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StartseiteCorsoManager und unerbittlicher Antreiber 30.06.2018

Tod von Joe JacksonManager und unerbittlicher Antreiber

Er hat Musikgeschichte geschrieben, indem er seine Kinder zum Erfolg prügelte: Der gelernte Kranführer Joe Jackson realisierte unbarmherzig seinen eigenen Lebenstraum von einer großen Musikkarriere. Dank seiner talentierten Töchter und Söhne profitierte er von ihrem Ruhm bis zu seinem Tod.

Von Sabine Müller

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Der Musikmanager Joe Jackson im März 2018 (imago stock&people)
Der Musikmanager Joe Jackson im März 2018 (imago stock&people)
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Ohne den Ehrgeiz und die harte Hand von Joe Jackson hätte die Pop-Geschichte vielleicht anders ausgesehen. Vielleicht hätte es ein paar ganz Große so nie gegeben: Nicht die Jackson Five, nicht Janet Jackson, nicht den "King of Pop"!

Joseph Walter Jackson träumt als junger Mann selbst von einer Musikkarriere, aber er ist nicht gut genug, schuftet stattdessen als Kranführer in einem Stahlwerk im trostlosen Gary, Indiana, bringt die Familie gerade so über die Runden. Die Gitarre aus seiner erfolglosen Zeit in einer Rhythm & Blues-Band hat er weggeschlossen, aber die Söhne finden sie, spielen heimlich und singen dazu. Als Vater Joe das schließlich mitbekommt, erkennt das Talent seiner Kinder sofort und fördert sie. Oder besser gesagt: Er trimmt sie gnadenlos auf Erfolg. Die Söhne leiden jahrelang unter körperlichen und emotionalen Misshandlungen ihres Vaters und Managers – jeder kleine Fehler den Proben wird bestraft:

The Jackson Five (imago stock&people)The Jackson Five Sänger Michael Jackson Mitte mit seinen Brüdern Jackie Tito Jermaine und Marl (imago stock&people)

"Er war ein schrecklicher Mensch – und ein fantastischer Manager", sagt Michael einmal über seinen Vater. Wahrlich, Geschäftssinn kann Joe Jackson niemand absprechen, er macht seine Kinder - und sich selbst - reich. Beim Motown-Label werden die "Jackson Five" groß, aber Mitte der Siebziger fädelt Joe einen spektakulären Deal mit CBS ein, wo es zehn Mal so viel Geld zu verdienen gibt. Joe schiebt Michaels Solokarriere noch mit an, aber dann trennt sich der "King of Pop" von seinem Vater als Manager, ein paar Jahre später auch die anderen Brüder.

Trennung ohne endgültigen Bruch

Michael bricht die Beziehungen allerdings nie ganz ab – bis zu seinem Tod 2009 hört man von ihm sowohl Kritik an seinem Vater als auch Liebesbekundungen für ihn. Joe ist an Michaels Seite, als seinem Sohn wegen angeblichen sexuellen Kindesmissbrauchs der Prozess gemacht wird, feiert mit ihm zusammen den Freispruch. 

"Mein Vater meint es gut, er will nur das Beste für seine Kinder", sagte Janet Jackson 2011 in einem CNN-Interview. Und dann fügt sie hinzu: "Aber wie er manches gemacht hat, war nicht gut."

Erst nach Michael Jacksons Tod gesteht Joe in einem Interview mit Starmoderatorin Oprah Winfrey, seine Kinder gezüchtigt zu haben. Seine Frau Kathleen drängt ihn zur Wahrheit: "Gib es doch einfach zu, so erziehen Schwarze halt ihre Kinder".

Michael nie geschlagen - nur gepeitscht

Joe ist eins wichtig: Geschlagen habe er Michael nie, sagt er, schlagen tue man doch mit einem Stock: "Ich habe ihn mit einem Riemen gepeitscht, damit er keinen Ärger macht. Und er fügt stolz hinzu: Keins meiner Kinder ist im je Gefängnis gelandet." Und das kann wahrlich nicht jeder Stahlarbeiter aus Gary, Indiana über seine Familie sagen.

Immer schick gemacht - Fedora-Hüte, glänzende Anzüge, dicke Goldkette – so kannte man Joe Jackson bis zum Schluss. Seine Tochter Latoya twitterte nach seinem Tod: Ich werde Dich immer lieben. Du hast uns zu einer der berühmtesten Familien der Welt gemacht. Rest in Peace. Und der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton schrieb: Joe Jackson hat nie die Anerkennung bekommen, die ihm zustand. Möge die Geschichte sein Erbe korrigieren. 

Mitglieder der Jackson-Familie (v.l.): Katherine Jackson, LaToya Jackson, Tito Jackson, Jackie Jackson and Marlon Jackson (picture alliance / dpa / Mike Nelson)Mitglieder der Jackson-Familie (v.l.): Katherine Jackson, LaToya Jackson, Tito Jackson, Jackie Jackson and Marlon Jackson (picture alliance / dpa / Mike Nelson)

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