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Sturmschäden in NRW
In welchen Fällen zahlen Versicherungen?

Das Unwetter in Nordrhein-Westfalen hat Sachschäden in Millionenhöhe verursacht. Für die Reparatur von demolierten Autos und abgedeckten Dächern zahlen die Versicherungen. Entscheidend ist dabei allerdings, welche Risiken abgesichert wurden.

Von Michael Braun | 10.06.2014

Ein Unwetter hat in der Lindenstraße in Düsseldorf am 09.06.2014 Bäume umgestürzt und zahlreiche Autos beschädigt.
Ein heftiges Unwetter hat in Nordrhein-Westfalen wie hier in Düsseldorf Schäden angerichtet. (dpa/Kurek)
Zerfetzte Oberleitungen, demolierte Autos, abgedeckte Dächer. Die Schäden der Nacht sind noch lange nicht beseitigt. Der Sprecher der nordrhein-westfälischen Polizei, Colin Nierenz, versuchte eine Einordnung:
"Ja, ich bin jetzt 20 Jahre Polizeibeamter. Ja gut, man denkt natürlich an Kyrill. Aber in diesem Ausmaß ist das eine absolute Ausnahmeerscheinung, dieses Unwetter."
Kyrill war im Januar 2007 über Europa und Deutschland gerast, in der Spitze mit Orkanböen von 202 Stundenkilometern. Am Düsseldorfer Flughafen wurden damals 144 Stundenkilometer gemessen. Die wurden vergangene Nacht auch erreicht. Die Versicherungsbranche dürfte schon mal in ihre Bücher geschaut und festgestellt haben, das Kyrill damals in Deutschland einen Schaden von 4,7 Milliarden Euro angerichtet hatte, den größten Teil davon in Nordrhein-Westfalen. Die Deutsche Bahn AG kann noch nichts über die Kosten sagen, die die vergangene Sturmnacht ihr beschert hat. Eine Sprecherin sagte, noch seien Dieselfahrzeuge unterwegs, um die Schäden zu erkunden:
"Sie müssen sich vorstellen, wir haben ein Streckennetz von 4.900 Kilometer in NRW und momentan sind wir dabei zu gucken, wo auf diesen 4.900 Kilometern die Schäden sind."
Volkswirtschaftlich schwer erfassbar, aber entstanden sind Ausfälle dadurch, dass Menschen und Waren ihre Arbeitsplätze und Einsatzorte nicht oder nicht rechtzeitig erreichten. Denn rund um die Landeshauptstadt am Rhein bewegte sich kaum etwas. Ein Passant:
"Die Stadt steht still. Überall liegen Bäume. Die Feuerwehr kommt nicht hinterher. Ich habe jetzt von Rat aus ungefähr zwei Stunden gebraucht bis in den Hafen. Zu Fuß. Die Straßenbahn fährt nicht. Das Auto muss man gar nicht erst anpacken."
Die Versicherungen haben ihre Soforthilfetruppen zu den Kunden geschickt. Jörg Büsselberg koordiniert sie bei der Ergo-Versicherung und berichtet, was sie tun können:
"Es kann auch sein, dass wir mit den Kunden auch Vereinbarungen treffen zum Schadenumfang. Das ist dann natürlich auch sehr hilfreich für den Kunden, wenn er sofort weiß: Wie wird der Schaden von uns eingeschätzt? Wie wird er bewertet? Und: Mit welcher Entschädigung kann er rechnen?"
Entscheidend für die Zahlung: die eingeschlossenen Risiken
Dass die Versicherungen zahlen müssen, scheint gewiss. Denn als Sturm gelten Windgeschwindigkeiten von 63 Stundenkilometern an. Die wurden vorige Nacht in Nordrhein-Westfalen eindeutig übertroffen. Die Gefahr "Sturm" muss aber explizit mitversichert sein. Beschädigen Bäume oder Dachziegel Autos, ist das ein Fall für die Kaskoversicherung. Für den Versicherten bleibt der vereinbarte Selbstbehalt. Wurde ein Dach undicht und hat Regen Mobiliar beschädigt, zahlt die Hausratversicherung den Neuwert. Zuvor dürfte aber überprüft werden, ob der Kunde seinen Hausrat angemessen bewertet und entsprechende Prämien gezahlt hat oder ob er unterversichert war. Enttäuscht werden könnte auch der Kunde, dessen Keller vom Starkregen vollgelaufen ist. Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung übernehmen nur, wenn das Risiko "Weitere Elementargefahren" eingeschlossen ist. Sonst decken beide Versicherungen nur Schäden durch Leitungswasser nach einem Rohrbruch ab.
Die Abteilung für Geo-Risiken des Rückversicherers Munich Re teilte zu den Ursachen des Sturms mit:
"Diese Wetterlage ist um diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich." Schon Kyrill war vor sieben Jahren nicht als "ungewöhnliches Extremereignis" eingestuft worden. Es kann also immer wieder passieren.