
Der Fluss markierte bislang die Grenze zu den kurdisch kontrollierten Gebieten. Die syrische Armee teilte mit, die Soldaten rückten vor, um das gestern vom syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa vorgestellte Abkommen zwischen dem Zentralstaat und der SDF "abzusichern".
Trotz des Abkommens hatten sowohl die syrische Armee als auch kurdische Kräfte heute weitere Kämpfe gemeldet. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, kurdische Kräfte hätten unter anderem Stellungen der Armee in der Nähe der Stadt Aleppo angegriffen. Drei Soldaten seien getötet worden.
Die Führung der kurdischen Miliz hatte gestern angesichts des Vormarsches der syrischen Armee einer Waffenruhe zugestimmt. Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass sich die Kämpfer aus allen Gebieten östlich des Euphrats zurückziehen. Zudem sollen sie sich in die Armee des Landes integrieren.
Beobachter bewerten Erfolgsaussichten des Waffenstillstandsabkommens als gering
Die Hilfsorganisation Medico International hatte sich schon kurz nach der Einigung auf das Waffenstillstandsabkommen skeptisch gezeigt. Man müsse befürchten, dass das Abkommen nicht halte, sagte Medico International-Referentin Starosta im Deutschlandfunk. Sie verwies darauf, dass die Kurden zwei bisher von ihnen verwalteten Provinzen an die Zentralregierung übergeben müssten. In diesem Prozess könne es immer wieder zu Gewalt und Vertreibung kommen. Diese Erfahrung habe man bereits in der Vergangenheit gemacht. Die ARD-Korrespondentin Anna Osius erläutert, das Abkommen lese sich, als habe sich die Regierung in wesentlichen Punkten durchgesetzt. Nach der Blitzoffensive mit maximalen Geländegewinnen habe die Regierung auch das Kräftemessen am Verhandlungstisch gewonnen.
Bei ihrer Offensive im Norden und Osten des Landes hatten syrische Regierungstruppen in den vergangenen Tagen kurdische Kämpfer aus mehreren bisher von ihnen beherrschten Gebieten vertrieben, auch aus der nordsyrischen Großstadt Aleppo. Al-Scharaa kündigte an, in einem Gespräch mit dem Anführer der SDF-Miliz, Abdi, alle noch offenen Fragen klären zu wollen.
USA sprechen von "entscheidendem Wendepunkt"
Der US-Gesandte Barrack, der vor seinem Treffen mit al-Scharaa in Damaskus am Samstag in Erbil im Nordirak mit Abdi zusammengekommen war, begrüßte das Abkommen und die Einigung auf eine Waffenruhe. Er sprach im Onlinedienst X von einem "entscheidenden Wendepunkt". Die Konfliktparteien hätten gegen eine Spaltung und für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit entschieden.
Ende 2024 wurde Syriens langjähriger Machthaber al-Assad durch die von al-Scharaa angeführte Islamistenmiliz HTS gestürzt. Al-Scharaa wurde im Januar vergangenen Jahres zum Übergangspräsidenten ernannt und steuert das Land seitdem hin zu einer Öffnung und Annäherung an den Westen. Seit dem Umbruch ist es bereits mehrfach zu Gewaltwellen gegen Minderheiten in Syrien gekommen.
Diese Nachricht wurde am 19.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






