Neue Regelung in Kraft getreten
Tankstellen dürfen nur noch einmal am Tag ihre Preise erhöhen

Die neue Preis-Regelung für Tankstellen ist in Kraft getreten. Ab sofort dürfen die Preise nur noch einmal am Tag - jeweils um 12 Uhr - erhöht werden. Preissenkungen sind aber weiter jederzeit möglich. Mit Inkrafttreten der neuen Vorgabe sind an Tankstellen die Kosten für Benzin und Diesel gestiegen.

    Anzeige mit hohen Spritpreisen an einer leeren Tankstelle in Frankfurt (Oder). Wegen steigender Energiepreise durch den Iran-Krieg kommt es in der polnischen Grenzregion zu langen Schlangen an Tankstellen.
    Hohe Spritpreise in Deutschland (Archivbild vom März 2026). (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
    Nach einer Auswertung des ADAC kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt gut zwei Euro 17, das ist eine Anhebung um 7,6 Cent. Der durchschnittliche Preis für einen Liter Diesel betrug gut zwei Euro 37, ein Anstieg um 7,5 Cent.
    Wie Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachteten, wurden teilwesie Aufschläge von bis zu 20 Cent beobachtet. Auch aus Tank-Apps ging hervor, dass an Zapfsäulen die Preise mittags angehoben wurden.
    Die schwarz-rote Koalition verspricht sich von der Änderung nach österreichischem Vorbild mehr Verlässlichkeit durch weniger Preiserhöhungen sowie mehr Transparenz. Autofahrer hätten schon länger kritisiert, dass sich die Preise an den Tankstellen teilweise sehr häufig änderten, heißt es zur Begründung des Gesetzes. 
    Im Durchschnitt habe eine Tankstelle pro Tag 20 Preisveränderungen gemeldet, in der Spitze seien es 50 gewesen, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Dadurch verlören Preisvergleichs-Apps an Bedeutung.

    Bringt die neue Regelung eine Preissenkung?

    Ob die neue Tankregel tatsächlich zu günstigeren Spritpreisen führen wird, sei offen, sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands. Die Erfahrung aus Österreich hätte gezeigt, dass die Preise kurz nach der Einführung der Regel vorübergehend gesunken seien, sich dann aber rasch wieder auf dem gewohnten Niveau eingependelt hätten.
    Der ADAC bewertet das Eingreifen der Bundesregierung grundsätzlich positiv - bezweifelt jedoch, dass das Gesetz tatsächlich zu niedrigeren Preisen führt. In Österreich liegt der günstigste Zeitpunkt zum Tanken laut dem Automobilclub nun häufig kurz vor Mittag, zu einem Zeitpunkt, an dem bisher nur wenige Menschen eine Tankstelle ansteuern.

    Mineralölkonzerne müssen Preiserhöhung begründen

    Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Scheer, hat darauf hingewiesen, dass die neuen Regeln über das reine Verbot der mehrfachen Preiserhöhung pro Tag hinausgehen. Scheer sagte im Deutschlandfunk, die Mineralölkonzerne könnten jetzt stärker vom Kartellamt kontrolliert werden.
    Zudem habe man eine Umkehrung der Beweislast eingeführt. Die Konzerne müssten jetzt nachweisen, dass Preiserhöhungen tatsächlich gerechtfertigt seien. Die jetzt in Kraft getretenen Maßnahmen könnten daher durchaus preissenkend wirken, sagte Scheer.

    Greenpeace sieht deutliche Übergewinne seit Kriegsbeginn

    Laut einer Untersuchung im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben die Mineralölkonzerne durch die Preissteigerungen seit Beginn des Iran-Kriegs besonders in reicheren europäischen Ländern deutliche Gewinnsteigerungen erzielt. In Europa seien die Margen bei Diesel deutlich gestiegen, am stärksten in den Niederlanden, gefolgt von Schweden, Dänemark, Österreich und Deutschland.
    In kleineren Ländern mit weniger Kaufkraft wie der Slowakei, Ungarn oder Irland seien die Margen seit Kriegsbeginn im gleichen Zeitraum hingegen deutlich geschrumpft. Der starke Anstieg der Spritpreise in Europa könne demnach nicht nur mit den höheren Rohölpreisen erklärt werden. Die Ölindustrie habe satte Übergewinne eingestrichen.
    Diese Nachricht wurde am 01.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.