Montag, 17.12.2018
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteForschung aktuellKein guter Platz für Super-Erden15.11.2018

Unser SonnensystemKein guter Platz für Super-Erden

Super-Erden sind Gesteinsplaneten, die deutlich größer sind als unsere Erde. Im All sind sie weitverbreitet, nur in unserem Sonnensystem gibt es nichts derartiges. Das könnte daran liegen, dass sich zwei bestimmte Planeten des Sonnensystems wie Staubsauger aufführen.

Von Guido Meyer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Drei Super-Erden umkreisen den leuchtenden Stern HD 40307 (künstlerische Darstellung). (picture alliance / Eso)
Gerade wurde eine neue Super-Erde nachgewiesen - nur sechs Lichtjahre entfernt in einem anderen Sonnensystem (picture alliance / Eso)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Exoplaneten "Twinkle" jagt nach dem Funkeln der Sterne

Exoplaneten und Dunkle Energie Die Entdeckungen eines Vierteljahrhunderts

Die schwierige Suche nach der zweiten Erde Viele Exoplaneten und noch mehr Verwirrung

Neu entdeckte Exoplaneten Wissenschaftliche Sensation oder PR-Getöse?

Was ist besser als eine Erde? Klar - eine Super-Erde!

"Eine Super-Erde ist zwischen Erdgröße und zehn Mal die Größe der Erde. Sie entstehen wie die Erde aus kilometergroßen Objekten, die dann zusammenprallen und -knallen und größer werden."

Jupiter und Saturn sind Schuld

Der Astrophysiker Christophe Lenert hat sich an der Universität von Lyon mit solchen Gesteinplaneten beschäftigt. Etwa ein Drittel aller bislang entdeckten Exoplaneten erfüllt diese Kriterien: Sie bestehen aus Eisen und Gestein, sind etwas größer als die Erde, aber bei Weitem nicht so massig wie die Gasriesen. Komisch nur, dass unser Planetensystem nur mit einer einfachen Erde aufwarten kann, nicht mit einer Super-Version derselben.

"Der Grund, warum wir keine Super-Erde haben, sind Jupiter und Saturn. Sie haben sich ziemlich schnell in der Frühphase des Sonnensystems gebildet. Dabei haben sie viel Material verbraucht, sodass für Super-Erden nichts mehr übrig blieb."

Auch der Astronom Nader Haghighipour vom Institut für Astronomie der Universität von Hawaii ist auf der Suche nach den fehlenden Super-Erden. Mit den beiden größten Planeten des Sonnensystems will er die Schuldigen für deren Fehlen ausgemacht haben.

"Damit Super-Erden sich bilden können, bedarf es bestimmter Voraussetzungen. Die gibt es im Sonnensystem nicht. Jupiter und Saturn haben es auf ihren Umlaufbahnen verhindert, dass sich weiter innen Material zu einer Super-Erde zusammenballen konnte, zu der Zeit, als das Sonnensystem entstand."

Kein Material übrig gelassen

Jupiter ist fünfmal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde, Saturn zehnmal so weit. In ihrer unmittelbaren Nähe duldeten die beiden Planeten niemanden neben sich. Alles Gas und Gestein haben die beiden selbst geschluckt. Nur so konnten aus ihnen die beiden größten Planeten des Sonnensystems werden. Wahrscheinlich seien sie jedoch nicht da entstanden, wo sie heute sind, betont Christophe Lenert.

Wie ein Staubsauger haben Jupiter und Saturn auf ihrem Weg nach innen dann auch noch das letzte Material aufgesogen, aus dem sich eine Super-Erde hätte bilden können. Allzuweit können Jupiter und Saturn auf ihrer Wanderung Richtung Sonne jedoch nicht gekommen sein, glaubt Nader Haghighipour aus Hawaii.

"Wären Jupiter und Saturn viel weiter nach innen gewandert, würde es weder die Erde geben noch den Asteroidengürtel. Die Tatsache, dass es mit Merkur, Venus, Erde und Mars aber vier innere Planeten gibt plus einen Asteroidengürtel deutet darauf hin, dass Jupiter und Saturn nur ein Stückchen gewandert sind."

Unbekannte Wanderungen

Über die Wanderungsbewegungen der großen Planeten sind sich Astronomen noch nicht wirklich einig - und genauso wenig über den Mechanismus, der genau dahinter steckt und der ihre Bewegungen irgendwann zum Stillstand gebracht oder sogar ins Gegenteil verkehrt hat. Per Gedankenexperiment lässt sich jedoch zeigen, dass diese Theorie zur Entstehung und Wanderung von Jupiter und Saturn zumindest erklären kann, warum sich keine Super-Erde bilden konnte.

"Wenn wir Jupiter und Saturn aus ihren derzeitigen Umlaufbahnen entfernen würden und ein daraus resultierendes Sonnensystem simulieren, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich anstelle des Asteroidengürtels eine Super-Erde gebildet hätte. Jeder künstliche Eingriff von außen, der den destruktiven Einfluss von Jupiter und Saturn eliminiert, würde das Entstehen einer Super-Erde jenseits der Mars-Umlaufbahn begünstigen."

Somit scheint das Sonnensystem in der Tat etwas Besonderes zu sein - aber zumindest können Astronomen erklären, warum es das ist.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk