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StartseiteCampus & Karriere"Initiative Zukunftsvertrag" kämpft um feste Stellen02.12.2019

Universität Mainz"Initiative Zukunftsvertrag" kämpft um feste Stellen

Neben der normalen Hochschul-Finanzierung gibt es Bund-Länder-Programme, die zusätzliche Geldmittel zur Verfügung stellen. Damit werden auch befristete Stellen bezahlt. Eine Initiative in Rheinland-Pfalz fordert eine Regelung, wie mit diesen Stellen beim Wechsel zwischen Programmen umgegangen wird.

Von Anke Petermann

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Ein trauriger Smiley mit Augen aus tickenden Uhren. Daneben steht der Schriftzug "Frist ist Frust" (Stefanie Sonntag / GEW)
93 Prozent des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland sind nur befristet beschäftigt. (Stefanie Sonntag / GEW)
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Dominik Schuh, Mitarbeiter im Projekt "Akademische Integrität", begrüßt zehn Interessenten im Kursraum der Mainzer Unibibliothek. Es geht um das richtige Arbeiten mit fremden Ideen, um das korrekte Zitieren, Belegen und Verweisen – und um gefährliche Grauzonen.

"Man kann viele Ängste auffangen. Aus dem Eindruck der Arbeit kann man sagen, dass es eine wirksame Maßnahme ist."

Die Workshops von Dominik Schuh stehen allerdings vor einer ungewissen Zukunft, ebenso die seines Kollegen Daniel Alles. Der Kulturanthropologe unterrichtet seit sieben Jahren wissenschaftliches Schreiben, damit soll er Studierende bei der Stange halten. Ob ihre Teilzeitstellen demnächst auslaufen oder entfristet werden, wissen die beiden Uni-Mitarbeiter nicht.

"Die Förderung kommt durch den Qualitätspakt Lehre zustande, der noch bis Ende kommenden Jahres läuft, bis 31. Dezember 2020. Dann endet diese Förderung und soll fortgesetzt werden durch den Zukunftsvertrag. Allerdings gibt es gewisse Interpretationsspielräume: Die Bundesministerin sagt, dass für sie vor allem der Faktor Qualität dazu gehört. Das heißt, die Art und Weise, wie Lehre ausgestaltet wird – die soll durchaus mitfinanziert werden. Das Landesministerium hat anscheinend eher die Meinung, dass Dinge, die mit Qualität zusammenhängen, weiter als Projekte stattfinden können."

Unterschiedliche Vorstellungen über das weitere Vorgehen

Das hieße, dass Angebote wie Studien-Orientierung –Beratung und Coaching nicht mit den rasant gewachsenen Kapazitäten mithalten würden. Das jedenfalls haben Beschäftigte der Uni Mainz einem Vortrag des Ministers von der SPD entnommen. Konrad Wolf will sich derzeit nicht äußern. Die Gespräche mit den Hochschulen seien auf der Zielgeraden, heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter:

"Das Wissenschaftsministerium ist zuversichtlich, bis Anfang Dezember eine gute Lösung (…) zu finden, welche die sehr unterschiedlichen Interessenlagen aller Hochschulen möglichst weitgehend zusammenführt. Das bestehende Volumen des aktuell auslaufenden Hochschulpakts von 140 Millionen Euro wird den rheinland-pfälzischen Hochschulen auch weiterhin in Gänze zugutekommen."

Doch genau daran zweifelt die ‚Initiative Zukunftsvertrag‘. Daniel Alles:

 "Wir vermuten, dass in Rheinland-Pfalz bestimmte Entfristungsinitiativen, die es in der Vergangenheit gegeben hat, jetzt auf den neuen Zukunftsvertrag angerechnet werden. Das würde bedeuten, dass die Mittel bedeutend kleiner werden, die zur Verfügung stehen, und dass könnte am Ende heißen, dass es nicht für alle reicht, die in Mainz, aber auch in Rheinland-Pfalz beschäftigt sind."

Tatsächlich teilt das Ministerium schriftlich mit:

"Im Vorgriff auf die Verstetigung des Pakts hat die Landesregierung 41,5 Millonen Euro an Landesmitteln verstetigt."

Initiative fordert korrekte Umsetzung der Verträge

Längst getätigte Investitionen will das Ministerium also auf den geplanten rheinland-pfälzischen Eigenanteil für alle Hochschulen des Landes anrechnen. Das mutmaßen und kritisieren auch die dauerhaft beschäftigten Unterstützer der ‚Initiative Zukunftsvertrag‘ in ihrem Offenen Brief an die Mainzer Ministerpräsidentin. Warum die fast 900 Unterzeichner Malu Dreyer und nicht ihren zuständigen Fachminister und Parteifreund ansprechen, begründet Initiator Andreas Frings vom Historischen Seminar so:

"Der sogenannte Zukunftsvertrag wurde von der Ministerpräsidentin unterzeichnet. Es ist ihre Verantwortung, dass Rheinland-Pfalz den Vertrag auch korrekt umsetzt. Und in allen Gesprächssituationen, die es bisher gab, haben wir keine Antworten bekommen, also haben wir uns an die Ministerpräsidentin als Verantwortliche gewendet."

Was mit dem vom Hochschulministerium errechneten geschmälerten Etat noch wegfallen würde? Auch Lehrveranstaltungen, befürchtet Studienmanager Frings:

"Zum Beispiel Sozialwissenschaften, mit einem sehr hohen Anteil an Lehre, der direkt aus den Hochschulpakten finanziert wird, aber auch die Fachdidaktiken, die künftigen Lehrern und Lehrerinnen beibringen, wie man ihr Fach im Gymnasium vermittelt, es betrifft aber auch die psychotherapeutische Beratungsstelle, deren halbes Personal aus diesen Pakten bezahlt wird."

Der Asta der Uni Mainz solidarisiert sich mit der Initiative Zukunftsvertrag und fordert die vollen Mittel ein. Positioniert sich hier die größte Uni im Rheinland-Pfalz-weiten Wettstreit ums Geld? Andreas Frings wehrt ab.

"Wenn diese 70 Millionen Bundesmittel und 70 Millionen Landesmittel zusammenkommen, müsste das Geld doch für alle reichen. Also, wir verstehen das gar nicht als Verteilungskampf."

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