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StartseiteCorsoDer Fall Gabby Petito05.10.2021

True Crime auf TikTokDer Fall Gabby Petito

Es waren Hinweise der TikTok-Follower von Gabby Petito, die die Polizei letztendlich zur Leiche der Reisebloggerin führten. Über den Fall der verschwundenen weißen Frau sei auffallend viel berichtet worden, sagte die Journalistin Laura Wohler im Dlf. „Das zeigt, wie rassistisch die Berichterstattung ist.“

Laura Wohlers im Corsogespräch mit Adalbert Siniawski

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Auf TikTok haben sich die Follower von Gabby Petito quasi zu Ermittlern gemacht. (imago images | imagebroker)
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Im Sommer bricht US-Reisebloggerin Gabrielle – genannt 'Gabby' Petito mit ihrem Verlobten Brian Laundrie mit einem Van zu den Nationalparks auf. Sie dokumentieren ihre Fahrt mit schönen Bildern in den Sozialen Netzwerken. Doch der Road-Trip endet tragisch: Laundrie kommt allein und schweigend zurück, Petito gilt als vermisst. Und da legen ihre Follower auf TikTok los.

Dieser Fall passiert für die Nutzerinnen und Nutzer in Echtzeit. Viele würden es als Krimi oder Rätsel sehen, bei dem sie mitspielen, sagt die Journalistin Laura Wohlers. Gemeinsam mit Paulina Krasa betreibt sie den Podcast "Mordlust" beim Jugendsender Funk.

True Crime in Echtzeit

Die TikTok-Hobbyermittler haben mit ihren Hinweisen und Vermutungen teilweise viele neue Follower gewinnen können. Doch das war am Anfang nicht die Intention der TikTok-Nutzerinnen, so Wohlers. TikTok spiele bei der Aufklärung eine wichtige Rolle, weil es dafür gesorgt habe, dass der Fall so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Dadurch hat eine Nutzerin ihre persönlichen Urlaubsvideos durchgeschaut und auf einem das Auto der vermissten Gabby Petito entdeckt. Dieses Video habe der Polizei geholfen, die Leiche zu finden. "Ohne diese ganze TikTok-Aufmerksamkeit wäre vielleicht niemals bei dieser Frau der Gedanke gekommen, sie gesehen zu haben", so Wohlers.

Falschinformationen verbreiten sich schnell

Es bringe allerdings nichts, wenn TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer Hinweise bei der Plattform selbst posten, diese müssten direkt an die Polizei gehen, damit keine falschen Informationen kursieren. 

"Worauf dieser Fall auch aufmerksam gemacht hat, dass überproportional viel berichtet wird, wenn eine junge, hübsche, weiße Frau verschwindet." Dieses Phänomen werde als "Missing White Woman-Syndrom" bezeichnet. In dem Staat, in dem Petito verschschwand, seien in den letzten zehn Jahren auch mehr als 700 indigene Personen verschwunden, von denen habe man in Deutschland noch nicht gehört. "Das zeigt, wie rassistisch die Berichterstattung ist, die auf so einen Fall aufspringt."

Großes Interesse an echten Kriminalfällen

In ihrem Podcast "Mordlust" hat Laura Wohlers den Fall nicht aufgegriffen. Die Kritik, dass True Crime mit Kriminalfällen Menschen unterhalte, müsse sie sich auch gefallen lassen. Deshalb versuche sie aber in dem Podcast die Fälle einzuordnen, weil sie eine gesellschaftliche Relevanz haben. "Weil sie zeigen, wie wir als Gesellschaft mit Tätern und Opfern umgehen und wie das Justizsystem funktioniert und dass Vorverurteilungen überhaupt nicht gehen." In diesem Fall sei nicht klar, was genau passiert sei. Auf TikTok werde ein Verdächtiger allerdings fast schon zum Täter vorverurteilt. 

Durch den Podcast "Serial" und Doku-Crime-Serien gebe es mittlerweile sehr viele True Crime-Formate, aber eigentlich seien diese echten Kriminalfälle für Menschen schon immer spannend gewesen. Das zeige eine Sendung wie "Aktenzeichen XY" seit Jahrzehnten. "Es wird immer interessant bleiben, weil es zu uns als Gesellschaft gehört, Kriminalfälle passieren jeden Tag."

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