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TenneT auf WerbetourObstbauern protestieren gegen geplantes Erdkabel SuedLink

2021 sollen die Bauarbeiten beginnen, um Windstrom vom Norden in den Süden zu transportieren. Viele Obstbauern im Alten Land befürchten, dass der unterirdisch verlaufende sogenannte SuedLink Einfluss auf den Boden und somit auf die Obsternte haben könnte. Die Betreiberfirma TenneT sieht das anders.

Von Ines Burckhardt | 11.11.2016

Gerade hat sich Ernst Eckhoff noch um seine Apfelbäume gekümmert, nun steht der Obstbauer in der Aula einer Schule in Stade.
"Die Stimmung, wenn man so mit den Betroffenen spricht, draußen auf dem Feld während der Apfelernte, dann ist die Stimmung also doch - die Leute sind genervt. Es geht so der Tenor: Wann kriegen wir endlich mal Ruhe? Erst die Autobahn, dann die Gasleitung, jetzt der SuedLink. Kriegen wir eigentlich auch irgendwann mal Ruhe?"
Für den Abend hat sich Ernst Eckhoff viel vorgenommen: Er will dem Netzbetreiber TenneT klar machen, dass ein Erdkabel durchs Alte Land für die Obstbauern eine "Horrorvorstellung” ist:
"Wir sind hier in einem Sondergebiet, Überschwemmungsgebiet der Elbe, der Marsch. Und wir haben eben ganz besondere Bodenverhältnisse.”
Diesen Boden, so fürchtet Ernst Eckhoff, würden die Bauarbeiten zerstören – schließlich müsste die Erde für die Kabelverlegung zwei Meter tief und etwa 40 Meter breit aufgegraben werden.
Sorge um Obsternte
Viele andere Landwirte aus dem Landkreis Stade teilen Eckhoffs Sorgen – auch sie sind deshalb in die Aula gekommen. Versorgt mit Häppchen und Cola gehen sie von einem Infotisch zum nächsten. An einem Stand erklären TenneT-Mitarbeiter in weißen Westen, welche drei Trassenverläufe zur Auswahl stehen. An einem anderen können sich Betroffene online an der Planung beteiligen.
Ernst Eckhoff will wissen, wie sich die Erderwärmung durch das Kabel auf die Ernte auswirken wird. TenneT-Mitarbeiter Tom Wagner versucht, zu beruhigen:
"Wir haben keine wissenschaftlichen Untersuchungen, wie der Obstbau auf diese Kabel reagiert. Wir haben aber viele Untersuchungen mit Mais und anderem Anbau. Da haben wir sehr gute Erfahrungen.
Sollte es bei Ihnen anders sein, dann wird das natürlich entschädigt." - "Sie verstehen mich falsch. Ich will ja keine Entschädigung, ich will vernünftig wirtschaften. Wir sollen damit leben und das geht so nicht. Die Probleme, die wir da haben, die sind wirklich gravierend."
Das machen er und seine Kollegen auch während der Diskussionsrunde im Plenum immer wieder klar:
"Die Obstbauern machen sich zurecht sorgen: Wie viele Bäume muss ich hergeben, wie viel bekomme ich dafür.”
"Wir haben hier verschiedenste Leitungen – Gasleitungen etc. Auf keiner der Leitungen ist Obstanbau erlaubt. Deshalb die ganz klare Frage in der Öffentlichkeit an die Vertreter der TenneT: Können Sie uns bestätigen, dass der Obstbau auf dieser Trasse auch zukünftig uneingeschränkt möglich sein wird?"
Weitere Gespräche in Planung
So ganz uneingeschränkt kann TenneT das nicht, nur "grundsätzlich", wie ein Mitarbeiter sagt. Er verspricht ein Treffen im Januar, nur zum Thema Obstanbau. Danach soll die endgültige Trasse bald festgelegt werden. Die Bauarbeiten beginnen, wenn alles nach Plan läuft, 2021.
Ernst Eckhoff ist am Ende zufrieden:
"Die erste Person, die hier war, die hat versucht, mir das alles schönzureden, dass ich das alles etwas übertrieben sehe. Dann haben sie aber festgestellt, dass dort andere Obstbauern kamen, die ihnen fast wörtlich genau dieselben Probleme geschildert haben.
Im Moment hab ich den Eindruck: Sie wissen, dass da wirklich Probleme sind und dass sie darauf eingehen müssen."
Und wenn nicht, so Eckhoff, wisse er jetzt wenigstens, wo er sich beschweren kann.