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StartseiteSport am Wochenende"Es geht nicht darum zu verbieten, sondern zu kontrollieren"14.09.2019

Studie zu Asthmaspray als Doping"Es geht nicht darum zu verbieten, sondern zu kontrollieren"

Seit Jahren steht Asthmaspray unter Verdacht, die Leistungsfähigkeit von Sportlern zu erhöhen. Die WADA unterstützt dazu nun eine Studie deutscher Forscher. Der beteiligte Sportmediziner Jürgen Steinacker sagte im Dlf, Ziel sei es, den Missbrauch der Sprays im Leistungssport zu verhindern.

Jürgen Steinacker im Gespräch mit Maximilian Rieger

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Gebrauch eines Asthma-Sprays (dpa/ picture alliance/ Brian Lawless)
Steigern Asthmasprays die Leistungsfähigkeit? Eine Studie von Forschern der Universitäten Ulm, Berlin und Köln will das herausfinden. (dpa/ picture alliance/ Brian Lawless)
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Schon seit Jahren wird im Sport gemutmaßt: Athleten täuschen Asthma vor, um dann mit Ausnahmegenehmigungen für Asthmamittel legal dopen zu können. Eine Studie soll jetzt klären, ob und wie groß der Einfluss von Asthmasprays wirklich ist. Der Ulmer Sportmediziner Jürgen Steinacker, der selbst an der neuen Studie beteiligt ist, sprach im Dlf über die möglichen Ergebnisse. "Wir können spekulieren, dass solche Effekte, wenn wir sie nachweisen können, zu einer Anwendungsbeschränkung der Medikamente führen – zum Beispiel ein besserer Nachweis der Asthma-Diagnose." Auch sei vorstellbar, "dass wir die Höchstdosen eventuell anpassen."

Komplettes Verbot der Sprays ist unwahrscheinlich

Komplett verbieten werde man den Einsatz der Sprays jedoch wahrscheinlich nicht, "weil Medikamente durchaus wichtig sind für Menschen, die auch Sport treiben sollen", sagt Steinacker. 

"Es geht nicht darum das zu verbieten, sondern zu kontrollieren." Ziel sei es am Ende, den Missbrauch der Sprays zu verhindern. 

Die Ergebnisse der Studie erhalte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). "Es dient dazu, eine bessere Regulation zu machen, d.h. wir wollen die Behandlung rationaler machen, begründeter und kontrollierter", so Steinacker. Einen Konflikt zwischen ärztlicher und wissenschaftlicher Tätigkeit sieht der Sportmediziner in diesem Fall nicht. In dieser Position müsse man die Verantwortung bei der Durchführung der Studie sehr sorgfältig wahrnehmen. "Da stellen wir uns auch der Öffentlichkeit, um das zu zeigen."

Experten-Kommission begleitet die Studie

Läufer beim Start bei der DAK Leichtathletik Gala, Lohrheidestadion, Bochum-Wattenscheid, Nordrhein-Westfalen (dpa/ picture alliance/ imageBROKER) (dpa/ picture alliance/ imageBROKER)Ulm: Umstrittene Medikamenten-Studie genehmigt
Dopingnahe Forschung an gesunden Menschen, finanziert durch öffentliche Gelder – die Uniklinik Ulm stand deshalb jüngst in der Kritik. Ankündigungen vonseiten der Landespolitik, in diesem Zusammenhang Missbrauch zu verhindern, versanden bislang.

Die in Baden-Württemberg gegründete Kommission zur Begutachtung von kontrovers diskutierten Forschungen wird die Studie begleiten. "Die Kommission wird diese Studie speziell als Maßstab nehmen, um zu sehen, wo die Regulationen verbessert werden können. Es wird ein Modell sein, in dem wir künftige Tätigkeiten der Sportmedizin bewerten. Ich finde hervorragend, wenn unabhängige Wissenschaftler und Ethiker uns auf die Finger schauen – das lasse ich gerne zu, weil wir können ja dadurch nur besser werden", so Steinacker.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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