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StartseiteHintergrundAngolas Hoffnungen auf Reformen23.05.2020

SüdwestafrikaAngolas Hoffnungen auf Reformen

Die Corona-Pandemie trifft Angola schwer - und lässt viele Probleme des afrikanischen Landes schärfer hervortreten: schlechte Wasserversorgung, niedriger Bildungsstand, Arbeitslosigkeit, Korruption, Abhängigkeit von Rohölexporten. Die Hoffnung auf einen Wandel ist groß - erste Anzeichen dafür gibt es.

Von Leonie March

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Ein Vater mit seinem Kind auf dem Arm, begleitet von seiner Frau und einem weiteren Kind auf der Straße in Luanda, Angola. (imago / Jeff Widene)
Ein Reformprozess hat bereits begonnen - die Regierung Lourenço stehe für einen Wandel, meinen viele Bürger in Angola (imago / Jeff Widene)
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Ein Straßenmarkt in der Hauptstadt Luanda. Händler sitzen auf dem sandigen Boden, vor ihnen eine bescheidene Auswahl an Gemüse. Caius César, ein Mann mit dem Namen eines Feldherrn und einem T-Shirt mit der Aufschrift ‚Man lebt nur einmal‘, hat gerade ein paar Tomaten gekauft. Er trägt einen Mundschutz, so wie viele hier. Trotz niedriger Infektionszahlen wirkt sich die Corona-Krise bereits spürbar aus, erzählt der 29-jährige Bankangestellte.

"Wir sind mit einer großen Pandemie konfrontiert. Das ist kompliziert. Denn Angola gehört zu den Ländern, die mit einer solchen Situation überfordert sind. Einige Viertel wurden isoliert, um die Bürger zu schützen. Das ist sicher richtig, aber es löst all die anderen Probleme nicht. Obwohl ich Arbeit habe, reicht mein Lohn nicht aus, um alle Rechnungen zu bezahlen. Ich weiß gar nicht, wie all jene überleben, die arbeitslos sind. Dazu kommt die mangelnde Wasser- und Sanitärversorgung. Die Krise führt uns diese Probleme noch deutlicher vor Augen."

Caius César, Bankangestellter beim Einkauf auf einem Markt in Luanda. (Deutschlandradio / Tomás Teixeira)Glaubt an eine bessere Zukunft für Angola: Caius César (Deutschlandradio / Tomás Teixeira)

32 Millionen Menschen leben in Angola, 13 Millionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 18 Millionen fehlen sanitäre Einrichtungen. Nicht nur in den ländlichen Provinzen, sondern auch in der stetig weiter wachsenden Hauptstadt Luanda. Angola hinkt damit der Entwicklung anderer Länder des Kontinents hinterher. Ein Problem, das schon lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie bekannt war, an deren Lösung jedoch bislang nur halbherzig gearbeitet wurde. Dabei sind eine gute Sanitär- und Wasserversorgung zentral für die Entwicklung, belegt eine aktuelle Studie des ‚Institute for Security Studies‘, einem panafrikanischen Think Tank. Jakkie Cilliers ist Co-Autor dieser Studie.

"Angola leidet unter einer hohen Krankheitslast. Covid-19 verdeutlicht, wie schwer es ist gesund zu bleiben, wenn man sich nicht einmal die Hände waschen kann. Es geht also um die Basics, wenn Angola das Potenzial seiner großen Arbeiterschaft ausschöpfen will."

Von den Erdölexporten abhängig

Das Potenzial ist in der Tat enorm und es liegt weitgehend brach. Angolas Bevölkerung ist jung, die Hälfte jünger als 17 Jahre. Das Land ist reich an Bodenschätzen wie Diamanten, die Böden sind fruchtbar. Durch die Förderung von Erdöl ist die Wirtschaft in den ersten zehn Jahren dieses Jahrhunderts im Durchschnitt um fast neun Prozent gewachsen. Erdöl macht ganze 95 Prozent der Exporterlöse aus. Doch die Boom-Jahre seien vorbei, meint Benedito Mavu, der in der Personalabteilung einer Zuliefererfirma für die Ölkonzerne arbeitet.

"Unsere Wirtschaft befindet sich seit 2014 im Abwärtstrend. Damit hat auch unsere Währung an Wert verloren und die Kaufkraft der Löhne ist gesunken. Früher waren 200.000 Kwanza 2000 US-Dollar wert, heute nur noch ein knappes Viertel davon. Auch die Arbeitslosigkeit nimmt zu: Früher haben etwa die Hälfte der Arbeitskräfte im Ölsektor gearbeitet, heute sind es weniger als 20 Prozent. Investoren ziehen sich zurück und wir müssen Leute entlassen. Angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist die Angst groß, den Job zu verlieren."

Ein Kind steht vor dem Haus der Familie in Luanda, Angola. (picture alliance / Sergey Mamontov) (picture alliance / Sergey Mamontov)Corona-Pandemie - Wie ein fallender Ölpreis Reformen in Angola verhindert
Angola ist reich an Erdölvorkommen, aber abhängig von Rohöl-Exporten. Das bei China hochverschuldete Land muss seine wenigen Mittel nun zur Bekämpfung der Corona-Pandemie einsetzen.

Die Arbeitslosigkeit steigt. Sie liegt bereits bei etwa 30 Prozent, unter jungen Angolanern ist sie doppelt so hoch. Jeder zweite Angolaner gilt als arm, einer von dreien leidet unter so genannter multi-dimensionaler Armut, das bedeutet, dass nicht nur Essen knapp ist, sondern, dass sie auch kaum Zugang zu Bildung- und Gesundheitsversorgung haben. Eine verfahrene Situation, denn der Spielraum für Investitionen schrumpft mit fallenden Ölpreisen, erklärt Jakkie Cilliers.

"Das Land kämpft schon seit einigen Jahren mit einbrechenden Ölpreisen. Und es ist komplett von den Rohöl-Exporten abhängig. Sinkende Einnahmen wirken sich also direkt negativ auf den Staatshaushalt und damit die Lebensumstände der Bevölkerung aus. Die aktuelle Krise wird dazu führen, dass Angola es in den nächsten Jahren noch schwerer haben wird. Nicht nur, was weiter wachsende Armut, sondern auch die soziale Stabilität angeht. Auch Lebensmittel-Aufstände sind im Verlauf des Jahres möglich."

Villen und Slums: Kluft zwischen Arm und Reich

Die Hauptstadt Luanda wird von nichts so geprägt, wie von der tiefen Kluft zwischen Arm und Reich. Eine der teuersten Städte der Welt, auf der einen Seite Villenviertel, auf der anderen Slums. Auf der einen Seite sprudelnde Ölquellen, auf der anderen teure Benzinpreise, weil es im Land keine Raffinerie gibt und Kraftstoffe importiert werden müssen. Ebenso, wie die meisten Lebensmittel.

Luxusjacht vor Anker in Luanda, im Hintergrund das Stadtpanorama (Angola). (imago / Titus Moser)Jachten in Luanda: Die Erdölmilliarden Angolas flossen an eine korrupte Elite (imago / Titus Moser)

In Armenvierteln wie Bita, im Süden Luandas, leben die Menschen von der Hand in den Mund. Die meisten arbeiten im so genannten informellen Sektor, verkaufen Waren auf der Straße, dazu gehört auch Trinkwasser. Wie wichtig diese Subsistenz-Wirtschaft ist verdeutlicht der Anteil am Bruttoinlandsprodukt: Schätzungen zufolge sind es mehr als 40 Prozent. Cristina Antonio arbeitet als Putzfrau, ihr Mann übernimmt Gelegenheitsjobs. Momentan ist er mit den vier Töchtern unterwegs, um etwas Essen aufzutreiben.

"Ich habe von anderen gehört, dass sie von der Regierung Seife, Wasser und Lebensmittel erhalten haben. Aber in unserem Viertel haben wir nichts bekommen. Es zeigt sich, dass wir von Erdöl allein nicht leben können. Die Regierung muss dringend unsere Landwirtschaft unterstützen. In den Provinzen verfault die Ernte, weil die Bauern sie nicht nach Luanda bringen können. Die Straßen und Brücken sind in zu schlechtem Zustand. Das heißt auch, dass wir Lebensmittel teuer importieren müssen und das Geld ins Ausland fließt, statt an unsere Farmer. Wenn wir das ändern könnten, würden auch die Lebensmittel für uns, hier in der Stadt, billiger."

Hochgradig korruptes System

Investitionen in die Landwirtschaft gelten auch unter Experten als zentral für die Entwicklung Angolas. Während der portugiesischen Kolonialzeit wurde beispielsweise Kaffee in großem Stil exportiert und alle Produkte für den Eigenbedarf, mit Ausnahme von Weizen, selbst angebaut. Doch dann ist das Land im Krieg versunken: Auf den Unabhängigkeitskampf folgte ein fast drei Jahrzehnte dauernder Bürgerkrieg, der erst 2002 endete. Doch der Präsident aus Kriegszeiten blieb: Insgesamt 38 Jahre lang hat José Eduardo dos Santos Angola autokratisch regiert. Statt in die Entwicklung des Landes flossen die Erdölmilliarden an seine Familie, die Machtclique der Regierungspartei MPLA und auf ausländische Konten. Nun liegen die Hoffnungen auf seinem Nachfolger, João Lourenço, der seit Herbst 2017 im Amt ist. Lourenço hat der Korruption den Kampf angesagt und Worten auch Taten folgen lassen, betont Thomas Keller, der das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung für Namibia und Angola leitet.

"Also meiner persönlichen Einschätzung nach ist er wirklich gewillt, Angola zu reformieren und auf einen guten Weg zu bringen. Aber natürlich mit den gegebenen Restriktionen. Und das ist ein Prozess, der dauert Zeit. Etwas, was über so viele Jahre gewachsen ist, ein derartig korruptes System, das von heute auf morgen zu zerschlagen, da müsste man den gordischen Knoten mit dem Schwert zerschlagen. Und ob das Angola als Ganzes guttun würde, wage ich zu bezweifeln. Und deswegen ist es dann eher die Politik der kleineren Schritte, so würde ich es ausdrücken."

"Die Korruption ist nicht vorbei"

Die Schritte seien zu klein, bemängeln Regierungskritiker in Angola. Die Korruptionsbekämpfung konzentriere sich auf einige wenige Personen, wie die Tochter des Ex-Präsidenten Isabel dos Santos. Eine der reichsten Frauen Afrikas, dank ihres Vaters jahrelang Vorstandsvorsitzende der staatlichen Ölkonzerns Sonangol. Sie stand im Mittelpunkt der so genannten ‚Luanda Leaks‘, die das Ausmaß der korrupten Machenschaften belegen. Daraufhin wurden Teile ihres Vermögens eingefroren. Für andere Schlüsselfiguren hatte die jahrelange Vetternwirtschaft noch keine Konsequenzen. Das frustriert viele Angolaner verständlicherweise. Taina, eine Buchhalterin aus einem der Mittelklassevororte Luandas, will ihren vollen Namen nicht nennen, denn sie verliert kein gutes Wort über die Regierung.

"Wir machen uns etwas vor, wenn wir glauben, dass sich irgendetwas ändern wird. Die Regierung besteht aus denselben alten Leuten. Für uns ändert sich rein gar nichts, abgesehen von steigenden Steuern. Wir werden also stärker zur Kasse gebeten, aber Schulen, Straßen, das Gesundheitssystem sind weiterhin in schlechtem Zustand. Auch die Korruption bei Sonangol ist nicht vorbei, sie wird nur verschleiert. Ich glaube also nicht daran, dass die Korruption sich verändert hat oder sogar beendet wurde."

Andere sind optimistischer: Vielleicht kann sich die Regierungspartei MPLA unter neuer Führung ja doch von innen heraus reformieren. Schließlich hat sich das Klima gegenüber Journalisten, Zivilgesellschaft und politischer Opposition unter João Lourenço bereits verbessert. Vielleicht sind die Maßnahmen gegen die mächtige Isabel dos Santos vielen ja eine Warnung, die weitere Auswüchse verhindert. Thomas Keller von der Konrad-Adenauer-Stiftung kann die Forderung nach schonungsloser Aufklärung, bei der alle Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden, verstehen. Aber er sieht die Lage pragmatisch:

"Wenn man jeden ehemaligen Politiker zur Rechenschaft ziehen würde, in Angola, der in irgendeiner Form in Korruption verwickelt ist, dann wäre wahrscheinlich die gesamte Regierung Angolas nicht mehr handlungsfähig. Außerdem denke ich mal, dass die Aktionen von Lourenço dazu geführt haben, dass der eine oder andere sich vielleicht besonnen hat und an einem neuen Angola mitarbeiten möchte."

Diese Hoffnung haben auch Bürger wie Joaquim Miguel, der in einem der wohlhabenden Vororte Luandas lebt, dem ‚Jardim de Rosas’. Seit Jahren arbeitet er für eine teilstaatliche Logistikfirma, deren Kunden Öl- und Gaskonzerne sind.

"Etwas, was sich bereits spürbar verändert hat und zwar in vielen Unternehmen, ist Transparenz. Ein Wort, das zuvor nicht unbedingt zum Vokabular vieler Manager gehörte. Aber nun legen sie Wert auf eine sorgfältige Kaufprüfung und auf Transparenz bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. Vorher bekamen in erster Linie Leute einen Job, die Verwandte in höheren Positionen hatten. Heute geht es dagegen um Qualifikationen und Fähigkeiten. Das ist positiv. Viele Jahre lang ging es der Regierung nur darum, an der Macht zu bleiben. Präsident Lourenço jedoch steht für einen Paradigmenwechsel. Das Wohlergehen der Nation steht ganz oben auf seiner Agenda."

Bildung, Agrar, Industrie: Investitionen dringend gebraucht

Damit es der Bevölkerung Angolas künftig besser gehen kann, muss sich das Land aus der Abhängigkeit von Rohöl-Exporten befreien. Das ist auch schon lange Konsens. Die Diversifizierung der Wirtschaft sei bereits seit Jahren im Gespräch, sagt Jakkie Cilliers, vom ‚Institute for Security Studies‘.

"Angola spricht zwar von einer Diversifizierung der Wirtschaft, aber bislang ist nur wenig geschehen. Am offensichtlichsten wären Investitionen in die Landwirtschaft. Sie könnte für viele Angolaner eine Existenzgrundlage sein, die Ernährungslage verbessern und soziale Ungleichheit reduzieren. Außerdem ist der Aufbau einer einfachen verarbeitenden Industrie dringend erforderlich. Dann müsste man einfache Dinge, wie Trinkwasser in Flaschen oder Zahnstocher, nicht mehr importieren. Eine erhebliche Hürde ist dabei die mangelnde Stromversorgung. Aber es gibt bereits Pläne, mit denen dieses Problem gelöst werden soll."

Schülerinnen einer Schulklasse in Luanda. (imago / Michael Westermann)Im Grundschulbereich auf gutem Weg, ansonsten ist der Bildungsstand in Angola zu niedrig (imago / Michael Westermann)

Der politische Wille scheint vorhanden, aber die Regierung stößt an allen Ecken auf enorme Herausforderungen. Das Potenzial ist da, aber ein richtiges Fundament, auf dem sich die Wirtschaft breiter aufstellen kann, ist kaum vorhanden. Da sind die überbordende Bürokratie, teils noch ein Relikt aus Kolonialzeiten, die brüchige und jedenfalls in Luanda, chronisch überlastete Verkehrsinfrastruktur. Eine Regierungsführung in den Provinzen, die zu wünschen übrig lässt. Die mangelhafte Strom- und Wasserversorgung. Und der Bildungsstand der Bevölkerung, sagt Jakkie Cilliers:

"Angola hat einen enormen Engpass bei der Sekundarschulbildung. Im Grundschulbereich scheint man auf einem guten Weg zu sein, aber eine Sekundarstufe gibt es nur an ausgewählten Schulen, die nur wenige Angolaner besuchen können. In der Konsequenz ist der Bildungsstand der Bevölkerung niedrig. Und er verbessert sich auch nicht so schnell, wie es etwa für den Aufbau einer verarbeitenden Industrie nötig wäre. Mit Blick auf die Vielfalt der Sprachen, die enorme Größe des Landes und begrenzte finanzielle Mittel kann diese Mammutaufgabe nur bewältigt werden, wenn die Regierung wirklich entschlossen ist und sich bemüht."

Investitionen in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur kosten Geld, das dem Staat angesichts sinkender Einnahmen aus dem Erdöl fehlt. Experten, wie Jakkie Cilliers, empfehlen unter anderem die Reduzierung der, auch im regionalen Vergleich, extrem hohen Militärausgaben zu Gunsten der sozialen Entwicklung. Die Regierung setze derzeit aber eher auf Steuererhöhungen und eine Teilprivatisierung von Staatskonzernen, so Thomas Keller.

"Es sind rund 200 Betriebe, die komplett oder teilweise verstaatlicht und privatisiert werden sollen. Generell kann man sagen, dass die Attraktivität der Privatisierungsobjekte, die stößt hier und da an ihre Grenzen. Das heißt, viele der Unternehmen sind marode, bedürfen beträchtlicher Investitionen. Und aktuell in der Corona Krise, ist das natürlich eine große Herausforderung."

Für eine Stärkung der Wirtschaft muss Angola auch sein Image als Investitionsstandort aufpolieren. Jahrzehnte der Korruption und der Abschottungspolitik haben einen erheblichen Schaden hinterlassen. Auf Ranglisten zum Geschäftsklima oder dem "Ease of business"-Index der Weltbank, gehört Angola zu den Schusslichtern. Doch unter João Lourenço habe dieser Reformprozess bereits begonnen, betont Thomas Keller.

"Die neue Regierung hat natürlich auch versucht, Monopole zu zerschlagen, insbesondere Monopole der ehemaligen Politikelite. Es gibt ein neues Zollgesetz, wo man versucht, die heimische Wirtschaft zu fördern. Es gibt ein Investitionsgesetz: Das heißt, abgesehen vom Bergbau-Sektor und Ölsektor kann man jetzt auch in Angola investieren, wenn man weniger als eine Million US-Dollar investiert. Und es ist auch nicht mehr verpflichtend, dass man 35 Prozent an angolanische Besitzer überträgt oder abgibt, so dass das Land generell auch für ausländische Investoren attraktiver wird."

Immense Staatsschulden

Bislang war China der wichtigste Handelspartner und Kreditgeber. Ein großer Teil der Rohölexporte ging nach China, der Rohstoff sichert auch die Kredite ab. Deren Höhe ist schwindelerregend: Angola hat eine Staatsschuldenquote von 91 Prozent. Der Spielraum für die dringend notwendigen Reformen ist entsprechend gering und wird durch die Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie noch kleiner. Aus einer hohen Schuldenlast sei so eine handfeste Schuldenkrise entstanden, meint Jakkie Cilliers.

"Die Chinesen werden angesichts dieses wachsenden Schuldenbergs ebenso besorgt sein, wie andere auch. Schuldenerlasse hat China in der Vergangenheit nur extrem selten gewährt, aber vielleicht lässt es sich auf einen Zahlungsaufschub ein. Vor über einem Jahr hat China bereits damit begonnen, die Fähigkeit afrikanischer Länder, Schulden zurückzuzahlen, zu überprüfen. Der Wille, weitere Kredite zu gewähren, nimmt ab, auch weil in der chinesischen Wirtschaft gerade ein Restrukturierungs-Prozess stattfindet. Es deutet vieles darauf hin, dass Asien für China künftig wichtiger wird als Afrika. Chinas Engagement mit Afrika könnte also seinen Höhepunkt erreicht haben."

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Wirtschaft, Politik - "alles im Land neu gestalten"

Angola muss sich neue Partner suchen. In einer Zeit, in der die globale Wirtschaft in einer Krise steckt und sich die Probleme im eigenen Land weiter zuspitzen. Doch jede Krise berge eine Chance für Veränderungen, sagt der Angolaner Caius César, der seine Einkäufe auf dem Markt mittlerweile erledigt hat und sich nun auf den Nachhauseweg macht.

"Die Regierung ist sich jetzt darüber bewusst, dass sie neue Wege gehen muss, dass Veränderungen notwendig sind. Natürlich leiden wir als Bevölkerung unter der derzeitigen Krise, aber auch wir beginnen darüber nachzudenken, wie wir unsere Wirtschaft, unsere Politik, einfach alles im Land, neu gestalten können. Wir sind ein reiches Land, wir haben viele Ressourcen, wir sind bereit für Innovationen. Wir brauchen nur eine gute Politik und die Unterstützung unserer Regierung. Ich bin mir sicher, dass wir uns hocharbeiten und etwas erreichen können. Ich glaube an eine bessere Zukunft in Angola. Vielleicht nicht in meiner Generation, aber unsere Kinder werden davon profitieren."

Der 29-Jährige spricht vielen seiner Landsleute aus dem Herzen. Die Hoffnung auf einen Wandel in Angola ist groß. Obwohl allen bewusst ist, dass der Weg dorthin lang und steinig wird.

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