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StartseiteForschung aktuellTödliche Gefahr durch Fledermäuse22.08.2007

Tödliche Gefahr durch Fledermäuse

Mediziner erforschen Verbreitung des Marburg-Virus

Medizin. - 40 Jahre nach dem ersten Ausbruch des tödlichen Marburg-Virus hat ein internationales Forscherteam aus Frankreich, Gabun und den Vereinigten Staaten den Wirtsträger entdeckt: Die Fledermausart des Ägyptischen Höhlenflughundes ist im gesamten südlichen Afrika verbreitet.

Von Suzanne Krause

Der Ort der Erstinfektion gab 1967 dem Marburg-Virus seinen Namen. (CDC)
Der Ort der Erstinfektion gab 1967 dem Marburg-Virus seinen Namen. (CDC)
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"Outbreak" in Angola

Eigentlich suchte das internationale Forscherteam in Gabun nach Details bei der Übertragung des Ebola-Virus. Denn die Wissenschaftler hatten nach mehreren Epidemien im ostafrikanischen Staat dessen Wirtsträger ausfindig gemacht: eine Fledermaus-Spezies. Dann bricht 2005 die Marburg-Virus-Seuche in Angola aus. Eric Leroy, der für das französische Forschungsinstitut für Entwicklung (IRD) in Gabun tätig ist, erinnert sich:

"Das von der Seuche betroffene Gebiet in Angola befindet sich nicht allzu weit weg von unserm Stützpunkt in Gabun. So kamen wir auf die Idee, die Tiere, die wir im Rahmen unserer Ebola-Studie einfingen, auch auf das Marburg-Virus hin zu untersuchen. Wir sammelten über tausend Fledermäuse von zehn unterschiedlichen Sorten ein. Sehr schnell hatten wir das Ergebnis: Marker für eine Infektion mit dem Marburg-Virus konnten wir bei einer Fledermaus-Art aus Ägypten nachweisen, Tiere, die sich von Früchten ernähren."

Bei Roussettus aegyptiacus handelt es sich um den Ägyptischen Höhlenflughund mit großem Wandertrieb. Diese Fledermausart ist im gesamten südlichen Afrika verbreitet.

"Direkt nach dem Fang haben wir den Tieren verschiedene Proben zur Analyse entnommen. Und bei der Autopsie haben wir dann Leber und Milz untersucht. Das sind anscheinend die Zielorgane für das Virus. Dabei haben wir auch Fragmente von insgesamt drei Virus-Genen entdeckten. Im Blut derselben Tiere fanden wir Antikörper, die auf eine Infektion mit dem Virus schließen lassen."

Die Forscher vermuten, dass sie das Glück hatten, am richtigen Ort zu sein, zum richtigen Moment, beim Ausbruch der Seuche in Angola zu einer Zeit, als das Virus auch im natürlichen Wirt problemlos nachweisbar war. Die Gefährlichkeit hat das Marburg-Virus mit seinem Verwandten, dem Ebola-Erreger, gemein. Unterschiede scheinen jedoch bei der Übertragung auf den Menschen vorzuliegen. Von Ebola weiß man heute, dass die menschliche Infektion wohl nur über den Kontakt mit erkrankten großen Affen erfolgt.

"Bislang haben wir noch keine unwiderlegbaren Beweise, aber es scheint, dass das Marburg-Virus direkt von der Fledermaus auf den Menschen überspringt. Für diese Hypothese gibt es auch konkrete Fallbeispiele. Wie beim jüngsten Fall vor wenigen Wochen: den beiden Todesopfern aus Uganda. Es handelt sich um Minenarbeiter, die in einem Bergwerk arbeiten wollten, das seit 20, 30 Jahren geschlossen war. Nach ihrem Tod nahmen internationale Teams Ermittlungen auf und fanden in dieser Bergwerksmine eine unglaublich große Fledermaus-Kolonie: Tausende, wenn nicht Millionen von Tieren. Das legt eine direkte Ansteckung der beiden Opfer mit dem Marburg-Virus nahe."

Vor zwei Jahren wurde erstmals ein Impfstoff gegen das Marburg- und auch das Ebola-Virus erfolgreich an Makaken-Labor-Affen getestet. Weitere Forschungen ergaben, dass das Mittel wohl auch nach einer Infektion noch wirksam ist. Doch Tests an Menschen sind noch nicht erfolgt.

"Dass wir den Wirt des Marburg-Virus entdeckt haben, bietet unmittelbar keine neuen Perspektiven für den Kampf gegen die hochinfektiöse Seuche. Aber nun kann man über Strategien nachdenken, Menschen vor einer Ansteckung zu bewahren und zwar mittels Sensibilisierungskampagnen für die Bevölkerung. Sie soll einen großen Bogen machen um Orte, an denen viele Fledermäuse leben."

Immerhin lässt sich nun eine Karte der potenziellen Gefahrenstellen anlegen. Sicher ist: Gefährdet ist die Bevölkerung überall dort in Afrika, wo der so genannte Ägyptische Höhlenflughund vorkommt, und nicht nur in Gegenden, in denen das Marburg-Virus schon ausbrach.

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