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Unter Bäumen geht es besser

Ackerbau. - Der Gipfel in Rio ist vorbei, die Ergebnisse waren mehr als mager. Umso wichtiger sind die kleinen Fortschritte, die ohne globalen Masterplan direkt vor Ort erzielt werden. Eine solche Erfolgsgeschichte ist das Conservation Farming im südlichen Afrika. Mit ganz einfachen Methoden gelingt es den Kleinbauern damit ihren Ertrag dramatisch zu steigern.

Von Volkart Wildermuth | 13.07.2012

"My name is Sinoya Phiri you are welcome to my farm."

Sinoya Phiri bewirtschaftet einen kleinen Bauernhof in der Nähe von Zambias Hauptstadt Lusaka. Die drei Hektar hat er von seinem Vater geerbt.

"Meine Ernte war sehr, sehr schlecht. Von den drei Hektar bekam ich nur 75 Säcke Mais. Dann kam die Conservation Farming Unit und hat mir eine neue Form der Landbearbeitung gezeigt. Ich habe es ausprobiert und im ersten Jahr 250 Säcke geerntet! Das hat mich überzeugt."

Conservation Farming ist eine schonende Form der Bodenbearbeitung. Ursprünglich wurde sie in den USA entwickelt, um zu verhindern, dass der Wind die fruchtbare Ackerkrume wegbläst. 1996 hat der Landwirt Peter Aagard die Methode zusammen mit einem Kollegen an die Verhältnisse in Zambia angepasst.

"Das ist die aufregendste Neuerung in der Landwirtschaft seit 40 Jahren."

Conservation Farming besteht aus vielen Elementen. Zentral ist aber eine andere Art der Bodenbearbeitung. Statt den ganzen Acker umzupflügen, bereiten die Bauern nur mit der Hacke schmale Pflanzbeete für die Samen vor oder ziehen sogar bloß tiefe Rinnen. Der Boden bleibt dabei stabil und wird nicht weggetragen. Das ist gut, der Hauptvorteil besteht aber im Zeitgewinn. Ende Oktober, Anfang November fällt in Zambia der erste Regen. Traditionell beginnen die Bauern dann zu pflügen, denn dafür brauchen sie einen weichen Boden. Weil es zu wenig Ochsen gibt, müssen die armen Bauern warten, bis sie an der Reihe sind. So verlieren sie Wochen bis sie mit der Aussaat beginnen können. Aagard:

"Beim Conservation Farming bereiten wir den Boden schon in der Trockenzeit vor. Wenn dann der Regen fällt, säen wir sofort aus und verlieren keine Zeit. Jeder Tag, den man nach dem ersten Regen wartet, kostet ein bis zwei Prozent der Ernte. Nach 30 Tagen hat man schon die Hälfte der Ernte verloren. Das ist eine Riesenmenge."

Direkt nach dem ersten Regen fangen Mikroorganismen im Boden an, Stickstoff zu binden. Schon nach Tagen ist dieser Stickstoffschub wieder vorbei. Es regnet auch nicht durchgehend, es kommt wirklich auf jeden Tropfen an. Aus diesen Gründen ist Zeit hier Geld oder besser: Ernte. Zum Conservation Farming gehören noch andere Methoden: die Bauern achten auf eine optimale Pflanztiefe, sie verteilen den Dünger nicht einfach übers Feld, sondern bringen ihn direkt an die Pflanzen, Mulch speichert Feuchtigkeit, über die Jahre sorgt der Fruchtwechsel für eine gute Bodenqualität und so weiter. Gerade arme Bauern wie Sinoya Phiri können ihren Ertrag schon im ersten Jahr nach der Umstellung verdoppeln und endlich mehr ernten, als sie zum reinen Überleben brauchen.

"Als erstes habe ich mir ein neues Haus gebaut. Ich pflanze jetzt auch Bohnen an, Hunger ist bei mir kein Problem."

Weder bei seiner Familie mit den fünf Kindern noch bei seinen sechs Schwestern und Brüdern. In seinem Dorf ist er der Experte für das Conservation Farming, zeigt seinen Nachbar wie es geht. Nichts überzeugt so wie der Erfolg. 1996 hat Peter Aagard die Conservation Farming Unit gegründet und die ersten zwölf Bauern ausgebildet, inzwischen sind es alleine in Zambia fast 190.000. Peter Aagard berät auch in den Nachbarländern die Bauernorgansiationen und erzählt ihnen zum Beispiel vom Düngerbaum.

"Dieser Baum heißt Faidherbia albida. Es ist der einzige Baum, der seine Blätter in der Regenzeit verliert. Er beschattet die Feldfrüchte also nicht. Die Blätter enthalten viel Stickstoff und die Wurzeln holen Nährstoffe aus bis zu 40 Metern Tiefe. Unter diesem Baum bekommt man vernünftige Erträge von Mais oder Hirse ganz ohne Dünger."

Auch Sinoya Phiri hat mitten in seine Felder Setzlinge des Düngerbaums gepflanzt. Alle zehn, zwanzig Meter zeigen sich ihre nackten Stämme zwischen dem Mais. Noch ragen sie kaum über die Stauden, aber in vier, fünf Jahren werden sie beginnen, mit ihren wertvollen Blättern den Boden zu verbessern und so die nächste Stufe des Conservation Farming einleiten. Phiri:

"Sie haben mir von Faidherbia erzählt. Dieser Baum bringt Nährstoffe in die Erde. Das dauert lange, ich pflanze die Bäume für meine Kinder, sie werden in den kommenden Jahren profitieren."

Hinweis: Zum Thema Agroforstwirtschaft hören Sie am Sonntag, 15.07., 16:30 Uhr, im Deutschlandfunk das Feature Ackern unter Bäumen, Teil 4 unserer Reihe Nahrung für neun Milliarden.