis20.11.2018

Studentische UnternehmensberaterAus grauer Theorie wird herausfordernde Praxis

Studentische Unternehmensberatungsunternehmen bieten Studierenden eine gute Möglichkeit, die späteren beruflichen Herausforderungen schon in der Studienzeit kennen zu lernen. Vorteile von diesem Praxiseinsatz haben nicht nur die Studierenden.

Von Philipp Banse

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Ein lächelnder Mann sitzt an einem Schreibtisch, vor ihm steht ein Laptop  (imago stock&people)
Berufliche Praxis kann man auch bei studentischen Unternehmensberatungsfirmen erwerben (imago stock&people)
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"Wir können mal reingehen, das ist hier so das große Office. Wir haben hier die Policy, dass eigentlich nicht gesprochen wird. Ist so Bibliotheks-Style, alle sind sehr still, arbeiten konzentriert. Können da mal entlanglaufen...."

Janosch Sadowski ist Mitgründer von Kolibri Games, einer Firma, die Spiele für Smartphones entwickelt und bei der viel Englisch gesprochen wird. Das Büro liegt im 16. Stock des ehemaligen Hochhauses der Postbank in Berlin-Kreuzberg. In dem Großraumbüro sitzen knapp 80 Mitarbeiter dicht gepackt.

"Wir sind stark gewachsen, schauen jetzt auch nach einem zweiten Stockwerk hier im Gebäude."

Und weil die Firma wächst, sucht Janosch Sadowski dringend neue Mitarbeiter.

"Es ist immer schwierig, gute Leute zu finden. Gibt einen sehr hohen Bedarf, jetzt gerade im Speziellen für Programmierer, Informatik, aber auch für viele andere Stellen."

Teamplayer gefragt

Um eine Strategie zu erarbeiten, wie Kolibri Games neue Mitarbeiter gewinnen kann, hat die Firma keine große Unternehmensberatung angeheuert, sondern das Company Consulting Team, eine Unternehmensberatung von und mit Studierenden, die für die heutige Sitzung verschiedene Rekrutierungsmaßnahmen zusammengestellt und bewertet hat:

"Genau, was wir heute mit Euch besprechen wollen, ist unsere Auswahl von den Maßnahmen..."

Cassandra Übel ist 22 Jahre alt, schreibt gerade ihren Master in Mathematik und sie leitet das fünfköpfige Beratungsteam.

"Habt ihr vielleicht noch Fragen zur Bewertung? Sonst gehen wir auf die Maßnahmen mal ein..."

Das Company Consulting Team ist ein Verein, hat 70 studentische Mitglieder und berät seit 25 Jahren Unternehmen: Mittelständler und Startups vor allem, aber auch DAX-Konzerne wie Siemens und Bayer. Die Berater studieren vor allem BWL und Wirtschaftsingenieurwesen, aber auch Politik, Informatik und Naturwissenschaften. Studierende, die beim Company Consulting Team mitmachen wollen, durchlaufen ein aufwändiges Auswahlverfahren.

"Man muss einfach sehr motiviert sein. Man muss ein Bewusstsein haben, dass sie nicht schon am Ende angekommen sind, sondern einfach noch viel lernen wollen. Sie müssen gute Teamplayer ein." 

Nähe zur Zielgruppe

Was aber können die studentischen Berater besser als Kollegen von McKinsey und Co. - außer billiger zu sein?

"Ganz klar natürlich die Studierendennähe."

Sagt Team-Leiterin Cassandra Übel. Studierende Berater seien zudem auch viel flexibler und offener Neuem gegenüber. Der Chef von Kolibri Games bestätigt das:

"Genau. Die Studenten wissen am besten, was Studenten wollen und viele unserer Positionen sind gerade auf junge Absolventen, die jetzt gerade starten, ausgerichtet. Und da war das für uns eben die beste Chance, an die Zielgruppe zu kommen."

Mark Bauknecht ist 23, er studiert Wirtschaftsinformatik an der TU Berlin und gehört zum Berater-Team. Er stellt den Kolibris verschiedene Ideen vor, wie die Firma an neue Mitarbeiter kommt: Werbung in studentischen Vereinen, Beteiligung an Vorlesungen, Hackathons, wo Bewerber in lockerer Runde mit Programmcode der Kolibri-Spiele experimentieren können.

"Alternativ könnte man hier auch so Non-Recruiting-Events machen. Das bedeutet, man macht Sachen, die jetzt nicht primär mit der Thematik zu tun haben, sondern eher einen Poker-Abend oder sonstwas, wo man dann rein auf Softskills ausgeht."

Aus grauer Theorie wird Praxis

Kommt bei der studentischen Unternehmensberatung eine Anfrage rein, kann sich jedes Vereins-Mitglied um den Job bewerben. Ein erfahrener Planer stellt aus den Kandidaten ein Team zusammen, das dann für das Projekt eine GbR gründet, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die simpelste aller deutschen Unternehmensformen. Über diese Firma können die Studierenden dann auch ihr Honorar kassieren. Pro Arbeitstag bekommt ein studentischer Berater 350 Euro - weit weniger als konventionelle Berater, aber für Studierende sehr viel, zumal so ein Projekt auch mal 20, 30 Tage dauern kann, was dann rund 10.000 Honorar einbringt. Aber es gehe nicht nur ums Geld, sagt Mark Bauknecht vom Berater-Team:

"Es ist superinteressant, die Lernkurve ist extrem steil und man ist viel motivierter zu lernen. Dinge, die man im Studium lernt, die man vielleicht als banales Auswendiglernen kennt, nehmen Gestalt an, man kann die richtig umsetzen."

Wie das bei Herausforderungen so ist - sie kommen manchmal unerwartet:

"Das Erste, was für mich so ein kleiner Schockmoment war, wenn man beim Kunden ist, den Workshop und alles gut vorbereitet hat - und dann kommen eben die Leute vom Workshop rein und dann ist es ein internationales Unternehmen, können natürlich nur Englisch. Man hat sich darauf nicht vorbereitet. Und trotzdem bekommt man es gut hin. Und das ist sowas, nächstes Mal wird mich nichts mehr schocken, weil das so normal geworden ist mit dem Kundenumgang, mit professionellen Gesprächen. Schon allein die Angebotserstellung. Man wird viel strukturierter, man wird sehr effizient in der eigenen Arbeitsweise."

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