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StartseiteForschung aktuellMethan im Trinkwasser gibt Rätsel auf 16.09.2014

Umstrittenes FrackingMethan im Trinkwasser gibt Rätsel auf

Fracking - ein Verfahren zur Förderung von Schiefergas - ist äußerst umstritten. Kritiker fürchten, dass durch das Aufpressen von Gesteinsschichten Trinkwasser verunreinigt werden könnte. In Pennsylvania und Texas haben Forscher nun über 130 Wasserproben genommen und ein Analyseverfahren entwickelt, das endlich Klarheit bringen soll.

Von Tomma Schröder

Ein Fracking-Bohrturm in der Abenddämmerung.  (dpa/picture alliance/Jim Lo Scalzo)
Fracking-Bohrturm nahe Tunkhannoclk, Pennsylvania. (dpa/picture alliance/Jim Lo Scalzo)
Weiterführende Information

Fracking durch die Hintertür? (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 19.08.2014)
Serie: "Wer verdient am Wasser?" - Gelsenwasser lehnt Fracking kategorisch ab (Deutschlandfunk, Firmenporträt, 08.08.2014)
Fracking - Bundesländer uneins über umstrittene Fördermethode (Deutschlandfunk, Länderzeit, 30.07.2014)

Seit fünf Jahren nehmen Thomas Darrah und seine Kollegen Trinkwasser-Proben in den Frackingregionen in Pennsylvania und Texas. Schon früher hatten sie Hinweise auf Verunreinigungen durch Fracking gefunden, aber eindeutige Beweise gab es nicht. Die Möglichkeit, dass die hohen Methan-Konzentrationen in einigen Trinkwasserbrunnen durch natürlichen Gasaustritt verursacht wurden, ließ sich nicht ganz ausschließen, wie der Geologe von der Ohio State University, berichtet.

"Vor dieser neuen Studie waren die Meinungen darüber, ob das Gasvorkommen in dem Trinkwasser natürlich oder menschengemacht ist, noch ungefähr 50 zu 50. Unsere Studie stellt jetzt eine neue Methode vor, wie sich unterscheiden lässt, was menschengemacht und was natürlich ist."

Bisher wurden vor allem die Eigenschaften des Methans selber und anderer Kohlenwasserstoffe analysiert. Die jedoch können durch Mikroorganismen und Oxidation verfälscht werden, sodass die Analysen angreifbar sind. Thomas Darrah und sein Team haben nun noch andere Gase unter die Lupe genommen, die sehr stabil und wenig reaktiv sind: Sie haben die Konzentration und Zusammensetzung der Edelgase im Methan untersucht.

"Es gibt Erdgas, zum Beispiel im Marcellus-Schiefergestein, das über mehrere Millionen Jahre vom Ursprungsgestein in oberflächennahe Grundwasserleiter gewandert ist. Und dieser Prozess hinterlässt geochemische Spuren. Und wenn wir uns das Gas angucken, das weit weg von jedem Bohrloch im Trinkwasser zu finden ist, dann können wir dort hohe Konzentrationen der Edelgase Helium und Neon nachweisen, die aus diesem Wanderprozess resultieren. Anders ist das bei Brunnen, bei denen wir aufgrund der Analyse von Kohlenwasserstoffen davon ausgehen, dass sie durch Bohrungen kontaminiert wurden. Hier sehen wir an der chemischen Zusammensetzung, dass das Erdgas vermutlich direkt aus dem Schiefergestein kommt, und zwar ohne, dass es dabei durch Wasser oder Gestein hochgewandert ist."

Und der einzige Weg, den das Gas nehmen kann, ohne mit Wasser oder Gesteinsschichten in Verbindung zu kommen, sei das Bohrloch selbst, so Thomas Darrah.

Wasser wurde durch Bohrungen kontaminiert

"Wir haben also gute und schlechte Nachrichten. Die schlechte Nachricht ist, dass es Beweise dafür gibt, dass das Wasser tatsächlich durch die Bohrungen kontaminiert wurde. Die eigentlich gute Nachricht dabei ist, dass diese Kontamination nicht durch das Fracking selber ausgelöst wurde. Also das Fracking hat keine Risse verursacht, durch die das Erdgas dann direkt aus dem Schiefergestein nach oben wandern konnte. Sondern unsere Daten zeigen, dass das Erdgas aus dem Bohrloch in oberflächennahe Grundwasserleiter gelangt ist."

Das heißt, so der Geologe, dass das Trinkwasser durch unzureichende Bohrtechnik verunreinigt wurde. Das ist vielleicht nicht unbedingt eine gute Nachricht. Aber es lässt zumindest hoffen, dass solche Gaslecks in der Zukunft durch bessere Technik verhindert werden könnten. Und Thomas Darrah hat auch schon genaue Vorschläge.

"Das Wichtigste wäre, von den Bohrfirmen zu verlangen, dass sie das Bohrloch besser mit Zement ummanteln als bisher. Das heißt nicht nur oben bei den Grundwasserleitern, sondern auch weiter nach unten."

Eine Forderung, die so bisher in keiner Vorschrift steht. Sollte sie tatsächlich umgesetzt werden, ließe sich bestens überprüfen, ob die Geologen mit ihrer Analyse richtig lagen.

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