Tesla in Grünheide
Gewerkschaft IG Metall im Betriebsrat unerwünscht

Betriebliche Mitbestimmung ist ein Recht für Arbeitnehmer in Deutschland. Doch im Tesla-Werk Grünheide führte das zu einer Dauerfehde zwischen Unternehmensleitung und IG Metall. Bei den Betriebsratswahlen eskalierte nun der Streit.

Von Till Tognino |
    Arbeiter montieren in der Produktionshalle der Tesla-Gigafactory in Grünheide (Brandenburg) ein Elektrofahrzeug vom Typ Tesla Model Y.
    Bei Tesla in Grünheide ist der Ausbau des Werkes von der Wahl des Betriebsrats abhängig, so Elon Musk. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
    Deutschlandweit sind die Betriebsratswahlen 2026 gestartet. Auch in Grünheide waren knapp 11.000 Beschäftigte im Werk von Tesla zur Wahl aufgerufen. 
    Normalerweise ein gewöhnlicher Vorgang, wie er derzeit in vielen Betrieben stattfindet. Doch bei Tesla wurde er von dem seit längerem schwelenden Konflikt zwischen der Gewerkschaft IG Metall und dem Unternehmen überschattet. Tesla-Chef Elon Musk warnte indirekt davor, dass er die Fabrik nicht erweitern würde, falls externe Organisationen wie die IG-Metall die Betriebsratswahlen gewinnen.  

    Inhalt

    Tesla-Geschäftsführung gegen IG Metall 

    Im Zusammenhang mit der Betriebsratswahl hatten sich Unternehmensführung und IG Metall gegenseitig unfaires Handeln vorgeworfen. „Dass die IG Metall mit allen Mitteln versuchen wird, den Wahlkampf zu beeinflussen, war uns klar. Doch in den letzten Wochen wurden meiner Meinung nach von der IG Metall die Grenzen eines fairen Wahlkampfes deutlich überschritten”, erklärte Tesla-Werkleiter André Thierig nach Beginn der Betriebsratswahl in einer Stellungnahme, ohne konkret zu werden.
    Jan Otto, Bezirksleiter der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen, warf wiederum dem Tesla-Management versuchte Beeinflussung der Betriebsratswahl vor: "Dafür nutzte es alle Mittel und alle Kanäle von Betriebsversammlungen, Einzelgesprächen ‌mit Vorgesetzten bis hin zum Werksradio auf den Toiletten."
    Gegipfelt habe es in der Drohung der Geschäftsführung und von Tesla-Chef Elon Musk, bei einem Wahlsieg der IG Metall die Investitionen einzustellen. "Nie zuvor habe ich als Gewerkschafter ein Management erlebt, das mit all seiner Macht derart eine Betriebsratswahl zu beeinflussen ‌drohte."
    IG-Metall-Chefin Christiane Benner sprach von einem "harten und von Arbeitgeberseite schmutzig geführten Wahlkampf".
    "Die Widerstände, Anfeindungen und impliziten Drohungen der Arbeitgeberseite, die diesen Wahlkampf geprägt haben, müssen uns allen eine Warnung sein, wie sehr Gewerkschaftsarbeit unter Druck gesetzt wird", so Brenner weiter.

    IG Metall erringt keine Mehrheit bei Tesla

    Die IG Metall hatte im Wahlkampf betont, dass es ihr um bessere Arbeitsbedingungen in der Gigafactory und um einen Betriebsrat gehe, der die Interessen der Beschäftigten am wirkungsvollsten vertrete. Ihr Ziel, die Mehrheit im Tesla-Betriebsrat zu erringen, verfehlte die Gewerkschaft jedoch.
    Die IG Metall schnitt sogar schlechter ab als bei der vorherigen Abstimmung 2024. ⁠Damals stellte die Gewerkschaft noch die ‌größte Gruppe, die Mehrheit der Stimmen ging jedoch an gewerkschaftsfreie Kandidaten. Jetzt kommt die IG Metall auf 13 der 37 Mitglieder im ​Betriebsrat.
    Nach dem vorläufigen Wahlergebnis seien 24 von 37 möglichen Sitzen an nicht gewerkschaftlich organisierte Listen gefallen, teilte eine Tesla-Sprecherin mit. Die Liste "Giga United", die von der aktuellen Betriebsratsvorsitzenden Michaela Schmitz angeführt wird, habe die mit Abstand meisten Stimmen erhalten.

    Tesla und IG-Metall: ein langanhaltender Konflikt 

    Bereits vor der vorherigen Betriebsratswahl 2024 kam es zu Problemen zwischen Tesla und IG-Metall. Dieser Konflikt musste vor Gericht geklärt werden. Auch bei der Wahl 2026 gab es neben öffentlichen Anschuldigungen eine gerichtliche Auseinandersetzung.
    Tesla hatte einem Gewerkschafter vorgeworfen, eine Betriebsratssitzung heimlich gefilmt zu haben. Die IG Metall wies das zurück. Beide Seiten einigten sich vor dem Arbeitsgericht im Streit um Äußerungen auf einen Vergleich. 
    Seit Jahren fordert die IG-Metall von Tesla einen Tarifvertrag. Werkleiter Thierig lehnte dies bislang stets ab. Unter anderem befürchtet er eine mögliche Arbeitszeitverkürzung durch einen Tarifvertrag. Außerdem habe Tesla bereits die Gehälter angehoben, so Thierig.
    Von seinem Chef Elon Musk ist bekannt, dass er kein Fan von Gewerkschaften ist. Und das schon, als er die US-Demokraten unterstützte und nicht erst, seit er Millionen Dollar an Donald Trump und die Republikaner spendete.  

    Betriebsrat als ungewöhnliche Machtstruktur bei Tesla 

    „Grundsätzlich haben wir natürlich eine Besonderheit in Deutschland, dass die Betriebsräte ihre Mitspracherechte auf Basis einer gesetzlichen Grundlage ausüben“, betont Oliver Stettes vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). 
    Durch das Betriebsverfassungsgesetz haben Betriebsräte ein Recht auf Beteiligung und können Entscheidungen blockieren. Das führe laut Stettes auch immer wieder zu Unverständnis bei US-Investoren, denn entsprechende Arbeitnehmerrechte existieren in den USA nicht. Dementsprechend gibt es in den Teslawerken in den USA auch keine mit Betriebsräten vergleichbare Mitbestimmungsgremien.

    Betriebsratswahlen als gelebte Demokratie  

    Nicht nur bei Tesla wird der Betriebsrat gewählt, sondern bis Ende Mai können Millionen Beschäftigte in Zehntausenden Firmen in Deutschland Betriebsräte neu wählen. Damit Betriebsräte gewählt werden können, müssen mindestens fünf Beschäftigte in einer Firma arbeiten. 
    Allerdings gibt es laut dem IW nur in sieben Prozent der Unternehmen Betriebsräte. Vor allem in kleineren Betrieben bleiben die Belegschaften meist ohne Vertretung.  
    Gewerkschafter betonen die Bedeutung der demokratischen Mitwirkung in Betrieben. So sagt Yasmin Fahimi, die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds: „Betriebsratswahlen sind das Fundament gelebter Demokratie im Betrieb.“ 
    Das Institut zur Zukunft der Arbeit hat in einer Studie herausgefunden, dass Beschäftigte in Firmen mit Betriebsrat häufiger Interesse an Politik haben. Das könne das demokratische System durch positive Ausstrahlungseffekte stärken.
    Außerdem seien die Beschäftigten in Betrieben mit Betriebsräten im Schnitt zufriedener mit der Demokratie in Deutschland als diejenigen ohne Interessenvertretung.