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StartseiteInterview"Das Ziel der Unesco ist aufs Höchste gefährdet"15.10.2017

UNO-Experte"Das Ziel der Unesco ist aufs Höchste gefährdet"

Die Kulturorganisation Unesco sei nach dem Austritt der USA in einer schweren Krise, sagte Wirtschaftswissenschaftler und UNO-Experte Klaus Hüfner im Dlf. Ihr Ziel, als eine globale Organisation zu wirken, sei in Gefahr.

Klaus Hüfner im Gespräch mit Benedikt Schulz

Das Logo der UNO-Kulturorganisation Unesco. (AFP / JOEL SAGET )
Das Logo der UNO-Kulturorganisation Unesco (AFP / JOEL SAGET )
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Durch den Ausstieg der USA fehlten mindestens 22 Prozent vom regulären Haushalt, so Hüfner. Die Gefahr, dass die Amerikaner andere Staaten überreden könnten, mitzuziehen, hält Hüfner allerdings für geringer als in den 80er-Jahren. Damals traten auch Großbritannien und Singapur aus der Unesco aus. 

An der aktuellen Krise, die sich an der Aufnahme der Palästinensergebiete entzündete, trägt die Kulturorganisation nach Hüfners Ansicht eine Mitschuld. Man habe zu schnell auch für Palästina Welterbestätten genehmigt: "Man hätte da die Kooperation mit Israel suchen müssen", sagte Hüfner, "aber leider ist es dazu nicht gekommen."

Das Grundproblem der Unesco sieht Hüfner aber darin, dass sie für Partikularinteressen instrumentalisiert wird: "Das war von Anfang an da." Weil die Unesco eine staatliche Organisation sei, gebe es "eine implizierte Dominanz der Politik". Hüfner fordert deshalb, mehr auf kulturelle Fachkompetenz zu setzen.

Scheitern an den eigenen Ansprüchen?

Schon in den 70er-Jahren sei die Kulturorganisation mit dem Nahost-Konflikt überfordert gewesen. Auch damals habe es keine Kommunikation zwischen Israel und den benachbarten Staaten gegeben. Ein neueres Beispiel sei die Eintragung von Dokumenten zum Nanjing-Massaker der Japaner in China als Weltdokumentenerbe. Auch Japan drohe jetzt, den Mitgliedsbeitrag nicht zu zahlen. 

Hüfner empfiehlt der designierten neuen Unesco-Chefin Audrey Azoulay sichtbare Reformen: "Ich meine, dass sie ganz bewusst einen neuen Anfang beginnen kann." Andernfalls sei die Gefahr sehr groß, dass sich die Weltkulturorganisation von alleine erledige, weil sie Ansprüche stelle, die sie a priori nicht erfüllen könne.

Sie sei beispielsweise keine Entwicklungshilfeorganisation, dazu sei der Finanzrahmen viel zu gering. Stattdessen müsse die Unesco stärker die entwicklungspolitische Arbeit anderer UNO-Organisationen evaluieren und die Kompetenzen einbringen, die sie in den Bereichen Wissenschaft und Kultur habe.

Das komplette Interview können Sie im Audio-Archiv nachlesen.

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