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UNO-Klimakonferenz Bonn
"Wir haben noch einiges zu tun"

Ende 2015 soll in Paris ein weltumspannender Vertrag über den Klimaschutz abgeschlossen werden. Er soll das Kyoto-Protokoll ablösen, das nur noch einige Industriestaaten in die Pflicht nimmt. In Bonn verhandeln Experten auf einer internationalen UN-Klimakonferenz. Sie hoffen, dass mehr Fahrt in die Bemühungen um das Zwei-Grad-Ziel kommt.

Von Georg Ehring | 05.06.2014

    Ein Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde, Brandenburg (Foto von 2014)
    Bei den Verhandlungen über neue Klimaschutzziele könnte der Druck auf die Industrieländer in den kommenden Monaten steigen (Foto von 2014) (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
    Lachende Gesichter allerorten: Delegierte, Beobachter und selbst Vertreter von Umweltverbänden sind erfreut über die Entwicklungen im Klimaschutz aus den vergangenen Tagen. Kyle Ash von Greenpeace USA lobt den Plan der Regierung von Barack Obama, den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen aus den Kraftwerken in seinem Land in den nächsten 15 Jahren um fast ein Drittel zu verringern.
    "Das ist ein wirklich gutes Signal. Es ist die Art von Signalen, die die Teilnehmer der UN- Verhandlungen brauchen. Wir sehen jetzt endlich Maßnahmen, die zeigen, dass die Staaten ihren Versprechungen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen auch Taten folgen lassen."
    Erfreulich finden die Klima-Aktivisten auch, dass die USA nicht allein stehen: China könnte sich auf absolute Obergrenzen für den CO2-Ausstoß einlassen, auch wenn dies noch nicht die offizielle Regierungslinie ist. Und die Europäische Union hat mitgeteilt, dass sie ihr Ziel, bis zum Jahr 2020 insgesamt 20 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen, praktisch schon erreicht hat und es voraussichtlich deutlich übererfüllen wird.
    Wasser in den Wein gießt allerdings die Wissenschaft: Drei Forschungseinrichtungen, die Analysehäuser Ecofys und Climate Analytics sowie das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, haben die UN-Klimapolitik an ihrem eigenen Anspruch gemessen und der lautet: Die Erdatmosphäre soll sich in diesem Jahrhundert um höchstens zwei Grad erwärmen. Niklas Höhne von Ecofys macht deutlich, dass hierfür noch lange nicht genug passiert.
    "Wir sind leider noch nicht auf dem Weg dorthin. Wir haben mal zusammengerechnet, wo wir hinkämen, wenn alle Länder das umsetzen, was sie versprochen haben, dann kämen wir bis zum Ende des Jahrhunderts auf ungefähr 3,1 Grad und wenn man sich das anguckt, was sie wirklich umsetzen, also das ist weniger als sie versprochen haben, dann sind wir bei 3,7 Grad. Also: Wir haben noch einiges zu tun."
    Die Menschheit müsse innerhalb weniger Jahrzehnte komplett aus der Freisetzung von Kohlendioxid und anderen Treibhausgase aussteigen, sagen die Forscher. Derzeit gehe der Trend noch immer in die gegenteilige Richtung, vor allem weil immer mehr Kohle verstromt wird.
    Ende 2015 soll in Paris ein weltumspannender Vertrag über den Klimaschutz abgeschlossen werden, er soll das Kyoto-Protokoll ablösen, das nur noch einige Industriestaaten in die Pflicht nimmt. Wenn die Weltgemeinschaft das zwei-Grad-Ziel ernst nimmt, müssen die Ambitionen zum Ausstieg aus der Erzeugung von Treibhausgasen noch deutlich gesteigert werden.