Treibstoffpreise
Union und SPD kritisieren Mineralölkonzerne - "Preisgestaltung nicht glaubhaft erklärt"

Die Fraktionen von Union und SPD wollen erreichen, dass die Mineralölkonzerne Preissteigerungen künftig begründen müssen. Diese Forderung erhoben Mitglieder einer Taskforce aus Abgeordneten nach einem Treffen mit Vertretern der Konzerne in Berlin.

    Eine Zapfsäule einer Tankstelle zeigen die Kraftstoffe AdBlue, Diesel, Super, sowie Super E10 an.
    Eine Zapfsäule einer Tankstelle zeigen die Kraftstoffe AdBlue, Diesel, Super, sowie Super E10 an. (picture alliance / dpa / Silas Stein)
    Der SPD-Bundestagsabgeordnete Zorn sagte, die Unternehmen hätten nicht glaubhaft erklärt, wie die Preisgestaltung und die Unterschiede im europäischen Vergleich zustande kämen. Nach Angaben des CDU-Abgeordneten Müller sollen dem Bundeskartellamt weitere Möglichkeiten eingeräumt werden, um gegen zu hohe Preise zulasten der Verbraucher vorzugehen. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Duso, hatte gesagt, in Deutschland seien die Spritpreise im europäischen Vergleich besonders stark gestiegen.

    Branche weist "Abzocke"-Vorwurf zurück

    Die SPD-Verkehrspolitikerin Cademartori sagte, die Vertreter der Mineralölwirtschaft hätten nicht erklären können, warum Preisanstiege am Rohölmarkt sofort an den Endkunden weitergegeben werden, aber Senkungen nicht. "Offen blieb auch die Frage, ob die Konzerne für das Jahr 2026 Rekordgewinne erwarten. So ein Auftreten nach den Belastungen, die deutsche Verbraucher aushalten müssen, ist dreist."
    Der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands "Fuels und Energie", Küchen, wies den Vorwurf einer "Abzocke" zurück. Er erklärte, die Gewinnmargen hätten sich seit dem Beginn des Iran-Kriegs nicht verändert. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace stellte dagegen eine Analyse vor, laut der die Mineralölkonzerne seit Beginn des Iran-Kriegs überhöhte Gewinne an den Tankstellen erzielen - und zwar täglich etwa 21 Millionen Euro zusätzlich.

    Keine Mehreinnahmen für den Bund

    Der Bund hat nach Angaben des Finanzministeriums keine höheren Steuereinnahmen durch die steigenden Kraftstoffpreise. Die Energiesteuer steige nicht mit dem Preis, sondern sei fix pro Liter, erläuterte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Zwar steige die Umsatzsteuer ein Stück weit mit, doch werde dies durch die Konsumzurückhaltung mehr als ausgeglichen. Insgesamt deuteten Berechnungen eher auf Steuermindereinnahmen hin. 
    Bundeswirtschaftsministerin Reiche hatte zuvor gefordert, der Staat dürfe nicht an den hohen Preisen verdienen. Finanzminister Klingbeil müsse deshalb prüfen, ob zusätzliche Einnahmen aus der Energiesteuer gerechter verteilt werden könnten.
    Die Bundesregierung plant ein Maßnahmenpaket. Zum einen sollen nach österreichischem Vorbild Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, die Preise erhöhen dürfen. Preissenkungen sollen jederzeit möglich sein. Die neue Regel soll für mehr Transparenz und weniger kurzfristige Preissprünge an der Zapfsäule sorgen. Die Koalition will zum anderen das Kartellrecht verschärfen. Wie es aus Regierungskreisen hieß, soll sich bei stark steigenden Preisen künftig die Beweislast umkehren: Unternehmen müssten darlegen, dass ihre Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt seien. Dadurch soll es für das Kartellamt deutlich leichter werden, gegen überhöhte Preise vorzugehen.
    Diese Nachricht wurde am 16.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.