Washington
Trump knüpft Atomabkommen mit Saudi-Arabien an Israel-Annäherung

Einen Tag nach der Unterzeichnung hat US-Präsident Trump das Atomabkommen mit Saudi-Arabien an Bedingungen geknüpft. Es sei vollständig davon abhängig, dass sich Riad dem Abraham-Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten anschließe, erklärte Trump auf seiner Online-Plattform. Saudi-Arabien müsse zudem garantieren, dass das Atomabkommen nicht für militärische Zwecke genutzt werde.

    US-Präsident Donald Trump und Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman stehen vor dem Weißen Haus und sprechen miteinander.
    US-Präsident Donald Trump und Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bei einem Treffen im November 2025 (picture alliance / Captital Pictures / CNP / ADM)
    Eine Anreicherung von Uran sei ebenfalls nicht vorgesehen. US-Außenminister Rubio wies Sicherheitsbedenken zurück. Geplant seien strenge Vorgaben, damit die Technologie nicht zugunsten eines Waffenprogramms umgewandelt werden könne. Details nannte er nicht.
    Die milliardenschwere Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien soll eine Laufzeit von 30 Jahren haben und US-Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Aufbau der saudischen Atominfrastruktur sichern. In der Pressemitteilung heißt es, die Vereinbarungen bildeten die rechtliche Grundlage für eine jahrzehntelange Partnerschaft mit einem Volumen von mehreren Milliarden Dollar. Der amerikanische Energieminister Wright sagte, die Verträge gewährleisteten höchste Standards in Bezug auf nukleare Sicherheit und beinhalteten, dass keine Atomwaffen verbreitet würden. Die Vereinbarungen werden nun dem US-Kongress zur Prüfung vorgelegt.

    US-Abgeordnete und Israel machen Bedenken geltend

    Über ein Nuklearabkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien wird seit längerem diskutiert. Präsident Trump verspricht sich davon Aufträge für die amerikanische Atomindustrie in Milliardenhöhe. Einige US-Abgeordnete und Israel hatten Bedenken geäußert. Sie machen geltend, dass Saudi-Arabien ein ziviles Atomprogramm unter Umständen zur Entwicklung von Atomwaffen nutzen könnte.

    Steinberg sieht "Katastrophe für die Region"

    Der Nahostexperte Guido Steinberg kritisierte das Abkommen. Steinberg sagte im Deutschlandfunk, Saudi-Arabien habe sich mit der Erlaubnis zur Anreicherung von Uran und der fehlenden Verpflichtung zu internationalen Kontrollen entscheidende Schlupflöcher gesichert. Das wecke den Verdacht, dass sich das Königreich die Tür zu einem militärischen Atomprogramm offen halten wolle. Vor allem werde aber der Iran bei allen künftigen Verhandlungen über dessen Atomprogramm auf ähnlichen Rechten bestehen. Das sei eine "Katastrophe für die Nicht-Verbreitung" von Nuklearwaffen in der Region, warnte Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

    US-Außenminister weist Kritik zurück

    Der amerikanische Außenminister Rubio versuchte, aufkommende Kritik an der Entscheidung zu entkräften. Auf Fragen von Journalisten zu der Gefahr, das Abkommen könne ein neues nukleares Wettrüsten in der ohnehin instabilen Region auslösen, sagte er: "Die Vereinigten Staaten werden mit keinem Land der Welt ein Abkommen schließen, das ein Risiko der Weiterverbreitung von Atomwaffen schafft."
    Wie aus Regierungskreisen verlautete, enthält das Abkommen allerdings nicht das Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), das weitergehende Überwachungs-, Inspektions- und Kontrollmöglichkeiten vorsieht.

    Saudi-Arabien treibt Nutzung von Kernkraft voran

    Saudi-Arabien hat kein Atomwaffenprogramm, pocht aber seit Jahren auf sein Recht, ein ziviles Atomprogramm zu verfolgen. Kronprinz Mohammed bin Salman hat mehrfach erklärt, dass sein Land zwar nicht nach Atomwaffen strebe, aber "so schnell wie möglich" folgen werde, falls der Iran diesen Schritt gehen sollte.
    Diese Nachricht wurde am 23.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.