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StartseiteInformationen am MittagImmer mehr tote Zivilisten 14.07.2014

Ukraine-KriseImmer mehr tote Zivilisten

In der Ukraine sind bei den Kämpfen um die Separatistenhochburg Lugansk Zivilisten getötet worden. Seit Donnerstag geht die Armee gegen die Aufständischen vor. Auch in Donezk gab es Tote unter der Zivilbevölkerung.

Von Sabine Adler

Bewaffnete pro-russische Separatisten bewachen am 28.06.2014 einen Checkpoint im Norden von Lugansk in der Ost-Ukraine. (afp / John Macdougall)
Die Zivilbevölkerung gerät bei den Kämpfen zwischen ukranischem Militär und Separatisten zunehmend zwischen die Fronten. (afp / John Macdougall)
Weiterführende Information

Krise in der Ukraine: "Es ist einfach lebensgefährlich" (Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 13.07.2014)

Ukraine: Angst vor dem Häuserkampf (Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 12.07.2014)

Ukraine-Konflikt: Tote bei schweren Gefechten in Donezk (Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 12.07.2014)

Die Kämpfe um die Separatistenhochburg Lugansk haben heute Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. 3 Einwohner von Lugansk sollen bei jüngsten Kämpfen getötet worden sein, 14 habe zum Teil schwere Schussverletzungen.

Die prorussischen Milizen würden aus Wohnvierteln heraus feuern und Schusswechsel mit den Regierungstruppen aus diesen Stellungen heraus in Kauf nehmen, beklagen sich Bewohner. Ähnlich seien die Rebellen auch in Slawiansk vorgegangen. In der vor einer guten Woche zurückeroberten Stadt hätte sich das Leben bei Weitem nicht normalisiert, schimpfen diese drei Frauen:

"Es gibt kein Radio, kein Fernsehen, keine Zeitungen, auch die, die man abonniert hat, kein Wasser. Nur das, was die Aufständischen in den Fässern hiergelassen haben, aber das ist schon nicht mehr gut. Der Müll wird nicht abgeholt, die Arztpraxen sind geschlossen, ob der Rettungsdienst funktioniert, wissen wir nicht, wir haben ihn nicht gerufen. Die Polizei haben wir gesehen."

Putin und Merkel forderten Gespräche mit den Separatisten

Russlands Präsident Putin und Bundeskanzlerin Merkel forderten am Rande des WM-Finales in Rio de Janeiro Gespräche mit den Separatisten sowie eine bessere Absicherung der ukrainisch-russische Grenze. Präsident Petro Poroschenko war nicht zum Spiel gefahren, hatte damit auf eine Gesprächsmöglichkeit mit seinem russischen Amtskollegen verzichtet, weil das die Lage in der Ukraine nicht erlaube.

In einem Telefonat mit dem scheidenden EU-Ratspräsidenten Herman von Rompoy beklagte Poroschenko, dass immer schwerere Militärtechnik auf ukrainisches Gebiet gelange. Zudem würde von russischer Seite auf die ukrainische Armee gefeuert, warf er Russland vor. Kiew sei bereit, der internationalen Öffentlichkeit Beweise dafür vorzulegen.

Poroschenko bittet um eine harte und entschlossene Reaktion. Außerdem verlangte er die Freilassung zahlreicher Geiseln, darunter die Pilotin Nadeschda Sawtschenko, der der Tod von zwei russischen Staatsbürgern zur Last gelegt wird, die sich im ukrainischen Kampfgebiet als Journalisten ausgegeben hatten. Poroschenko bat, das Thema auf die Tagesordnung des EU-Rates am Mittwoch zu setzen.

Ukrainische Armee bekämpft Separatisten aus der Luft

Mit Raketenwerfern des russischen Typs Grad haben die prorussischen Milizen Einheiten der Anti-Terror-Operation unter Beschuss genommen. Die ukrainische Armee versucht, die Separatisten aus der Luft zu bekämpfen. Wie viele Opfer es auf beiden Seiten tatsächlich zu beklagen gab, ist völlig unklar, es dürften jeweils Dutzende sein.

Der Donner in der Nacht schreckte die Menschen von Donezk erneut auf, doch dieses Mal rührte er tatsächlich von Gewitter, nicht von Artillerie oder Sprengsätzen. Der Bürgermeister der 900.000 Einwohner Stadt beschrieb die Lage als angespannt, aber ruhig, anders als in den vergangenen Tagen.

Kämpfe in Donezk kosteten neun Zivilisten das Leben

Seit Donnerstag gehen die ukrainische Armee, die Nationalgarde und die Freiwilligenverbände gegen die Aufständischen vor. Dabei hatten sich die Kämpfe zum Teil in Donezker Stadtbezirke verlagert und in der Nacht zum Sonntag mindestens neun Zivilisten das Leben gekostet.

Der aus Donezk stammende Ex-Präsident Janukowitsch und dessen Söhne Oleksandr und Viktor haben Informationen der "Bild"-Zeitung zufolge Klage beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eingereicht, mit der sie die sofortige Rücknahme der gegen sie verhängten EU-Sanktionen erreichen wollen, da diese Verstöße gegen EU-Recht seien. Die Klagen seien bereits am 14. Mai eingegangen.

Janukowitsch wirft der EU vor, nur deshalb gegen ihn vorgegangen zu sein, um die engere Anbindung der Ukraine voranzutreiben - dabei sei er als "demokratisch gewählter" Präsident im Wege gewesen, argumentierten dessen Londoner Anwälte.

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