Montag, 20.08.2018
 
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StartseiteSport am Wochenende"Sport beruht auf Storytelling"12.08.2018

Transfers im Profifußball"Sport beruht auf Storytelling"

Mit Rekordtransfers zeige die Premier League regelmäßig, dass im Profifußball mittlerweile die Regeln der Unterhaltungsindustrie gelten: "Hier werden Geschichtsstränge gewebt, die später in der Saison zur vollen Blüte kommen", sagte Tim Breitbarth, Experte für Sportmanagement, im Dlf.

Tim Breitbarth im Gespräch mit Jonas Reese

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Großer Vertrauensvorschuss: Der FC Chealsea zahlte Athletic Bilbao 80 Millionen Euro Ablösesumme für den 23-jährigen Torhüter Kepa Arrizabalaga. (imago sportfotodienst)
Großer Vertrauensvorschuss: Der FC Chealsea zahlte Athletic Bilbao 80 Millionen Euro Ablösesumme für den 23-jährigen Torhüter Kepa Arrizabalaga. (imago sportfotodienst)
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80 Millionen Euro für einen Torhüter: Für diese Rekordsumme wechselt der 23-jährige Kepa Arrizabalaga von Athletic Bilbao zum FC Chelsea in die englische Premier League - und damit in die finanziell lukrativste Liga für Fußballprofis. An solchen Transfers könne man laut Tim Breitbarth gut beobachten, dass im Profifußball von heute keine klassischen Vereine mehr agieren, sondern Unternehmen - und dass die Fußballbranche mittlerweile nach den Regeln der Unterhaltungsindustrie funktioniert.

"Viele Spieler haben sich als eigene Marken emanzipiert"

"Sport beruht auf Storytelling", sagte der Experte für Sportmanagement in der Sendung "Sport am Sonntag", durch spektakuläre Transfers "werden wir als Konsumenten an der Leine geführt, hier werden Geschichtsstränge gewebt, die später in der Saison zur vollen Blüte kommen" - nämlich dann, wenn Spieler mit einer bestimmten Transfer-Vorgeschichte aufeinander treffen.

Tim Breitbarth ist Wissenschaftlicher Vorsitzender der European Association for Sport Management und beobachtet die Entwicklungen im englischen Profifußball seit vielen Jahren: "Viele Spieler haben sich als eigene Marken emanzipiert und bieten großen Identifikationsspielraum." Manche Fans folgten einzelnen Spielern mittlerweile "vielleicht sogar mehr als einzelnen Vereinen - das bietet besondere Arten von Geschichten."

"Nicht zu romantisch sein"

Die Professionalisierung und Kommerzialisierung im Profifußball sei "erstmal nicht unbedingt etwas Schlechtes", so Breitbarth, auch wenn die "Zeiten, in denen Sponsoren durch zweifelhafte Machenschaften viel Geld in den Sport hineingetragen haben oder politischer Einfluss ausgeübt wurde, mittlerweile vielen Vereinen oder Verbänden auf die Füße fallen" und dadurch auch ein gewisses Misstrauen entstehe. 

Mit Blick auf Deutschland, stellt Breitbarth fest: "Viele Fans sind vielleicht noch nicht ehrlich genug, zu gestehen, dass der Profifußball sich vom Vereinsfußball abgekoppelt hat, dass er zu einer Unterhaltungsindustrie neigt und demensprechend auch Strukturen annehmen wird und muss, die in diesem Segment besser passen." Schließlich finde der Wettbewerb heutzutage nicht mehr nur unter den Fußballvereinen statt, sondern "das Produkt Premier League oder Bundesliga" konkurriere auch mit anderen Sportarten sowie anderen Unterhaltungs- und Freizeitmöglichkeiten: "Zumindest im Profisport", so Breitbarth, "sollten wir nicht zu romantisch sein".

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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