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Türkei
Selbstmordattentäter soll IS-Anhänger gewesen sein

Bei dem Attentäter von Istanbul handelt sich nach Angaben des türkischen Innenministers Efkan Ala um einen Anhänger der Terror­miliz Islamischer Staat. Er hatte gestern vier Menschen mit in den Tod gerissen und 39 verletzt. Die türkischen Medien reagieren unterschiedlich auf den jüngsten Terror-Angriff: "Die Türkei hat kapituliert", stellt das Oppositionsblatt Cumhuriyet fest. "Ihr kriegt uns damit nicht klein", titelt die nationalistische Zeitung Vatan.

Von Reinhard Baumgarten, ARD Studio Istanbul | 20.03.2016

    Nach dem Selbstmord-Anschlag in Istanbul: Polizisten durchkämmen Straßen in der Nähe des Anschlagsortes.
    Polizisten durchkämmen Straßen in der Nähe des Anschlagsortes. (dpa / EPA / Tolga Bozoglu)
    "Heute ist der Tag für die Einheit", fordert die Zeitung Milliyet auf ihrer ersten Seite. "Die Türkei hat kapituliert", stellt das Oppositionsblatt Cumhuriyet resigniert fest. "Ihr kriegt uns damit nicht klein", titelt trotzig die nationalistische Zeitung Vatan. "Das Leben der Menschen liegt nicht in den Händen des Staates, sondern in Gottes Hand", deklariert die regierungskritische Gazette Sözcü. Der Tag danach. 5 Tote und 36 Verletzte hat der jüngste Terroranschlag gefordert.
    "Wir können nicht raus", klagt Eşref Parmakoğlu. "Nirgends können wir hin. Die Metro können wir nicht benutzen. Wir haben Angst, irgendwo hinzugehen." "Diese Stadt sei ihm in diesen Tagen unheimlich", gibt Abdullah Gündüz zu. "Da drüben ist der Taksim-Platz. Da gehen wir normalerweise alle zwei, drei Tage hin. Ich zögere jetzt, überhaupt irgendwo hin zu gehen."
    Ein Selbstmordattentäter hat sich gestern um kurz vor elf Uhr vormittags im Zentrum Istanbuls in die Luft gesprengt und drei Israelis sowie einen Iraner mit in den Tod gerissen. Wenige Stunden nach dem Anschlag tauchen Tarkan Konar und andere Ladenbesitzer in der Istaklal-Straße mit Plakaten und roten Nelken auf: "Wir werden uns der Trauer und dem Terrorismus nicht beugen", geloben sie. "Wir haben keine Angst. Wir werden uns auch nicht daran gewöhnen. Dieses Land bleibt das Land von Frieden und Brüderlichkeit."
    Mehr als 200 Terroropfer muss die Türkei seit Juli vergangenen Jahres beklagen. Vor einer Woche explodierte eine Bombe im Herzen Ankaras: 37 Tote. "Meine Tochter war dort, als die Bombe hochging", erzählt Arslan Sakaoğlu. "Sie hatte Nachhilfe und das danach gesehen. Ich hab jetzt Angst, sie zur Nachhilfe oder zur Schule zu schicken. Meine Kinder haben alle Angst. Und ich auch."
    Das Leben müsse trotzdem weiter gehen, ist dieser Tage einer der am häufigsten zu hörenden Sätze. Viele Menschen haben Angst, spüren die Beklemmung drohender Gefahr. "Er fürchte sich nicht", versichert Yalcın Baş, "aber viele Leute seien verängstigt." Die Straßen sind leer, kaum Verkehr. Es beeinflusst die Menschen. Aber selbst wenn du Angst hast – Gott ergeben.
    Bei dem Attentäter von Istanbul handelt sich offenbar um einen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat. Der türkische Innenminister Efkan Ala teilte in Ankara mit, der Attentäter sei als Mehmet Ö. identifiziert worden. Damit wurden Medienberichte bestätigt, die von einem 33-jährigen Mann aus Gaziantep gesprochen hatte, der im Oktober aus Syrien in die Türkei eingereist sei. Damit hätte die IS-Terrormiliz bereits mindestens ihren fünften folgenschweren Terroranschlag in der Türkei verübt. Am 12. Januar waren 12 deutsche Touristen durch einen IS-Attentäter getötet worden. Im Juli und Oktober vergangenen Jahres waren mehr als 140 Menschen in der Grenzstadt Suruç und in Ankara Opfer der IS-Terrormiliz geworden.