Donnerstag, 18. August 2022

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Ulrich Peltzer: "Das bessere Leben"
Vom Gemütszustand der globalisierten Welt

Ulrich Peltzers Romane mag man, oder man mag sie nicht. Die gedankliche Raserei und die emotionalen Übersprungshandlungen im neuesten Werk "Das bessere Leben" sind aber so grandios, dass, wer die Geschichte nicht mag, doch wenigstens an den einzelnen Sequenzen seine literarische Freude haben muss.

Von Hubert Winkels | 30.08.2015

    Der Autor Ulrich Peltzer
    Der Autor Ulrich Peltzer (picture-alliance/ dpa / Uwe Anspach)
    Von Ulrich Peltzers neuem Roman, "Das bessere Leben", enttäuscht zu sein, wäre eine Dummheit. Nicht nur, weil man von ihm viel lernen kann über die mentale Verfassung einer globalisierten Gegenwart zwischen Finanzkapital und Sehnsucht nach Herkunft; nicht nur weil man die Geschichte Nachkriegsdeutschlands mit ihren sinnlichen Einschlägen in individuelle Lebensgeschichten lesen kann. Man kann von Peltzer deshalb nicht enttäuscht sein, weil er seine eigene Variante eines dezidiert modernen, natürlich längst schon kanonisierten Schreibens in Bewusstseinsströmen seit genau zwanzig Jahren, seit seinem Roman "Stefan Martínez" auf hohem Niveau zur persönlichen Wiedererkennbarkeit entwickelt hat. You get what you know. In verbesserter Ausführung. Man kann es kennen wie das Blau von Yves Klein und die Wischtechnik von Gerhard Richter. Man mag es, oder man mag es nicht, aber es ist auf eine erkennbar besondere und elaborierte Weise in der Welt. Und dann noch etwas, das Wichtigste vielleicht: In Peltzers fünftem Roman hat diese asynchrone assoziative Technik solch grandiose Kapitel der gedanklichen Raserei und emotionaler Übersprungshandlungen hervorgebracht, dass man, selbst wenn einem das Ganze zu umständlich, verzweigt und verrätselt vorkommen sollte, seine literarische Freude an den einzelnen Sequenzen haben muss. So zu Beginn des Romans:
    "Er schreckte hoch. Dunkelheit um ihn herum, kein Geräusch, nur sein Atem. Dieser Knall, als das Barackendach einstürzte, beißender Rauch, ein Blitzen, rot und blau, über den Köpfen der johlenden Menge. Keuchend befreite sich Sylvester Lee Fleming aus der verdrehten Decke und rieb seinen Nacken. Seit Tagen, seit seiner Ankunft in Sao Paulo ging das so, gestern (das war doch gestern Nacht, oder?) die Schlägereien mit der Polizei auf der North Water Street, und wie dann alle Richtung Innenstadt gelaufen sind, Steine flogen in Schaufenster, Mülltonnen brannten, und immer wieder Sprechchöre und Schreie...stop this war.
    Fleming tastete zum Schalter der kleinen Stehlampe auf dem Tischchen neben dem Bett. Samtiges gelbes Licht fiel über das Magazin, in dem er vor dem Einschlafen gelesen hatte (Newsweek), ein halb geleertes Bier (Antarctica), zerfloss zwischen Couch und Sesseln in der Tiefe des Raums. Die bodenlangen Vorhänge waren zugezogen, dahinter Fenster, die sich gar nicht erst öffnen ließen, hier oben im achtzehnten Stock; eine schalldichte Fensterfront mit Blick auf andere Fensterfronten, andere Hochhäuser, die zum Greifen nah schienen, bei Tag und Nacht durch den Dunst (eine Kuppel aus Schmutzteilchen in der Luft) schwebende Hubschrauber."
    Peltzer ist neben, sagen wir: Goetz, Rothmann, Hettche und Schulze einer der wichtigsten deutschen Erzähler der mittleren Generation. Mitte der Fünfziger geboren, knapp zu spät für die euphorisierte Praxis der Revolte, gerade richtig für den tristen Ausklang des K- Gruppen-Desasters und die Euphorie der Theorie in der darauf folgenden Dekade, die uns gerade Philipp Felsch in seinem 'langen Sommer der Theorie' vor Augen geführt hat. In jeden seiner Romane hat Peltzer trotzdem ein praktisches, also die Theorie in der Praxis aufhebendes politisches Kernstück, eine Art Ursprungshandlung eingebaut. Sie hat meist in den siebziger oder achtziger Jahren ihren Ort und ist von Gewalt geprägt, von kollektiver Gewalt auf der Straße: so der Zusammenstoß von Demonstranten und Guardia Civil in Barcelona in "Alle oder keiner", den Terror der italienischen brigate rosse und deren späte Verfolgung durch den Staat in "Teil der Lösung", und selbst in der Erzählung, die anscheinend darauf nicht angewiesen sein wollte, "Bryant Park" von 2002 nämlich, brechen die NewYorker Twin Towers brutal herein und heben die literarische Form auf.
    Keine Ruhezonen für die Akteure in einer instabilen Welt
    In "Das bessere Leben" ist es zunächst der 4. Mai 1970, als die amerikanische Nationalgarde auf Studenten schießt, die gegen der Einmarsch der USA in Kambodscha demonstrieren. Die damals neunzehnjährige Allison wird getötet und sucht den schlaflosen global agierenden Finanz- und Versicherungsdienstleister Sylvester Lee Fleming vierzig Jahre später in seinem Gewälze in einem Hotelbett in Sao Paulo heim. Dreißig Seiten Albtraumgewitter in der Luxussuite 'Renascimento', im Kopf des global-ökonomischen Alphatiers, das ist ein spektakulärer Romanauftakt. Von hier in die Niederungen des intriganten Businesslebens zu finden schafft Peltzer mit den hochaufgeladenen Bewusstseinsfrequenzen seines gesamten Personals. Es gibt nämlich keine milderen Umstände, schon gar keine Ruhe in diesem Universum der maximalen Anspannung, der permanenten Überanstrengung: einerseits für die Sache, um die es praktisch geht, Handelsgeschäfte zum Beispiel; andererseits für die Beantwortung der Frage, die alle geschäftliche Rationalität begleitet: was tue ich hier, wer bin ich, war ich, wer zwingt mich, welcher Chronologie, welcher Logik, welchen undurchschaubar Zwecken, welcher egozentrischen Einbildung bin ich unterworfen? Es gibt keine Ruhezonen in der instabilen Welt der globalen Akteure und der Peltzerschen Psychen, selbst die buddhistisch meditierende Exfrau von Jochen Brockmann, des eigentlichen Helden des Romans, tobt in ihrer Sinnsuche wie wild herum, nicht anders als die vernünftigen Großdealer, die paradoxe Techniken entwickeln, um auf den Sinn der Geschichte und der eigenen Entwicklung verzichten zu können.
    "Fleming kam es vor (wie es klopfte in seinem Kopf), als hätte er die Szene schon einmal erlebt, nichts Neues... aber was sollte das auch sein, das Neue? Nur Verkleidungen, die man im Lauf der Zeit anlegt, um das Publikum zu unterhalten. Ihm etwas zu bieten, das sich seiner Phantasien bemächtigt, tröstet, aufstachelt oder in Ruhe wiegt. Die Wahrheit ist ihm praktisch nicht zuzumuten, die eine Wahrheit, deren Teilhaber du bist. Augenzeuge, Antriebskraft. Immer wenn man dich braucht, heute, gestern oder im Dunkel eines längst wieder vergessenen Geschehens. Zusammenhänge, die der Mensch auf der Straße nicht sieht, sich nicht einmal vorstellt. Ein Einzelner vielleicht, dessen Sinne durchlässig genug sind, in einem günstigen Moment ... wie in einem Traum, in dem er die Zukunft erblickt. Als Vergangenheit, die eingetreten sein wird, run if you can ... Fleming rieb sich die Augen, Brennen im Hals, ein trüber Geschmack im Mund. Umstände, die er sich bei Gott hätte sparen können, körperlich (auch du hast einen Körper), denn darum ... darum war man nicht auf der Welt. Zum eigenen Vergnügen. Sondern ... jeder an seinem Platz, um dem Gesetz der Geschichte (nenn es, wie du willst) zu seinem Recht zu verhelfen, clear and concise. Was sonst könnte ein gutes Leben sein? Das darf man ja wohl mal fragen, in aller Bescheidenheit (ihr elenden Narren). Einem Durcheinander ausgeliefert, das nur deshalb nicht im Totalchaos endet, weil ein paar Leute sich drum kümmern und die Risiken, mögliche Fehlentwicklungen, durch ihren Einsatz in Schach halten. Unbestechlich, ein Geben und Nehmen, dem man gewachsen ist oder nicht. Und wenn nicht, für den nötigen Ausgleich wird gesorgt werden (das Prinzip einer jeden Versicherung, die den Namen verdient)."
    Jochen Brockmann, Sales Manager einer weltmarktbeherrschenden Turiner Firma für Beschichtungsmaschinen, begegnet uns zu Beginn des Romans in Lugano, wo er eine große Summe Schwarzgeld von einem Konto abhebt. Ein äußerst privatistischer Akt, denn Geld haben, erst recht in der Hand zu halten, ist in der semiöffentlichen Welt des Romans eher unschön. Geld spielt vor allem die Rolle der Antriebskraft und des Ermöglichers. Der bewegte Beweger. Es wirkt unentwegt, indem es zu Flügen, Meetings, Dinners und Whiskygelagen, und gelegentlich zu kollateralen Todesfällen und zu nächtlichem Gewälze in Luxussuiten führt. Geld ist eine Zeichnung des CEO auf einem Blatt, wo er an Starverkäufer Brockmann vorbei den Vertrieb skizziert, nichts was man hat und weitergibt, worauf man baut. Doch Brockmann hat eine Tochter, Elisabetta, sie studiert Kunstgeschichte in Mailand, für ihre Zukunft ist das Geld gedacht. Und Brockmann reist im Roman sogar zum 85. Geburtstag seiner Eltern nach Krefeld und denkt mit seinen Geschwistern über ein Pflegeheim für sie nach. Er hat also eine Herkunft: um sie zu verlieren möglicherweise, wir wissen es nicht genau, denn der Roman verdampft klassische Herkünfte in der forciert erfolgsorientierten Gegenwart. Wenn die Vergangenheit insistiert, tut sie es in aller Regel in Splittern und Fetzen und kurzen Sequenzen, oft alptraumhaft, manchmal melancholisch. Man kann auch sagen, der Roman siedelt sich genau an jener Stelle an, wo die Wirkung der Herkunft sich auflöst und alle Genealogien und Entscheidungsketten unsicher werden. Wer oder was ist entscheidend für den Zustand, in dem ich mich befinde?
    "Warum nicht?, dachte Brockmann, als er die Chipkarte in den Schlitz über der Klinke steckte und das grüne Lichtchen aufflackerte, du hast den Abend frei (dienstfrei, haha), und er ist bei Weitem schräg genug, um interessant zu sein. Obwohl .. kein Obwohl, ist dieser Fleming ein Soziopath, ziehst du Leine, die einfachste Sache der Welt.
    Im Vorraum stand aufrecht sein kleiner Koffer, neben einem deckenhohen Spiegel, in dem er sich einen Augenblick lang betrachtete: Head of Sales South-East, topfit, drei Sprachen, noch einige Wochen (Tage?) ungekündigt, looking forward to a new challenge.
    Er ging ins Zimmer und legte seinen Koffer aufs Bett, dann trat er an die Fenster und ließ den Vorhang ein Stück zur Seite fahren. Auf einem der flachen Dächer unter ihm war ein Mann in Monteurskleidung mit einer Satellitenanlage beschäftigt, deren Schale er per Fernbedienung ausrichtete, telefonierend dabei (ein bisschen noch, ja, ja, Superbild jetzt ...,), funktioniert das so? Man weiß es nicht, dachte er, du weißt es nicht, Telekommunikation. Dinge, die einem schon in der Schule unlösbare Rätsel aufgaben, Welle oder Teilchen. Vel vel statt aut aut .. so eine Scheiße behält man, während alles andere im Strudel der Zeit verschwindet beziehungsweise nie daraus hervorgetaucht ist. Zu kompliziert, immer weggeduckt, bis es endlich zur Pause schellte."
    Verwirbelung der Genealogien
    Die ästhetische Absicht des Romans ist die Darstellung eben jener Verwirbelung der Genealogien und logischen oder sinnvollen Bezugssystem in den Bewusstseinsströmen von einem halben Dutzend Figuren. Das Schöne dabei ist, und zwar im starken Sinn des Wortes, dass an die Stelle von Folgerichtigkeit flüchtige Begegnung und Koinzidenz getreten sind. Es geschehen viele Dinge gleichzeitig oder in Folgen, die extrem unwahrscheinlich sind. Hier setzen dann traditionell magisches Denken oder theoretische Mathematik an. Tatsächlich sind beide repräsentiert im Roman: Bewusstseinsausflüge in vorhistorische Weltbilder oder auch die Wiederbegegnung Brockmanns mit seinem Schulfreund, einem inzwischen weltweit renommierten theoretischen Mathematiker. Das Denken von moderner Individualität unterscheidet sich dabei nicht wesentlich von der Logik globaler Geschäftspraktiken. Peltzer hält sich nicht mit dem Bedauern dieser Diagnose auf, anders als in seinen früheren, erkennbar kritischen Büchern. "Das bessere Leben" bildet die schwer zu greifende Synchronisation der Dinge im scheinbaren Zufall so ab, dass die Suggestion eines Zusammenhangs entsteht. Da wir den Zufall nicht denken können, flüchten wir nach vorne und bauen vergängliche Sinnmaschinen: Sinn als Ergebnis böser Intrigen durch dunkle Strippenzieher (Peltzers Vorbild DeLillo), als gelenkter Zufall, als Effekt permanenter Kriegsführung (gerne zitiert: der Ethnologe Pierre Clastres), als Eigenlogik der kapitalistischen Infrastruktur (William Gaddis), der Zwischenwelt der Medien, als Ergebnis superschlauer Langzeitberechnung (durch den diabolischen Sylvester Lee Fleming) usw..
    Und, die beiläufige Begründung des Romans selbst: Flüchtiger Sinn als Verfahren und Ergebnis der Kunst! Sie ist das konkurrierende globale System, das den Zufall bearbeitet. So besucht Brockmann mit seiner Tochter Elisabetta die Ausstellung der afroamerikanischen Künstlerin Renèe Green in Mailand, die in Installationen, Prints und Videos eine Art filmisches Bewusstseinsströmen produziert. Darin eingebettet die Szenen von Kent State, Ohio 1970, die Brockmanns ferner Widerpart Fleming zu Beginn des Romans heimsuchten. Hierin spiegelt sich das Verfahren Peltzers noch einmal. Im übrigen hat Betty Brockmann promoviert über das Thema "Bildsprache feudaler Herrschaft an oberitalienischen Höfen". Was Peltzer vorschwebt mit seinem ' besseren Leben' ist analog dazu eine Bildsprache neofeudaler Kapitalherrschaft im globalisierten Geschäftswesen.
    "Hatte er ja wirklich, nur keine Alternative anzubieten, Brockmann zündete sich im Gehen eine Zigarette an (was ist mit dir los?), nichts als martialische Sprüche. Die Bourgeoisie, das Proletariat, dabei war sein Vater Arzt. Seine Mutter Ärztin und seine Schwester, die schöne Petra, Medizinstudentin ... von wegen es sei keine Sache der Gene. Er schüttelte lachend den Kopf, steckte sich die Zigarette zwischen die Lippen, die Hände in die Taschen seines neuen, am vergangenen Freitag gekauften Anzugs (den Mantel in einem Schließfach gelassen, bei dem Wetter). Passte zur Feier des Tages, dachte er (vom Hölzchen auf Stöckchen), ein paar Stunden mit Elisabetta, die er nur noch gelegentlich sah (alle sechs Wochen, wenn's hochkam), seitdem sie in Mailand lebte. Und zwar ... seit der Zeit ihres Studiums, Brockmann rechnete (in dem Jahr umgezogen, als sie völlig allein durch die UA gefahren ist, wie konntest du das erlauben?), also schon länger, Herr im Himmel, weißt du's nicht mehr? In den Fußstapfen von Heidi (und deinen natürlich), ihr Interesse für Kunst, bloß dass es die Epoche kurz vor der Renaissance war, die sie durchforschte, die Bildsprache ... in ihrer Dissertation ... Bildsprache feudaler Herrschaft an oberitalienischen Höfen. Nicht schlecht, deine Tochter, sogar nach Kalifornien ins Getty-Center schon einmal eingeladen, in ihrem zarten Alter ..."
    Als hätte Peltzer eine Heidenangst vor dem Thriller
    Und hierin stecken, bei allem Respekt für dieses zeitgemäße Unternehmen, einige nicht gemeisterte Tücken. Die größte: Das Bewusstsein der Akteure kann nicht dauerhaft und in jedem Fall seine gesamte assoziative Aufladung ausspielen. Schon gar nicht, wenn es in geschäftlichen Konkurrenzsituationen den Gegner überlisten will. Es muss sich gelegentlich, wie in der Spieltheorie, rational kalkulierend verhalten, Ziele klar definieren und Schritte berechnen wie beim Schachspiel. Peltzer interessiert diese Dimension des Rational-Geschäftlichen nicht in seiner konkreten Gestalt. Was zur Folge hat, dass der Leser sehr lange nicht weiß, worum es Brockmann und Sylvester und ihren Kumpanen eigentlich geht. Selbst als es zwischenzeitlich zu Erpressung und zu einer Schießerei und zu Toten kommt, erfahren wir nicht, wieso, oder raten bloß. Als hätte Peltzer eine Heidenangst vor dem Thriller, der in seinem Roman steckt, und vor der Lesegier, die sich beruhigt bei blutigen Ausgängen oder klaren Enden.
    Im aktuellen Film "Die Lügen der Sieger" von Christoph Hochhäusler, zu dem Ulrich Peltzer das Drehbuch geschrieben hat, ist das anders gelöst. Da lernen wir eine geheime Agentur kennen, die im Auftrag der Chemieindustrie deren schmutzige Spiele kaschiert und alle Rechercheure auf falsche Fährten lockt. Hier erkennt man die Bösen als die Politik- und Medienmanipulateure, nicht zuletzt am Lichtglanz auf den Sonnenbrillen und Champagnergläsern (der Sieger eben). In seinem Roman ist Peltzer vorsichtiger: Nein, er gibt dem Affen literarische Öffentlichkeit partout keinen Zucker. Asketismus der Moderne. Volle Konzentration aufs Unfassbare. Rainald Goetz hatte es in "Johann Holtrop" in der Gier, im Wahn des Managers gesucht. Ingo Schulze vor einigen Jahren gleich den Teufel E.T.A. Hofmanns bemüht, um den bösen Unternehmer literaturgeschichtlich zu fassen. Nichts dergleichen bei Ulrich Peltzer. Sein Sylvester Fleming ist diabolisch nicht in seinem Wesen, sondern in seiner Funktion. Er steckt dahinter, überall dahinter, möchte man glauben, auch hinter Brockmanns beruflicher Karriere und sogar hinter seiner großen Liebschaft. Schlimm wäre das, aber wir wissen es nicht genau. Dies Ungenaue eben, ist leider nicht genau genug gestaltet.
    Ulrich Peltzer: "Das bessere Leben". Roman.
    S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015.448 S., 22,99 Euro