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StartseiteSport am Wochenende"Die UCI kannte die Kritik"08.08.2020

Sturz bei Polen-Rundfahrt"Die UCI kannte die Kritik"

Der schwere Sturz auf der Polen-Rundfahrt war vorhersehbar, sagte Ex-Radprofi Fabian Wegmann im Dlf. Die Gefährlichkeit der Zielankunft werde seit Jahren kritisiert. Aber der Weltradsportverband UCI habe die Strecke jedes Jahr aus Neue genehmigt. Auch die Organisatoren hätten schlampig gearbeitet.

Fabian Wegmann im Gespräch mit Marina Schweizer

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Sturz bei der Polenrundfahrt 2020. (imago images / Newspix)
Bei dem dramatischen Sturz bei der Polen-Rundfahrt 2020 wurde Radprofi Fabio Jakobsen lebensgefährlich verletzt. (imago images / Newspix)
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Der niederländische Radprofi Dylan Groenewegen drängte seinen Landsmann Fabio Jakobsen beim Zielsprint auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt in Kattowitz von der Strecke ab und führte einen schweren Sturz herbei. Jakobsen lag als Folge des Sturzes im künstlichen Koma, inzwischen ist er wieder bei Bewusstsein. Groenewegen wurde daraufhin von seinem Team Jumbo-Visma vorerst suspendiert. Die Suspendierung gilt bis zur Entscheidung der UCI-Disziplinarkommission über die Vorkommnisse. 

"Absolut unsportliches Verhalten"

"Groenewegen hat seine Fahrlinie verlassen und hat den Ellenbogen rausgedrückt, das war ein absolut unsportliches Verhalten. Deswegen war es erst einmal richtig, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen wird", sagte Radsport-Experte Fabian Wegmann im Dlf.  

Dylan Groenewegen hatte sich nach dem dem Vorfall entschuldigt. "Ich möchte klarstellen, dass ich niemals vorhatte, andere Fahrer zu gefährden", sagte er. "Aber das war eindeutig meine Schuld. Ich bin von meiner Linie abgewichen und das hätte ich nicht tun dürfen."

Fabian Wegmann, Renndirektor der Deutschland-Tour (imago sportfotodienst)Fabian Wegmann, Renndirektor der Deutschland-Tour (imago sportfotodienst)

Der ehemalige Radprofi Fabian Wegmann übte im Dlf-Gespräch auch Kritik an den Organisatoren - beim Zielsprint der ersten Etappe sind bergab Geschwindigkeiten bis zu 85 km/h möglich: "Ich habe die Organisatoren schon zu meiner aktiven Zeit jedes Jahr dafür kritisiert. Es war überhaupt nicht richtig, sowas noch weiter zu genehmigen. Man hat die hohen Geschwindigkeiten in Kauf genommen. Ich habe es damals schon gesagt: Irgendwann passiert da was!", sagte Wegmann im Dlf.

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Problemzone Absperrgitter

Ein weiteres Problem bei der Zielankunft seien die Absperrgitter gewesen. "Die Absperrgitter waren mit Sicherheit nicht korrekt. Die sind auseinander geflogen. Die müssen ineinander gehakt sein, damit man erst gar nicht durch die Barrieren fliegt, damit der Fahrer auf der Fahrbahn bleibt."

So hätte zwar nicht der Sturz, aber die schlimmen Verletzungen verhindert werden können, sagte Wegmann, der auch für verschiedene Rennen als Rennleiter aktiv ist. Fabio Jakobsen war am Mittwoch im Finale der ersten Etappe bei rund 80 km/h brutal in die Absperrgitter gestürzt. Mit schweren Gesichtsverletzungen und ohne Bewusstsein war er ins Krankenhaus geflogen und dort operiert worden.

Kritik an der UCI 

"Ich arbeite für einige Radrennen und da wird es solche Sprints bergab im Gefälle mit diesen Geschwindigkeiten nicht geben", sagte Wegmann. Es müssten sich aber einige an die eigene Nase fassen, auch die Fahrergewerkschaft. "Es ist schon lange bekannt, dass es da gefährlich ist. Aber die Fahrer stellen sich jedes Jahr an den Start. Da ist die Solidarität unter den Fahrern nicht ganz so gegeben. Im Grunde sind alle ein bisschen mit dran Schuld. Und auch vor allem der Weltradsportverband UCI. Der Veranstalter muss die Zielankunft vorher einreichen und die UCI kannte die Kritik, und hätte die Zielankunft nicht genehmigen können, hat es aber jedes Jahr wieder erlaubt, sie hätten auch ohne weiteres sagen können: Nein, so dieses Ziel akzeptieren wir nicht, dass müsst ihr anders legen. Und das haben sie nicht getan."

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