
Die Sudetendeutschen seien absolute Brückenbauer. Der Sprecher der Volksgruppe, Posselt, sagte, man habe eine klare Botschaft - und das sei keine Botschaft des Hasses, sondern eine der Liebe. Man sei nicht gekommen, um etwas zu fordern, sondern um etwas zu geben.
Am Samstag hatten Deutsche und Tschechen gemeinsam der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht. Der Versöhnungsmarsch folgte in umgekehrter Richtung dem sogenannten "Brünner Todesmarsch". Dabei wurden im Mai 1945 etwa 27.000 deutschsprachige Bewohner zur österreichischen Grenze getrieben. Mehrere tausend Menschen kamen ums Leben.
Die Sudetendeutsche Landsmannschaft war von den Veranstaltern des Dialogfests "Meeting Brno" in diesem Jahr nach Brünn eingeladen worden.
Bundesinnenminister Dobrindt nannte die Initiatoren "wahre Brückenbauer". Die europäische Freundschaft sei das Bollwerk gegen jeden neuen Nationalismus, sagte der CSU-Politiker in seinem Grußwort.
Bundesinnenminister Dobrindt nannte die Initiatoren "wahre Brückenbauer". Die europäische Freundschaft sei das Bollwerk gegen jeden neuen Nationalismus, sagte der CSU-Politiker in seinem Grußwort.
Tschechische Regierung gegen Treffen
Widerstand kam von den nationalistischen Kräften in der tschechischen Regierungskoalition, allen voran von der Partei Freiheit und direkte Demokratie (SPD). "Die Veranstaltung spaltet eindeutig die Gesellschaft", erklärte deren Vorsitzender, Parlamentspräsident Okamura. Auf seine Initiative hin hatte das Parlament in Prag einen Antrag verabschiedet, in dem sich die Regierungskoalition gegen das Treffen in Brünn aussprach. Die Opposition nahm demonstrativ nicht an der Abstimmung teil. Ministerpräsident Babiš bezeichnete die Wahl des Austragungsorts als "unglücklich".
Das deutsche Minderheitentreffen findet jedoch auch Befürworter in Tschechiens Gesellschaft. Neben der proeuropäischen Opposition, die den Regierenden "billigen Nationalismus" vorwirft, sprachen sich auch Staatspräsident Pavel und Senatspräsident Vystrcil dafür aus. Die Oberbürgermeisterin von Brünn,
Vaňková, von der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) hieß den Sudetendeutschen Tag ausdrücklich willkommen.
Vaňková, von der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) hieß den Sudetendeutschen Tag ausdrücklich willkommen.
Historiker Schwartz: "Gegenseitiger Austausch notwendig"
Der Historiker Michael Schwartz vom Institut für Zeitgeschichte in München hält den gegenseitigen Austausch für notwendig. Er beobachte, dass sich auch viele junge Menschen in Tschechien um das eigene schuldhafte Verhalten der tschechischen Seite während der Vertreibung kümmerten, sagte Schwartz im Deutschlandfunk. Er nannte etwa die "Masarykova Demokraticka Akademie" oder die gemeinnützige Organisation "Antikomplex", die sich seit 1998 für die tschechische Reflexion der deutschen Geschichte in Böhmen, Mähren und Schlesien einsetzt. "Ich glaube, dass ist der richtige Weg. Nicht in Selbstgerechtigkeit das eigene nationale Leid zu beklagen, sondern nach dem jeweils anderen zu fragen."
Als Sudetendeutsche werden Deutschsprachige mit Wurzeln in Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien bezeichnet. Der Name geht auf die Sudeten zurück, ein Gebirge zwischen Schlesien, Böhmen und Mähren. 1954 übernahm Bayern die Schirmherrschaft über die Volksgruppe der Sudetendeutschen und erklärte sie zum genuin vierten Stamm innerhalb des Freistaats.
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Diese Nachricht wurde am 24.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
