Sonntag, 13.06.2021
 
Seit 03:05 Uhr Heimwerk
StartseiteAus Religion und GesellschaftBuddha stützt den König09.06.2021

ThailandBuddha stützt den König

Neun Zehntel der Thailänder bekennen sich zum Buddhismus, einem Glauben, der in Thailand die Autorität des Königs und seine Herrschaft legitimiert. Gegen Rama X., der in Deutschland ein Luxusleben führt, gibt es massive Proteste. Doch politische, religiöse und militärische Eliten halten zusammen.

Von Margarete Blümel

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Porträt des Thäiländischen Königs Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun oder Rama X. (imago/BE&W)
Portrait von König Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarangkun oder Rama X. (imago/BE&W)
Mehr zum Thema

Literatur made in Thailand Mönche, Militär und Monarchie

Denkfabrik Dekolonisierung Buddhas weiter Weg nach Westen

Geben und Nehmen in den Religionen: Buddhismus Reich ist, wer teilen kann

Wenn um 8 und um 18.00 Uhr die Nationalhymne aus den Lautsprechern erschallt, nehmen die Fahrgäste in Bangkoks Skytrains den Blick vom Handy und halten ihre Finger still. In den Parks bleiben die Jogger wie angewurzelt stehen. Die Straßenhändler erheben sich von ihren Plastikstühlen, während die Passanten innehalten, eine aufrechte Haltung annehmen und mit undurchdringlicher Miene dem Text lauschen, der ihre Unabhängigkeit im von Nation, Religion und König geprägten Thailand preist.

"Wie kommt es, dass die Monarchie und der König einen so wichtigen Faktor darstellen?", fragt Rüdiger Korff, Professor für Südostasienstudien an der Universität Passau. "Wir haben in Thailand ein Brainwashing, wo immer wieder was wiederholt wird, diese Staatsideologie und danach ist der König immer der Beste, der Retter des Landes und so weiter und ohne ihn bricht alles auseinander. Das wird wiederholt und die ganzen Leute lieben den König. Das beginnt im Kindergarten, das setzt sich in der Schule fort, das wird in der Universität weitergemacht. Das heißt also, das wird zu einem Fakt."

Riskanter Widerspruch 

Genau das wollen viele Mitglieder der thailändischen Protestbewegung nicht mehr so stehen lassen. Ihr Einstieg in die thailändische Nationalhymne folgt zwar derselben Melodie, weicht aber im Auftritt deutlich von der staatstreuen Version ab.

Auf einer provisorischen Bühne im Zentrum Bangkoks stehen zehn Aktivisten und Aktivistinnen, vor sich an die 800 Protestierende. Viele von ihnen sind vermummt, einige tragen Sonnenbrillen, was auf den ersten Blick nicht recht zu ihren Regenponchos passen will, aber Sinn macht: Die Demonstranten sind von mehreren Dutzend Polizisten eingekesselt, die sie immer wieder mit Wassersalven eindecken.

Proteste gegen Thailands König Maha Vajiralongkorn (Rama X) und die Königin im März 2021. (imago/xPeeraponxBoonyakiatx)Proteste gegen Thailands König Maha Vajiralongkorn (Rama X) und die Königin im März 2021. (imago/xPeeraponxBoonyakiatx)

Viele der in der Mehrzahl jungen Frauen und Männer recken eine Hand in die Luft - mit gestrecktem Ring-, Zeige- und Mittelfinger, einer Geste, die in Thailand verboten ist. Denn das "Drei-Finger-Handzeichen" gilt als Symbol des Protests gegen das Militärregime und den amtierenden König. Wer in Thailand öffentlich Kritik am Militär oder an der Monarchie übt, riskiert einen Aufenthalt im Gefängnis – oder sein Leben.

"König Vajiralongkorn Rama X. hat in mancherlei Hinsicht ein ziemlich schlechtes Benehmen an den Tag gelegt. Zum Beispiel soll er angeblich eine große Summe Steuergeld für sich abgezweigt – das kann er natürlich gut gebrauchen, um sein Luxusleben im Ausland zu finanzieren. Während seiner Abwesenheit lässt er eine Militär-Crew das Land regieren, ohne dem Wohlergehen der Bevölkerung auch nur einen Gedanken zu schenken." 

"Mein Vater musste vor aller Augen weinen"

Aum Nebko ist, zwei Jahre vor dem Tod des alten Herrschers König Bhumibol, gerade noch rechtzeitig nach Frankreich geflohen. Zu oft hatte man versucht, die Nachbarn gegen ihre Familie aufzuwiegeln. Zu häufig bekamen ihre Eltern Besuch von Beamten, die wissen wollten, warum sie die älteste Tochter nicht davon abhielten, den König zu diffamieren.

Sie erzählt: "Polizeibeamte und Angehörige des Militärs haben meinen Vater und meine Mutter wiederholt bedroht. Schließlich zwang man sie dazu, mir zusammen mit den Beamten einen Besuch abzustatten. In dem Wohnheim, das zu meinem damaligen Arbeitsplatz gehörte, musste mein Vater vor aller Augen weinen und mich anflehen, unseren alten König, Rama IX., nicht mehr zu kritisieren. Selbst nachdem er verstorben und ich bereits im Ausland war, statteten die Beamten meinen Eltern immer noch Besuche ab. Ich müsse endlich von meiner Kritik ablassen, sonst könne man nicht für die Sicherheit unserer Familie bürgen, sagten sie. Sie hatten mich zur Zielscheibe der ,königlichen Unterdrückung' erklärt." 

Schon als Aum Nebko vor sieben Jahren außer Landes floh war längst klar, dass die konservative und royalistische Elite aus Mitgliedern des Adels, Führern von Unternehmergruppen, Generälen und Technokraten auf nichts zu verzichten bereit ist. Und dass es gilt, die altbewährte Trias "Nation, Religion und König" aufrechtzuerhalten. Ob mithilfe des 2016 verstorbenen Monarchen Bhumibol - oder mit seinem Sohn und Nachfolger, König Vajiralongkorn, Rama X.

Der König verkörpert den Volkswillen

Das System, das vor allem jüngere Thailänder inzwischen als Anachronismus bezeichnen, begünstigt vor allem die kleine, privilegierte Elite der Reichen und Mächtigen. Die Militärführer als "Wächter der Monarchie" können zum Beispiel einen Putsch nach dem anderen ausführen, indem sie vorgeben, das Königshaus schützen zu müssen. Während der König, sagt der Südostasienwissenschaftler Rüdiger Korff, sich 2017 in der Verfassung als oberster Vertreter des Volkes und der Macht verewigt hat: 

"Wenn der König sagt, ein Putsch hat stattgefunden und das ist ok so, dann war dieser Putsch Ausdruck des Willens des Volkes. Weil der König ja die Macht die Volkes ausübt. Das gibt dem König eine Machtposition, die über die normale Konstitution weit hinausgeht." 

Thailands König Maha Vajiralongkorn (Rama X) bei einer Zeremonie im Dezember 2020 zur Erinnerung an seinen Vater, der verstorbene Bhumibol Adulyadej (Rama 9).  (dpa / ZUMA Wire / Guillaume Payen)Die offizielle Seite von Thailands König Rama X. - in Thailand schämen sich viele für seine Affären und Eskapaden. (dpa / ZUMA Wire / Guillaume Payen)

Wenn dieser König mehrere Geliebte hat, seinen Hund zum Luftwaffengeneral erklärt, wenn er in voller Tätowierung, Jeans und bauchfrei an seinen livrierten Bediensteten vorbeieilt und die Treppe zum Privatjet nimmt - dann rauscht das durch den internationalen Blätterwald, während es in Thailand allenfalls für Stirnrunzeln, Fremdschämen und Tuscheln hinter vorgehaltener Hand sorgt. Denn trotz der in der Verfassung verankerten Machtfülle und der Weisung ans Militär, ihn während seiner Auslandsaufenthalte zu vertreten, hat der Regent am Status Quo nichts verändert.

So soll es bleiben – auch wenn immer wieder Menschen auf die Straßen gehen, um eine Demokratisierung zu fordern und der Monarchie die Flügel zu stutzen.

Rüdiger Korff erklärt: "Wir dürfen nicht vergessen – das Regime von Prayut ist extrem autoritär. Das ist ein Angst-Regime. Und dass sich da gerade junge Leute weigern und dagegen vorgehen, ist nachvollziehbar. Wo dann natürlich der Punkt reinkommt: Wir werden hier dauernd frustriert. Wir sehen hier keine Chance. Das ist einfach nur eine Konservierung des Systems und gegenwärtig jetzt mit Corona setzen natürlich auch wirtschaftliche Probleme ein. Dadurch wird auch die Bewegung größer und diese Legitimation über den König funktioniert nicht mehr." 

Die Angehörigen der Elite jedoch ficht das nicht an. Sie haben kein Interesse daran, dass sich am Stand der Dinge Grundlegendes ändert.

Menschen protestieren gegen den Militärputsch in Mandalay im April 2021. (IMAGO / Penta Press) (IMAGO / Penta Press)Südostasien: Der Hunger nach Demokratie
Drei ausgestreckte Finger und Tee mit Milch – in Thailand, Myanmar, Hongkong und Taiwan demonstrieren junge Leute auf der Straße und im Netz und nutzen ähnliche Symbole. Thailand-Korrespondent Saksith Saiyasombut über "ein neues politisches Bewusstsein, bei gleicher Alltagskultur".

Reichtum, Rangdenken, Machtstreben

Rüdiger Korff fährt fort: "Die Top-Elite besteht aus Big Business mit Banken und so weiter. Besteht aber gleichzeitig auch aus Teilen des Militärs, Top-Bereichen der Verwaltung und ich brauche natürlich auch einige Ideologen, Intellektuelle, Professionals, die die entsprechende Ideologie produzieren. Jetzt haben diese drei durchaus unterschiedlichen Interessen und wenn ich einen Zusammenhalt der Elite herstellen muss, dann brauche ich ein Zentrum. Dieses Zentrum schafft den Zusammenhalt. Wer ist höher, niedriger, wer gehört nicht dazu? Und das ist genau der König beziehungsweise die königliche Familie."

In diesem Konglomerat von Reichtum, Rangdenken und Machtstreben sind Aufrufe zur Demokratisierung verpönt. Jedweder Vorstoß in diese Richtung wird bereits im Keim erstickt.

Korff: "Nehmen wir mal an, der Premierminister möchte irgendein Gesetz machen oder eine Reform oder so was, die durchaus vernünftig wäre. Dann kommt der Punkt auf, ja, aber das ist gegen unsere Kultur, von einigen Intellektuellen. Das ist nicht im Einklang mit der Verfassung, von einigen hohen Bürokraten. Wie sollen wir denn das bezahlen? Und das lässt sich gar nicht implementieren! Und die Militärs sagen: Ich glaube, wir machen 'nen Putsch. Damit kann man sagen: Das stornieren wir mal."

Das königliche Charisma beruht auf der Einhaltung der Tugenden

Neun Zehntel der Thailänder bekennen sich zum Buddhismus, einem Glauben, der in Thailand die Autorität des Königs und seine Herrschaft legitimiert. Seit dem 13. Jahrhundert besteht die Vorstellung, dass der Monarch in früheren Existenzen große spirituelle Verdienste erworben hat und damit zum Schützer des Buddhismus wird, betont der Volker Grabowsky, Thaiist und Lehrstuhlinhalber an der Universität Hamburg.

Er sagt: "In allen buddhistischen Reichen auf thailändischem Boden bestand eine enge Verflechtung, ja geradezu symbiotische Beziehung, zwischen Religion und Politik. Der Mönchsorden, Sangha, profitierte vom königlichen Patronat auf vielfältige Weise. Landschenkungen des Königs und seiner engsten Familienmitglieder an Klöster, die in zahlreichen Steininschriften dokumentiert sind, gaben dem Sangha eine solide wirtschaftliche Grundlage. Durch sie erhöhte der Monarch sein religiöses Prestige und konnte sich als Schützer des Buddhismus, als Dhammaraja – das heißt als "gerechter König"– profilieren.

In seiner gegenwärtigen Existenz beruht das königliche Charisma (Thai: barami ) auf der strikten Einhaltung der buddhistischen Tugenden, genauer gesagt den "zehn buddhistischen Vollkommenheiten" - nämlich Freigiebigkeit, Sittlichkeit, Entsagung, Weisheit, Willenskraft, Geduld, Wahrhaftigkeit, Entschlussfreude, Güte und Gleichmut. Dies ist allerdings ein hehres Ideal, das in der Vergangenheit keinesfalls alle Monarchen sämtlich zu erfüllen vermochten."

Begräbniszermonie für Thailands König Bhumipol im Oktober 2017. (IMAGO / Xinhua)Begräbniszermonie für Thailands König Bhumipol im Oktober 2017. (IMAGO / Xinhua)

Anders als einige der Protestierenden, die die Monarchie entweder abschaffen oder die köngliche Macht beschneiden wollen, zählt Grabowsky den von 1950 bis 2016 amtierenden König Bhumibol nicht zu dieser Kategorie.

Volker Grabowsky: "Viele der jungen thailändischen Aktivistinnen und Aktivisten können sich kaum noch an die Zeit erinnern, als König Bhumibol noch im vollen Besitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte war, also an die Zeit vor ca. 2000. Seine zahlreichen Fahrten durchs Land, seine Förderung vor allem ländlicher Entwicklungsprogramme, gerade auch unter nationalen Minderheiten, seine Interventionen in Krisensituationen ohne Einmischung in die Tagespolitik, seine persönliche Präsenz bei akademischen Zeugnisübergaben und vieles andere mehr. Ich wage auch die Aussage, dass König Bhumibol bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie vor Ort die Führung übernommen und damit sein Barami gesteigert hätte." 

Echte Liebe, inszenierte Liebe

Allerdings habe der Vater und Vorgänger des derzeitigen Königs im Laufe seiner Amtszeit auch mehrere Staatsstreiche durchgewunken, wird die Aktivistin Aum Nebko nicht müde zu betonen.

Sie ist überzeugt: "Er hat jeden Putsch, der ihm gelegen kam, abgenickt. Und wer darunter leiden musste, war das Volk. Die Bevölkerung, die er glauben machte, er sei der große Gott, der vom Himmel hinabgestiegen war, um uns zur Seite zu stehen. Im Westen kursierte immer diese Wahrnehmung, dass alle Menschen ihn sehr geliebt haben. Und wie zum Beweis dafür sah man eine Totenzeremonie, auf der die Royalisten weinten, als sei ihr eigener Vater verstorben. Die Regierung schickte dieses Video als einzige autorisierte Fassung um die Welt, damit jeder sehen konnte, dass wir alle diesen König liebten."

Es muss aber nicht unbedingt Liebe sein, wenn einige Thailänder zu ihrem König halten oder gar für ihn demonstrieren.

Volker Grabowsky erläutert: "Die thailändische Monarchie wird gerade von ethnischen und religiösen Minderheiten unterstützt. Thailand ist zwar ein zu neun Zehnteln buddhistisches Land. Aber zwischen 5 und 10 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Nicht nur im äußersten Süden des Landes, selbst in Bangkok dürfte der muslimische Bevölkerungsanteil knapp 10 Prozent betragen. Der Dreiklang Nation-Religion-Monarchie beschränkt sich keinesfalls auf den Buddhismus, der in Thailand nicht Staatsreligion ist. Der König gilt als Garant aller Religionen, nicht nur des Buddhismus."

Im vergangenen November erst brachte ein islamischer Würdenträger, der als direkter Ansprechpartner König Ramas des X. gilt, 6000 Muslime zu Ehren des Königs und zur Unterstützung der Monarchie auf Bangkoks Straßen. Grabowsky sagt: "Auch die katholische Minderheit, vor allem urbane Sino-Thais, stehen voll hinter der Monarchie. Der Hintergrund ist folgender: Angst vor der Tyrannei der Mehrheit."

Demokratielektion vor der Villa in Tutzing

Die meisten der Demonstranten und Demonstrantinnen jedoch sind von anderen Motiven beseelt. Sie protestieren gegen die Militärregierung und auch die Rufe danach, die Macht des Königs einzugrenzen, werden seit einem Jahr immer lauter. So wird gefordert, es müsse möglich werden, das Fehlverhalten des Monarchen zu untersuchen und zu unterbinden.

Außerdem dürfe der königliche Regent keinen Militärputsch mehr gutheißen. Der König habe über der Politik zu stehen und dürfe sich nicht zum willfährigen Werkzeug des Regimes machen lassen.

Buddhistische Mönche bei einer Demonstration im November 2020. Das "Drei-Finger-Handzeichen" gilt als Symbol des Protests gegen das Militärregime und den amtierenden König. (dpa / ZUMA Wire / Geem Drake)Buddhistische Mönche bei einer Demonstration im November 2020. Das "Drei-Finger-Handzeichen" gilt als Symbol des Protests gegen das Militärregime und den amtierenden König. (dpa / ZUMA Wire / Geem Drake)

So denkt auch die Soziologin und Aktivistin Yunya Jimprasert. Sie musste 2010 aus Thailand fliehen, weil sie sich öffentlich gegen die Gemengelage von Militär und Monarchie ausgesprochen hatte und ihres Lebens nicht mehr sicher sein konnte.

"Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, um zu beschreiben, was unser König alles durchgesetzt und eingefädelt hat. Er soll auch dahinter stecken, dass im Ausland lebende Dissidenten brutal aus dem Weg geräumt werden. Manche seiner Kritiker werden sogar entführt und getötet", sagt Yunya Jimprasert.

Sie reist regelmäßig nach Deutschland, wenn sie weiß, dass König Vajiralongkorn X. mit seinem Hofstaat wieder in Bayern eingetroffen ist. Sie erzählt: "Seit 2017 kritisiere ich den König öffentlich. Ein paar Mitstreiter und ich postieren uns zum Beispiel vor seiner Villa in Tutzing, wo ich Texte zur Demokratie vorlese oder Briefe, die seine Versäumnisse auflisten. Auch in München haben wir schon Briefe an den König vorgetragen und ihm ein auf Deutsch verfasstes Schreiben zustellen lassen." 

Dass die Generäle in Myanmar sich einiges von Thailand abgeschaut haben und regen Kontakt zu ihren dort herrschenden Pendants pflegen, sei hinlänglich bekannt, ergänzt Yunya Jimprasert. Dass der König kein Wort zu alldem sage sei zwar nicht verwunderlich, könne aber nicht weiter hingenommen werden. Deshalb müsse im ersten Schritt die Immunität des Königs aufgehoben werden, um den Monarchen endlich für sein Tun und Treiben zur Rechenschaft ziehen zu können.

"Wir wollen Gerechtigkeit" 

Yunya Jimprasert: "Wir wollen Gerechtigkeit. Der König kann in Thailand machen, was er will. Er ist ein Diktator, der seinen Schutzschirm über der Militärregierung aufgespannt hält. Und schauen Sie sich Myanmar an, wo die Diktatoren jede Bewegung des thailändischen Regimes verfolgen und sie kopieren. Dafür ist der König mitverantwortlich. Und: Er schadet der Demokratiebewegung in ganz Asien."

Volker Grabowsky sagt: "Der Unmut der thailändischen Jugend über den politischen Stillstand und vor allem die gegenwärtige politische Führung, die von ehemaligen Miltärs dominiert wird, ist verständich. Doch die Attacken gegen die Monarchie werden von weiten Teilen der Bevölkerung nicht geteilt, da viele Thais sehr wohl zwischen der Monarchie als Institution und dem amtierenden Monarchen zu unterscheiden wissen." 

Rüder Korff sagt: "Es gibt im Grunde genommen drei mögliche Szenarien. Das erste ist: Die bestehende Elite versucht ihre Position zu halten und damit wird das Unterdrückungssystem immer stärker werden. Das zweite ist, dass das Ganze sich ausweitet zu einer richtigen Revolte und die Elite durch ne neue, sekundäre Elite ersetzt wird. Was ich hoffe, ist, dass es - drittens - zu einer Reform kommt, wodurch auch das politische System dann demokratisierter wird, nicht demokratisch, sondern demokratisierter wird. Wo einfach auch ne größere Diversität geschaffen wird. Wo dann ne differenziertere Gesellschaft sich ergibt." 

Junya Jimprasert: "Meinetwegen kann die Welt sich gern weiter über einen polygamen Thai-König lustig machen, der mit bauchfreiem Shirt herumläuft. Viel wichtiger wäre es aber, den jungen Leuten, die in Thailand demonstrieren, Aufmerksamkeit zu schenken. Sie brauchen Hilfe, damit ihr Kampf für demokratische Veränderungen einen Sinn hat. Die Welt muss darüber nachdenken, wie die Demonstranten unterstützt werden können. Und das gilt nicht allein für die Protestbewegungen in Thailand, sondern auch für die in Myanmar." 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk