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Studienmodelle der Zukunft Mehr Flexibilität für Studierende

In seiner Trendanalyse "Ahead" hat das "Hochschulforum Digitalisierung" vier Lernmodelle für das Jahr 2030 skizziert. Alle Modelle trügen Namen von Spielzeugen, sagte Projektleiter Dominic Orr im Dlf. Hintergrund der Studie sei die Frage, wie die Digitalisierung in der Hochschullehre umgesetzt werden könne.

Dominic Orr im Gespräch mit Regina Brinkmann | 22.05.2019

Eine Studentin der Universität Bayreuth (Bayern) sitzen am 21.01.2016 mit ihrem Notebook in der Zentralbibliothek der Universität (Aufnahme mit Zoomeffekt).
Forscher fordern mehr Flexibilität und Ausbildungsmodelle in der Hochschulbildung (dpa / Nicoals Armer)
Als "Tamagotchi" gelte, wer im nächsten Jahrzehnt noch immer klassisch studiert und auf den Bachelor für einen berufsqualifizierenden akademischen Abschluss noch den Master setze, erklärt Projektleiter Dominic Orr und Mitarbeiter des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Berlin.
Mit diesem Modell seien Studierende aber nicht ausreichend auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts vorbereitet, so die anhaltende Kritik der Unternehmen. Das Modell ginge davon aus, dass die Studierenden nicht mehr in das Hochschulssystem zurückkehren und ihre Bildung mit dem Master abschließen, kritisiert der Sozialökonom. Das trage dem digitalen Wandel am Arbeitsmarkt aber nicht Rechnung. Studierende bräuchten mehr Flexibilität auf ihrem Bildungsweg.
Lernmodule selbst wählen
Besonders favorisieren die Forscher des "Hochschulforum Digitalisierung" deswegen das Modell "Lego", das Gegenstück zum "Tamagotchi", dem Bachelor-/Mastersystem. In diesem Modell haben Studierende selbst die Kontrolle und stellen sich online oder offline Lernmodule für ihren akademischen Abschluss zusammen. Parallel nehmen sie schon am Arbeitsmarkt teil und orientieren sich auf ihrem Bildungsweg an dessen Bedürfnisse.
Diese Modell verlange aber mehr Mut von den Hochschulen, meint Projektleiter Dominic Orr. Die "Ahead-Studie" biete dafür viele Ansätze, allerdings bewegten diese sich oft an den Rändern des institutionellen Universitätssystems. Trotzdem sei ein Umdenken nach 20 Jahren Bologna-Reformprozess, der europaweiten Neuordnung der Hochschulen, wegen der Digitalisierung nötig, so der Sozialökonom weiter. Unter anderem auch, weil die Universitäten sehr hohe Zuwächse zu verzeichnen hätten.
Zu wenig Experimentierfreudigkeit an den Unis
Wichtig sei deswegen nun zu analysieren, welche Steuerungsinstrumente in der Hochschulpolitik die Experimentierfreudigkeit, die man eigentlich von Universitäten erwarte, blockierten.
Der Sozialökonom äußert allerdings auch Kritik an den Unternehmen. Die Personalabteilungen legten bei Einstellungen immer noch zu viel Wert auf Zertifizierungen. Die Rekrutierungsverfahren müssten sich ändern. Dominic Orr hält daher das Lernmodell "Lego" für zukunftsträchtig, weil es Studierende und Firmen frühzeitig in Kontakt bringt und so Kooperationen entstehen könnten.