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StartseiteKultur heute"Deutscher Geist in Gefahr“17.03.2018

Tagung in Marbach"Deutscher Geist in Gefahr“

Sie standen den Nazis nah - Philosophen und Dichter. Das deutsche Literaturarchiv in Marbach hat auf einer Tagung ihre Sprechweisen untersucht. Mystik und sprachliche Unschärfe seien dabei wichtig gewesen, sagte der Historiker Lutz Raphael im Dlf.

Lutz Raphael im Gespräch mit Anja Reinhardt

Sprachliche Mystik: Der Philosoph Martin Heidegger (imago/United Archives International)
Sprachliche Mystik: Der Philosoph Martin Heidegger (imago/United Archives International)
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Der "Raum" des "neuen deutschen Geistes" nach 1933 sollte in Marbach untersucht werden, anhand der Ideen von Intellektuellen. Die Nationalsozialisten hätten mit Philosophen wie Martin Heidegger und Dichtern wie Gottfried Benn über bestimmte Sprachweisen und Begriffe vor allem die jungen Menschen ansprechen und für ihre Ideologie gewinnen wollen.

Heideggers Rektoratsrede: Sprachlich wenig verständlich

Dabei war vor allem die sprachliche Unschärfe ein wichtiges Mittel. Die berüchtigte Rektoratsrede von Heidegger im Jahr 1933 war in einer wenig verständlichen Sprache gehalten, so Raphael. Und vermutlich hätten die zuhörenden Studenten kaum begriffen, worum es eigentlich ging.

Alles wurde mit dem Nebel der Mystik aufgeladen

"Mystik meinte eigentlich immer die Produktion von Gemeinschaftsgefühl, man sprach Lebenswelten an, Erlebnis wurde eine ganz wichtige Kategorie. Und da spielten Intellektuelle auch eine Rolle." Auch, weil sie die Wurzellosigkeit als Grundgefühl kritisierten. Das alles wurde mit dem Nebel der Mystik aufgeladen.

Die Neue Rechte orientiert sich an der Situation von damals

"Zweifellos versucht heutigen rechtes Denken an die Situation der Zwanziger anzuknüpfen", denn damals hätten sich die Kritiker der Weimarer Demokratie im Namen eines radikalen Nationalismus auf elaborierte Gedankensysteme gestützt. Das versuche die Neue Rechte wiederzubeleben. Ob das reproduzierbar sei, bezweifle er, so Lutz Raphael.

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