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UNHCR-JahresberichtFast jeder hundertste Mensch weltweit auf der Flucht

Flüchtlinge laufen durch Serbien. (dpa-Bildfunk / EPA / DJORDJE SAVIC)
51 Prozent der Flüchtlinge sind laut UNHCR Kinder. Viele reisten allein, beklagt das UNHCR. (dpa-Bildfunk / EPA / DJORDJE SAVIC)

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR verzeichnet "traurige Rekorde" bei den Flüchtlingszahlen: Demnach mussten bis Ende 2015 mehr als 65 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Damit sei erstmals die 60-Millionen-Marke überschritten. Statistisch gesehen ist damit jeder 113. Mensch weltweit asylsuchend, binnenvertrieben oder Flüchtling.

Das sei "ein nie dagewesener Höchststand", schrieb der UNHCR. Die Organisation betonte, damit seien so viele Menschen auf der Flucht, wie in Ländern wie Großbritannien, Frankreich oder Italien insgesamt lebten. "Immer mehr Menschen müssen aufgrund von Krieg und Verfolgung ihre Heimat verlassen und das allein ist höchst beunruhigend. Doch auch die Faktoren, die Flüchtlinge in Gefahr bringen, steigen um ein Vielfaches", sagte UNO-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi.

"Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht." Die Bereitschaft von Staaten, nicht nur für Flüchtlinge, sondern im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit zusammenzuarbeiten, werde momentan herausgefordert.

Fluchtbewegungen stiegen stark an

Wie das UNHCR mitteilte, sind unter den 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht 3,2 Millionen, die auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warteten, 21,3 Millionen Flüchtlinge sowie 40,8 Millionen Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben wurden. Ende 2014 zählte die Organisation noch insgesamt 59,5 Millionen Menschen, die auf der Flucht waren.

Flüchtlinge nehmen im Camp Dagahaley im kenianischen Dadaab eine Mahlzeit ein. (dpa/picture alliance/WFP/Rose Ogola)Aus Somalia flohen viele Menschen - zum Beispiel nach Kenia. (dpa/picture alliance/WFP/Rose Ogola)

Aus dem Bericht geht zudem hervor, dass in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Fluchtbewegungen rasant anstieg. Das liege zum einen daran, dass Konflikte wie in Somalia und Afghanistan länger andauerten, zum anderen daran, dass es mehr neue oder wieder aufflammende Konflikte gebe wie derjenige in Syrien. "Zudem lassen seit Ende des Kalten Krieges effektive und dauerhafte Lösungen immer länger auf sich warten", hieß es.

Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder 

Auffällig an dem UNHCR-Bericht ist, dass mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit jünger als 18 Jahre war. Besonders beunruhigend sei die hohe Zahl an Kindern, die allein reisten oder von ihren Eltern getrennt seien. Zudem geht aus den Daten hervor, dass die Hälfte aller Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat aus drei Ländern kommt: Syrien (4,9 Millionen), Afghanistan (2,7 Millionen) und Somalia (1,1 Millionen). Kolumbien habe mit 6,9 Millionen die höchste Zahl von Binnenvertriebenen; Syrien folge mit 6,6 Millionen, im Irak gebe es 4,4 Millionen.

Afghanen warten auf die Ausgabe der bewilligten Reisepässe an der Passstelle in Kabul. (picture-alliance / dpa/Subel Bandari)Afghanen warten auf die Ausgabe der bewilligten Reisepässe an der Passstelle in Kabul. Wegen der schwierigen Sicherheitslage suchen viele Schutz in anderen Ländern. (picture-alliance / dpa/Subel Bandari)

Die Zahlen zeigen zudem, dass sich die meisten Flüchtlinge außerhalb Europas aufhalten. 86 Prozent hätten vielmehr in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen Schutz gesucht. Oft seien es Staaten, die an Konfliktgebiete grenzten. Die Türkei ist demnach mit 2,5 Millionen Flüchtlingen das größte Aufnahmeland. Auf 1.000 Einwohner kamen dort 183 Schutzsuchende.

Deutschland Spitzenreiter bei Asylanträgen

Auch Deutschland führt eine Statistik an: Hierzulande wurden mit 441.900 Asylanträgen so viele gestellt wie in keinem anderen Land. "Das ist vor allem auf die Bereitschaft Deutschlands zurückzuführen, Flüchtlinge aufzunehmen, die 2015 über das Mittelmeer nach Europa kamen", heißt es. Auf Platz zwei liegen die USA, weil viele Menschen dort Schutz suchten, die vor Bandenkriminalität in Zentralamerika flohen.

(hba/ach)

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