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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWie Trump die FED beeinflussen will14.02.2020

Umstrittene Kandidatin SheltonWie Trump die FED beeinflussen will

Judy Shelton ist für das Führungsgremium der US-amerikanischen Notenbank FED nominiert. Sie würde dort wohl für niedrigere Zinsen werben – ganz im Sinne Donald Trumps. Doch obwohl der für die Ernennung zuständige Senat eine republikanische Mehrheit hat, sind Trump-Kandidaten bisher oft gescheitert.

Von Jan Bösche

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Judy Shelton wird zu ihrer Nominierung im Senat befragt. (Consolidated News Photos)
Judy Shelton wurde am Donnerstag zu ihrer Nominierung im Senat befragt (Consolidated News Photos)
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Lächerliche Entscheidungen, ein grausamer Mangel an Visionen – Präsident Trump empört sich regelmäßig über die Notenbank Fed. Sie habe ihre Zinsen zu schnell angehoben und zu langsam wieder gesenkt. Aus Trumps Sicht ist das ein Grund, warum die Wirtschaft in den USA nicht so schnell wächst wie von ihm versprochen.

Mit seiner lauten und regelmäßigen Kritik bedroht Trump die Unabhängigkeit der Fed, befürchten viele Experten. Judy Shelton sieht das anders: Manche Fed-Chefs hätten sich über Druck hinter den Kulissen beschwert, es sei erfrischend, dass das jetzt in der Öffentlichkeit geschehe.

2018 machte sie Wahlkampf für Trump

Judy Shelton war Trump-Beraterin im Wahlkampf, 2018 schickte er sie als US-amerikanische Vertreterin zur Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Im vergangenen Jahr nominierte Trump sie dann als neues Mitglied der Fed-Führungsspitze.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin ist eine ungewöhnliche Kandidatin: Ihre Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Frage, wie ein neuer Goldstandard eingeführt werden könnte oder diskutieren, die staatliche Einlagensicherung wieder abzuschaffen.

Am wichtigsten vielleicht für Trump: Sie plädierte dafür, dass sich die Fed besser mit Kongress und Präsident abstimmen müsse. Shelton sagte, sie gehöre auf keinen Fall zum wissenschaftlichen Mainstream und werde ihre eigene Perspektive in die Fed einbringen: Denn die intellektuelle Vielfalt stärke die Debatte und werde sicher begrüßt.

Bei ihrer Anhörung im Finanzausschuss des Senats gestern war klar, dass nicht alle diese Vielfalt begrüßen. Besonders die demokratischen Senatoren nahmen Shelton in die Mangel. Sherrod Brown sagte, es gebe Dokumente von ihr aus 30 Jahren. Jetzt scheine sie aber die neue Judy Shelton zu sein, nicht die alte.

Bereits fünf Trump-Kandidaten im Senat gescheitert

Damit spielte er auf ihre vielen Meinungswechsel an. So kritisierte Shelton früher niedrige Zinsen, sie förderten Blasen und benachteiligten Kleinsparer. Seit Trump im Amt ist und niedrigere Zinsen verlangt, spricht sie sich dafür aus.

Kritik der Demokraten könnte Shelton und die Trump-Regierung kalt lassen, Trumps Republikaner haben im Senat die Mehrheit. Allerdings: Der Republikaner Richard Shelby und mehrere seiner Kollegen meldeten ebenfalls Zweifel an Shelton an. Senator John Kennedy sagte, man wolle niemanden mit verrückten Ideen in der Fed.

Dieser Widerstand könnte Trumps Wunschkandidatin für die Notenbank verhindern. Die Republikaner mögen dem Präsidenten in vielen anderen Fragen blind folgen – bei Fed-Nominierungen tun sie das nicht. Die republikanischen Senatoren haben bereits fünf von Trumps Kandidaten für die Fed verhindert.

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