Mittwoch, 17. August 2022

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Türkische Zeitung
Feindliche Übernahme befürchtet

Nach etlichen anderen Medien befindet sich jetzt die regierungskritische Zeitung Sözcü im Fokus der türkischen Behörden. Unter anderem wurde Haftbefehl gegen den Eigentümer erlassen.

Jürgen Gottschlich im Gespräch mit Stefan Koldehoff | 22.05.2017

    Ein Mann liest am 17. April 2017 in Istanbul einen Tag nach dem Referendum die türkische Zeitung "Sözcü" mit der Schlagzeile: "Ist Ihr Gewissen rein?"
    Der Chef der Zeitung "Sözcü" befürchtet die Übernahme durch die türkische Regierung (AFP / Yasin Akgul)
    Der Herausgeber der regierungskritischen Zeitung Sözcü befürchtet, dass sein Blatt von der türkischen Regierung übernommen werden könnte. "Sie wollen die Zeitung kontrollieren, weil sie Angst vor ihr haben", sagte Burak Akbay der Deutschen Presse-Agentur. Ihm wird vorgeworfen, Straftaten zugunsten der Gülen-Bewegung begangen zu haben. Das wies Akbay zurück.
    Ende vergangener Woche waren zwei Mitarbeiter der Zeitung in Polizeigewahrsam genommen worden. Auch Akbays Festnahme hatte die Staatsanwaltschaft angeordnet. Der Sözcü-Besitzer lebt allerdings in London.
    Kaum wirksame Proteste
    Im Gespräch mit @mediasres sagte der Türkei-Korrespondent der taz, Jürgen Gottschlich, dass noch unklar sei, warum die Regierung genau gegen Sözcü vorgeht. In der Türkei gebe es zwar noch Proteste gegen den Umgang der Regierung mit kritischen Medien.
    "Angesichts der Kräfte, die dagegen stehen, ist das aber notwendigerweise alles ein bisschen hilflos, weil der ganze Apparat nicht mehr auf öffentliche Meinung reagiert", sagte Gottschlich.
    Sözcü ist eine der größten Tageszeitungen der Türkei. Sie versteht sich als strikt säkular und als Verfechter der Prinzipien von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk.