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Tame Impala mit „The Slow Rush“Retro-Sound aus der Zukunft

Trotz ihres Faibles für die psychedelischen Sounds der 60er- und 70er-Jahre klingen Tame Impala nicht rückwärtsgewandt. Zeitgenössische Produktionstechniken und ein Gespür für heutige gesellschaftspolitische Themen verorten die australische Band um Mastermind Kevin Parker im Hier und Jetzt.

Von Jenni Zylka

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Die australische Band Tame Impala bei einem Auftritt in Santiago de Chile am 22. November 2014 (dpa / picture alliance / Elvis Gonzalez)
Die australische Band Tame Impala bei einem Auftritt in Santiago de Chile am 22. November 2014 (dpa / picture alliance / Elvis Gonzalez)
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Dieser Sound stammt nicht etwa von einer der großen Soft- oder Yachtrockbands der 70er-Jahre, sondern ist ganz aktuell: Kevin Parker, Kopf, Herz und Stimme der australischen Band Tame Impala, hat sich auf seinem neuen Album "The Slow Rush" klanglich einmal mehr dem Gestern verschrieben. Im Song "Lost in Yesterday" bettet er seinen weichen Gesang in transparente gleichmäßig groovende Beats, wie es in den Pop-Ohrwürmern der 70er üblich war, und beschwört die Idee des entspannten Hörens. Für Parker selbst ist das allerdings sehr modern:

"In zehn Jahren werden Menschen zuhören und sagen: Oh das klingt ganz typisch nach 2020! Aber Leute im Jahr 2020 hören das nicht. Eigentlich klingt ja jede Musik modern, denn sie klingt immer nach der Zeit, aus der sie stammt, allein wegen der Aufnahmetechnik, der Machart oder des Gesangs."

Leicht zu konsumierende Kompositionen 

Der talentierte Multiinstrumentalist Parker, der seine Musik mehr oder weniger im Alleingang schreibt, teilweise auch einspielt und seine Platten selbst produziert, hat sich mit seinen raffinierten, leicht zu konsumierenden Kompositionen eine kleine Nische geschaffen: Musik als flüchtiges, elegant zusammengesetztes Soundgebilde, mit Aussagen, die zumindest teilweise den Flair von Binsenweisheiten haben:

"Das Album hat definitiv eine bestimmte Note, einen Kern, oder eine Botschaft, aber die ist nicht so einfach zu benennen - das Gefühl, dass das Leben vorbei fließt, der Fakt dass nichts für immer bleibt. Es ist nicht depressiv gemeint, weil alles endet - aber das Leben fliegt eben schnell vorbei."

Auch dieses Stück "Tomorrow’s Dust", der Staub von morgen, passt zu Kevin Parkers Attitude – er sei, wie er sagt, als Kind oft allein am Strand gewesen, und habe viel Supertramp gehört. Der 34jährige, der außerhalb der Bühne immer ein wenig abwesend wirkt, hat sich jetzt sogar mit dem Gedanken angefreundet, dass sich andere Menschen über seine Musik mit ihm verbunden fühlen.

"Es ist jetzt fast normal geworden für mich, vor Fremden über meine Gefühle zu singen – und dann mit Fremden darüber zu reden! Das ist eben jetzt mein Job! Es war am Anfang komisch, aber die Belohnung ist toll. Wenn ich sehe, dass Leute sich mit der Musik verbinden, möchte ich weitermachen."

Songs mit gesellschaftspolitischen Themen

Bislang hat Kevin Parker seine Texte allgemein und assoziativ gehalten. Viele Künstlerinnen und Künstler sind sich ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft heutzutage bewusster. Und so denkt auch der Australier darüber nach, seine eigenen Songs mit gesellschaftspolitischen Themen aufzuladen. Wie in den 60ern, einer Zeit, aus der viele von Parkers Inspirationen stammen.

"Musik aus dieser Zeit hatte eine so starke Botschaft, und die war auch notwendig. Ich glaube aber, es wird bald eine neue Garde von Künstlern und Songs geben - denn, selbst wenn jemand wie ich, der früher unpolitisch war, jetzt motiviert ist, politische Musik zu machen, dann glaube ich, dass die anderen Künstler längst drüber nachdenken!"

"It might be time", singt Kevin Parker in einem seiner Stücke. Und vielleicht ist die Zeit für politische Musik ja tatsächlich gekommen.

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